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Die Koalition aus CDU, SPD und FDP hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihre Mehrheit verloren. Laut Hochrechnungen ist keine Regierungsbildung aus der politischen Mitte möglich. Die AfD könnte laut ersten Prognosen die stärkste Fraktion stellen, während das BSW knapp an der Fünf-Prozent-Hürde liegt.
Die gegenwärtige Koalition aus CDU, SPD und FDP hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag ihre Mehrheit verloren. Laut den ersten Hochrechnungen ist keine Regierungsbildung aus der politischen Mitte heraus möglich.
Wie entwickeln sich die Mehrheitsverhältnisse?
Es gibt, grob unterteilt, folgende drei Szenarien: Erstens könnte die AfD eine eigene Mehrheit im Landtag erreichen. Dies geben die ersten Hochrechnungen nicht her.
Zweitens könnte das BSW den Einzug in den Landtag schaffen, was den Parteien der Mitte die Regierungsbildung erschweren würde, der AfD hingegen erleichtern könnte. Die ersten Hochrechnungen sehen die Partei knapp bei fünf Prozent. Das BSW hat noch kurz vor der Wahl die Bereitschaft signalisiert, mit der AfD zusammenzuarbeiten.
Bleibt das dritte und laut den ersten Hochrechnungen wahrscheinlichste Szenario: Die CDU ist zur Fortführung ihrer Regierung entweder auf die Zustimmung der AfD oder der Linken-Fraktion angewiesen. Das hat schon vor der Wahl innerhalb der Partei zu Spannungen geführt. Da auch die AfD nach Aussage ihres Spitzenkandidaten Siegmund keine Koalitionen eingehen will, könnte die Regierungsbildung verzwickt werden.
Bis wann muss sich der gewählte Landtag konstituieren?
Dafür sieht die Landesverfassung eine Frist von 30 Tagen vor. Eröffnet wird die Sitzung durch den Alterspräsidenten. Im benachbarten Thüringen fiel diese Rolle nach der Landtagswahl einem AfD-Politiker zu, der seine Befugnisse aber in einer denkwürdigen Sitzung überschritt. „Ein Alterspräsident ist lediglich ein Amtswalter und hat eine dienende Funktion“, erklärt der Hallenser Verfassungsrechtler Robert Böttner. Dies habe das Thüringer Verfassungsgericht nach der Sitzung auch klargestellt. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fällt die Funktion des Alterspräsidenten auch nicht dem ältesten, sondern dem dienstältesten Landtagsabgeordneten zu, und dieser wird aller Voraussicht nach nicht von der erst seit 2016 im Landtag vertretenen AfD gestellt.
Wer legt die Geschäftsordnung fest?
Bei seiner Konstituierung hat der Landtag noch keine Geschäftsordnung, diese muss das Parlament sich am Anfang selbst geben. „In der Regel wird die alte Geschäftsordnung weiterverwendet, diese kann aber auch verändert werden, auch bereits vor der Wahl des Landtagspräsidenten“, erklärt Böttner. Die Geschäftsordnung wird in einer offenen Abstimmung beschlossen, nötig ist die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Sollte das BSW also in den Landtag gelangen, könnte es mit einer Enthaltung schon an diesem Punkt Spielräume für die AfD eröffnen.
Welche Rolle spielen Landtagspräsidium und Ältestenrat?
Das Vorschlagsrecht für den Landtagspräsidenten liegt laut der gültigen Geschäftsordnung bei der größten Fraktion, die laut den ersten Hochrechnungen die AfD stellen wird. „Es gibt aber keinen Anspruch, auch zum Landtagspräsidenten gewählt zu werden“, äußert der Verfassungsjurist Böttner und verweist darauf, dass im Zuge der Parlamentsreform im April auch die Geschäftsordnung im Vorgriff auf den neuen Landtag geändert wurde, was er verfassungsrechtlich allerdings für fragwürdig hält.
Die neue Regelung besagt, dass nach einer Nichtwahl das Vorschlagsrecht nicht wie bislang bei der größten Fraktion verbleibt, sondern alle Fraktionen Kandidaten benennen dürfen. In Thüringen ist mit Thadäus König bereits ein Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden, der nicht Mitglied der stärksten Fraktion (AfD), sondern der zweitstärksten Fraktion (CDU) ist.
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Die neue Geschäftsordnung von April sieht zudem eine Änderung bei den Vizepräsidenten des Landtags vor: Die Fraktion, die den Präsidenten stellt, bekommt künftig nicht zusätzlich noch einen Vizepräsidenten. Auch ist nicht mehr vorgesehen, dass es drei Vizepräsidenten geben soll, sondern nur noch „bis zu drei“.
Hintergrund der neuen Regel ist die Erfahrung, dass die Kandidaten der AfD für das Amt des Vizepräsidenten in der Vergangenheit nicht die erforderliche Mehrheit im Magdeburger Landtag erhielten. Die Abstimmungen über den Landtagspräsidenten und seine Stellvertreter, die gemeinsam das Landtagspräsidium bilden und die Plenarsitzungen leiten, erfolgen geheim.
Das Landtagspräsidium bildet zusammen mit 13 weiteren Abgeordneten den Ältestenrat, der die Tagesordnung des Parlaments erstellt. In den Sitzungen des Ältestenrats ist das Präsidium aber nicht stimmberechtigt.
Sollte kein Präsident oder kein Präsidium gewählt werden, muss der Landtag improvisieren. „Dieser Fall ist nicht verfassungsrechtlich geregelt“, sagt Jurist Böttner.
Kann es passieren, dass der bisherige Ministerpräsident noch lange geschäftsführend im Amt bleibt?
Ja. Der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und sein Kabinett bleiben bis zur Wahl des neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt. Dieser Zustand kann Monate und Jahre andauern, da die Landesverfassung von Sachsen-Anhalt keine Frist enthält, bis zu der die Wahl erfolgt sein muss. Eine solche Frist wurde nach der Landtagswahl im Jahr 2016 aus der Verfassung gestrichen, da die Koalitionsverhandlungen damals überhastet geführt werden mussten. Theoretisch denkbar ist sogar, dass der Ministerpräsident über die nachfolgende Landtagswahl hinaus geschäftsführend im Amt bleibt.
Es stellt sich aber die Frage, wie handlungsfähig eine solche geschäftsführende Landesregierung wäre, besonders mit Blick auf den kommenden Haushalt. Sollte sich für diesen Haushalt keine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen im Landtag finden, kommt es zu einer vorläufigen Haushaltsführung. „Dann steht jeden Monat ein Teil des alten Budgets zur Verfügung, um zwingend notwendige Ausgaben zu tätigen“, erklärt Verfassungsjurist Böttner.
Was bedeutet „Versteinerung“ des Kabinetts?
Ein geschäftsführender Ministerpräsident könnte zwar Minister aus seinem Kabinett entlassen, aber keine neuen mehr ernennen. Das Kabinett „versteinert“. So lautet zumindest ein althergebrachter, wenn auch umstrittener Grundsatz im Verfassungsrecht, wie Robert Böttner erklärt. Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter einiger Kabinettsmitglieder ist diese Frage in Sachsen-Anhalt durchaus virulent.
Es gibt aber einen Umweg: Ministerpräsident Schulze könnte neue Minister noch vor der Konstituierung des neuen Landtags im bisherigen Landtag vereidigen lassen.
Kann man die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten erzwingen?
Wenn eine Fraktion dies verlangt und das Plenum das beschließt, muss die Wahl eines Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung gesetzt werden. „Das ist dann ein ganz normaler Tagesordnungspunkt“, sagt Robert Böttner. Der Punkt kann mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen aber auch wieder von der Tagesordnung entfernt werden.
Ist das Wahlverfahren jedoch einmal in Gang gesetzt, sieht die Verfassung einen starren Zeitplan vor: Erhält im ersten Wahlgang kein Bewerber in geheimer Abstimmung die Mehrheit der Mitglieder des Landtags, findet innerhalb von sieben Tagen ein zweiter Wahlgang mit demselben Quorum statt. Falls auch dann kein Ministerpräsident gewählt ist, kann der Landtag binnen weiterer 14 Tage mit Mehrheit der Mitglieder seine Auflösung beschließen, die sonst erst nach sechs Monaten möglich ist.
Löst sich der Landtag nicht auf, findet unverzüglich ein dritter Wahlgang statt. Dann, und das ist wichtig, ist nur noch die Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Die Hürde liegt damit zwar immer noch höher als in anderen Ländern, wo ein Bewerber lediglich die relative Mehrheit benötigt, also mehr Stimmen als mögliche Mitbewerber.
Aber durch Enthaltungen lässt sich die Zahl der nötigen Stimmen im Vergleich zu den ersten beiden Wahlgängen dennoch senken. Das BSW hat bereits in Aussicht gestellt, sich im Falle seines Einzugs in den Landtag zugunsten der AfD im dritten Wahlgang zu enthalten.
Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lehnt dies im Gespräch mit der F.A.Z. aber ab. „Ich würde doch gar nicht ohne Mehrheit in die Wahl gehen“, sagt Siegmund. „Was bringt es mir denn, formaler Ministerpräsident zu sein, wenn ich keine parlamentarische Mehrheit habe und keinen einzigen Gesetzesentwurf durchbekomme, ohne mich irgendwo wieder aufweichen zu müssen“, erklärt der AfD-Politiker. „Es geht nur alleine.“ Tatsächlich wäre ein AfD-Ministerpräsident, der im dritten Wahlgang in geheimer Abstimmung die erforderliche Mehrheit erhielt, bei der Verabschiedung des Haushalts dann wieder auf eine Mehrheit der anwesenden Abgeordneten in offener Abstimmung angewiesen.
Der dritte Wahlgang ist aber auch deshalb vertrackt, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, das nötige Quorum zu senken. Ein Abgeordneter könnte, etwa unter Verweis auf gesundheitliche Gründe, der Abstimmung fernbleiben oder die Sitzung kurzzeitig verlassen – dann wäre dieses Verhalten für Außenstehende sichtbar. Bei einer Enthaltung in der Abstimmung könnte hingegen nicht auf den einzelnen Abgeordneten zurückgeschlossen werden. Dies gilt auch für die Abgabe eines ungültigen Stimmzettels. Ob eine ungültige Stimme als nicht abgegeben oder als Neinstimme gewertet werden soll, ist in der Rechtswissenschaft umstritten.
Auch die Gestaltung des Stimmzettels ist eine wichtige Frage. Der Verfassungsjurist Robert Böttner vertritt die Auffassung, dass auf den Stimmzetteln „Ja“ (oder im Falle mehrerer Bewerber deren Namen) verzeichnet sein müsse sowie die Optionen „Nein“ und „Enthaltung“. Beim dritten Wahlgang im Jahr 1994 fehlte in Sachsen-Anhalt das Feld „Nein“. Böttner hält die damalige Wahl von Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) daher wie andere Juristen für verfassungswidrig.
AI outlook — possibilities, not facts
Die CDU wird entweder auf die Unterstützung der AfD oder der Linken angewiesen sein, um eine Regierung zu bilden.
Likely · Within weeks
Der dienstälteste Abgeordnete wird als Alterspräsident die Konstituierung des Landtags eröffnen, nicht der älteste Abgeordnete.
Very likely · Within days
Sollte kein Präsident gewählt werden, könnte der Landtag innerhalb von 21 Tagen seine Auflösung beschließen.
Possible · Within weeks

The war in Eastern Europe has taken a backseat to Donald Trump as he focuses on his own conflicts, including control of Venezuela, attacks in Iran alongside Netanyahu and a trade war with Canada.

According to projections, the AfD achieved 44 percent in Saxony-Anhalt and celebrated its election victory, while the CDU achieved a historically poor result with less than 18.5 percent and is considering coalition options. The SPD, Left, Greens and BSW also recorded disappointing results, while the FDP narrowly failed to meet the five percent hurdle.

In Dessau, election observers are checking the vote count due to allegations of manipulation in postal voting. The polling stations are closed and counting is underway.

The AfD achieved a historic result in the state elections in Saxony-Anhalt and narrowly missed out on an absolute majority. If it falls short of a majority, forming a government could be difficult, while the CDU under Sven Schulze achieves its worst result since reunification. The BSW is scratching the five percent hurdle and could become decisive for the balance of power.

The AfD clearly won the state elections in Saxony-Anhalt, while the CDU halved its votes. The result leads to the threat of ungovernability in the country. The BSW also fears negative consequences from the election.

According to projections, the AfD achieved around 44 percent of the votes in Saxony-Anhalt in the state elections, which represents almost half of the votes for the first time in a state or federal election in Germany and marks the end of the assumption that right-wing extremism has been permanently defeated in Germany.