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Lindsay Clancy, eine 36-jährige Krankenschwester aus Duxbury, Massachusetts, wird beschuldigt, ihre drei Kinder im Januar 2023 getötet zu haben. Sie behauptet, während einer Wochenbettpsychose von einer männlichen Stimme im Kopf getrieben worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vorsätzlichen Mord vor.
War da eine männliche Stimme im Kopf von Lindsay Clancy, die ihr befahl, die Kinder und sich selbst zu töten? Halluzinierte sie, war sie in einer Art psychotischem „Traumzustand“, als sie ein Szenario Wirklichkeit werden ließ, das sämtliche Albträume übersteigt?
Oder plante Lindsay Clancy den Tod ihrer drei kleinen Kinder? Brachte sie ihren Mann gezielt dazu, am 24. Januar 2023 das Haus zu verlassen? Und erdrosselte sie dann im vollen Bewusstsein die Kinder? Sie waren fünf Jahre, drei Jahre und acht Monate alt. Clancys Mann hatte an jenem Abend Erledigungen gemacht und Abendessen geholt. Als er wiederkam, fand er seine Frau blutend im Hinterhof liegend, sie musste später wiederbelebt werden. Die Kinder lagen bewusstlos im Keller ihres Hauses. Zwei von ihren waren kurz danach tot, das dritte starb wenige Tage später.
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Seit Juli steht die 36 Jahre alte Krankenschwester in der Geburtshilfe, die mit ihrer Familie in Duxbury südlich von Boston lebte, vor Gericht. Clancys Fall hat in der Öffentlichkeit heftige Debatten ausgelöst: Tut der Staat genug für Mütter nach der Geburt? Werden Psychosen im Gesundheitssystem ernst genug genommen? Und: Wie soll der Rechtsstaat umgehen mit psychisch kranken Müttern, die ihren Kindern Gewalt antun?
Die Jury muss entscheiden: War Clancy schuldunfähig?
Dass eine entschiedene Antwort darauf schwerfällt, wird nun, kurz vor einem möglichen Urteil, überdeutlich. Die Geschworenen beraten seit vergangenem Donnerstag darüber. Am Dienstag teilten sie dem Richter mit, sie seien „deadlocked“. Sie könnten noch keine Entscheidung fällen. Nach dem in Massachusetts geltenden Recht müssen die zwölf Mitglieder der Jury zu einem einstimmigen Urteil kommen. An diesem Mittwoch um 9 Uhr (Ortszeit) sollen die Beratungen fortgesetzt werden.
Im Kern steht die Frage, ob Lindsay Clancy aus rechtlicher Sicht Schuld hat am Tod ihrer Kinder. Dann würde sie zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Wenn sie aber erwiesen an einer Wochenbettpsychose litt und deshalb in einem unzurechnungsfähigen Zustand handelte, wie ihre Verteidiger sagen, wäre sie schuldunfähig und käme in eine psychiatrische Einrichtung. Dass sie in dem Verfahren ohne Einschränkung freigesprochen wird, gilt als äußerst unwahrscheinlich.
Im Prozess wurden zahlreiche Zeugen vernommen. Clancys Mutter sagte aus, ihre Tochter habe ihr in den Monaten vor der Tat offenbart, an Depressionen, Angstzuständen und Insomnie zu leiden. Ihre damaligen Medikamente hätten ihren Zustand nur verschlechtert, sie habe „um Hilfe gebettelt“. Laut Clancys Verteidigern wurde sie falsch diagnostiziert und unkoordiniert mit zu vielen Medikamenten behandelt. Auf Clancys Handy fanden sich in den Tagen vor der Tat Sucheinträge zu Schizophrenie, Halluzinationen und Psychosen.
Auch medizinische Fachkräfte beschrieben vor Gericht Symptome einer schweren monatelangen postnatalen Depression. Sie habe kurz vor den Tötungen ihrer Kinder zweimal eine Suizidhotline angerufen. Clancy habe nach der Tat von einer männlichen Stimme im Kopf erzählt, die ihr befohlen habe, die Kinder und sich selbst zu töten, „sonst wären weder sie noch ihre Kinder sicher“. Unmittelbar nachdem sie ihre Kinder erdrosselt hatte, hatte Clancy versucht, sich das Leben zu nehmen. Seither ist sie von der Hüfte abwärts gelähmt.
„Ich möchte euch alle bitten, Lindsay zu vergeben"
Clancy und der Vater der Kinder sind inzwischen geschieden. Vor Gericht beschrieb auch er, wie er sich mit zunehmender Verzweiflung darum bemüht habe, Hilfe für seine Frau zu finden. Auch ihm gegenüber habe Clancy Gedanken geäußert, dass sie den Kindern etwas antun könnte – sich aber immer wieder ganz normal um sie gekümmert.
In einem öffentlichen Statement ergriff er Partei für sie und beschrieb das frühere Familienleben als harmonisch. „Ich möchte euch alle bitten, tief in euch selbst die Kraft zu finden, Lindsay zu vergeben, so wie ich es getan habe“, schrieb er. Die „wahre Lindsay“ sei gegenüber allen „von ganzem Herzen liebevoll und fürsorglich“ gewesen. Jedem seiner getöteten Kinder widmete er einen emotionalen Absatz. „Ich weiß nicht, ob der Schmerz jemals vergehen wird, aber ich werde mein Bestes tun, um zu euren Ehren weiterzumachen.“
Laut Staatsanwaltschaft wusste Clancy „genau, was sie tut“. Sie beruft sich etwa auf Krankenakten, die zeigten, dass Clancy die Stimme in ihrem Kopf erst beschrieb, nachdem die Kinder schon tot waren. Zwar gebe es keinen Zweifel daran, dass Clancy psychisch gelitten habe – aber nicht in einem Ausmaß, dass sie Recht und Unrecht nicht mehr unterscheiden konnte. Ein Psychiater hatte zu bedenken gegeben, Clancy habe ihre schweren Symptome nicht gezeigt, aus Angst, dass ihr die Kinder weggenommen würden. Zwei andere Psychiater, die Clancy untersuchten, stellten ihre Diagnosen allerdings infrage und attestierten der Angeklagten durchaus eine geistige Zurechnungsfähigkeit während der Tat.
Einigt sich die Jury nicht, platzt das Verfahren
Sollten die Geschworenen sich dieser Einschätzung anschließen, könnte Clancy wegen vorsätzlichen und geplanten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Sollte die Jury zur Überzeugung kommen, Clancy habe in böser Absicht, aber ohne vorsätzlichen Plan gehandelt, droht ihr ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe, allerdings mit Möglichkeit auf eine vorzeitige Entlassung. Auch eine Verurteilung wegen Totschlags „durch mutwilliges und rücksichtsloses Verhalten“ bedingt durch eine Überdosis an Medikamenten ist denkbar und würde bis zu 20 Jahre Haft bedeuten.
Sollten die Geschworenen trotz aller Beratungen und Appellen des Richters nicht zu einer Einigung kommen, droht das Verfahren zu platzen. Die Staatsanwaltschaft könnte den Fall dann neu aufrollen, einen Deal mit Clancys Verteidigern aushandeln oder die Anklage fallen lassen.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Jury wird Lindsay Clancy für schuldig erklären, da sie derzeit uneins ist und eine Einigung unwahrscheinlich scheint.
Likely · Within days
Falls die Jury nicht zu einem Urteil kommt, wird die Staatsanwaltschaft entweder einen neuen Prozess anstreben oder einen Deal mit der Verteidigung aushandeln.
Possible · Within weeks

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