
Ein schwerwiegender Fehler bei der IT-Gesellschaft BWI legt seit über einer Woche Systeme für Reservisten lahm; das Verteidigungsministerium schließt einen Cyberangriff aus.
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Die BWI ist der IT-Dienstleister der Bundeswehr und befindet sich seit 2016 in alleinigem Eigentum des Bundes. Sie ist für die Modernisierung der IT-Infrastruktur der Streitkräfte verantwortlich.
Berlin. Die Bundeswehr hat mit einem massiven IT-Ausfall zu kämpfen. Nach Informationen des Handelsblatts kam es bei der bundeseigenen IT-Gesellschaft BWI zu einer gravierenden Panne. Sie betrifft alle Reservisten und dauert bereits seit mehr als einer Woche an. Im Verteidigungsfall hätte das gravierende Folgen.
Insider zitieren Aussagen des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr. Danach sollen bei einem Massendatenimport alle Datensätze der nicht gerade einberufenen Reservisten gelöscht worden sein. Die Bundeswehr hat derzeit rund 60.000 nicht aktive Soldaten.
Die Nutzer ziviler Arbeitsplätze hätten demnach keinen Zugriff mehr auf die Computer der BWI, hieß es weiter. Die Zugänge zum Messenger der Bundeswehr und zum eToken-System, das zur Buchung von Zugtickets dient, seien deaktiviert worden.
Die Probleme bestünden seit Anfang der vergangenen Woche. Es gebe noch keinerlei Informationen, sagten Soldaten. Die Betroffenen hätten keinen Zugriff mehr auf Daten oder Mails. Im Verteidigungsfall sei dies „eine Katastrophe“, hieß es.
Experten fragen sich, warum es so lange dauert, den Fehler zu beheben. Offenkundig sei das „Active Directory“ betroffen, das „Gehirn“ des Microsoft-basierten Netzwerks. „Wenn ich ein geregeltes Verfahren habe, dann müsste ich wissen, wo mein Back-up liegt und wie ich es einfach wieder einspielen kann“, sagte der Informatik-Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, David Zellhöfer. Dies würde normalerweise vorher geübt. „Dann ist alles wieder gut.“
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums (BMVg) sagte: „Störungen einzelner IT-Systeme sind dem BMVg bekannt.“ Die Ursachen und Auswirkungen seien im Ministerium „entlang der dafür vorgesehenen Prozesse und Meldewege aufgearbeitet“ worden. Auf Nachfrage verneinte er, dass es sich um einen Cyberangriff gehandelt habe und es zu Datenabflüssen gekommen sei. Vielmehr nannte er „betriebliche Gründe als Ursache“. Entsprechend seien auch „keine Datenabflüsse oder Zugriffe Dritter zu verzeichnen“.
Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter warnte vor den Folgen der IT-Panne für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. „Der Vorfall zeigt, dass wir in der Fläche nicht voll einsatz- und verteidigungsfähig sind, wenn zentrale Elemente der Führungs- und Kommandofähigkeiten nicht funktionieren oder anfällig für Störungen oder Cyberangriffe sind“, sagte Kiesewetter dem Handelsblatt.
Ein Sprecher der BWI sprach von einer „Beeinträchtigung durch Updates der verarbeitenden Systeme“. Hierdurch seien einzelne Datensätze zurzeit nicht abrufbar, sagte er dem Handelsblatt. Die BWI sei dabei, den Zugriff wiederherzustellen. „Wir gehen davon aus, dass dieses Problem zeitnah erledigt ist.“
Kiesewetter bemängelte, die IT-Probleme seien „symptomatisch für das Fehlen moderner Strukturen bei Beschaffung, Innovation und Adaptionsprozessen“. Das zeige sich auch bei Problemen mit dem Digitalfunk sowie bei der Umsetzung moderner Anforderungen an Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.
Besonders kritisch sieht Kiesewetter die Auswirkungen auf die Reserve. Reservisten seien für die „Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr“ und das Funktionieren des Operationsplans Deutschland (OPLAN) „besonders bedeutsam“. „Hier fehlt es nicht nur an Personal und Ausstattung, sondern schlichtweg auch an sicheren Kommunikationsstrukturen.“
Erst Anfang der Woche hatte der Geschäftsführer der bundeseigenen Gesellschaft BWI angekündigt, Aufträge im Volumen von „mehr als zehn Milliarden Euro“ vergeben zu wollen. Dies hatte Bernhard Günther im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt. Die anstehenden Aufgaben angesichts der Zeitenwende könne die BWI nicht allein bewältigen. „Wir müssen den Umsatz pro Mitarbeiter innerhalb von fünf Jahren verdoppeln.“ Mit Automatisierung allein sei das nicht zu machen. Daher steige der Anteil externer Leistungen von 50 auf 70 Prozent.
Die „Bundes-Wehr und Industrie“ GmbH wurde 2006 gegründet, um die IT-Infrastruktur der Streitkräfte gemeinsam mit Siemens und IBM zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Seit 2016 ist die Gesellschaft in alleinigem Eigentum des Bundes. Seither ist die BWI de facto der IT-Dienstleister der Bundeswehr. BWI ist zudem auch für die deutschen Nachrichtendienste tätig. Kunden aus der Privatwirtschaft gibt es nicht.
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Wiederherstellung der IT-Systeme durch die BWI
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