
Der Milliardär und langjährige Chef von Kühne+Nagel verstarb in der Schweiz. Er prägte die Logistikbranche und war ein bedeutender Mäzen für Hamburg.
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Kühne-Nagel ist ein weltweit führender Logistikdienstleister. Klaus-Michael Kühne war zudem ein bedeutender Investor in Unternehmen wie Lufthansa und Hapag-Lloyd.
Der Unternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das bestätigte der von seiner Familie gegründete Konzern Kühne+Nagel. Kühne starb demnach in der vergangenen Nacht im schweizerischen Schindellegi.
Wie das Manager Magazin unter Berufung auf das familiäre Umfeld des Verstorbenen berichtete, soll Kühne vor zehn Tagen von Mallorca in seinen Schweizer Wohnort zurückgekommen sein. Zu diesem Zeitpunkt sei es ihm gesundheitlich bereits schlechter gegangen, er sei ärztlich behandelt worden.
"Mit dem Tod von Klaus-Michael haben wir einen Visionär, einen großartigen Unternehmer und eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren. Unsere Gedanken sind bei seiner Witwe Christine Kühne", würdigte der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Kühne+Nagel den Verstorbenen. Auch Firmenchef Stefan Paul sprach der Familie von Kühne im Namen des Unternehmens sein "tiefstes Mitgefühl" aus. Kühne habe "wie kein anderer für Logistik und den globalen Handel" gestanden.
Vom Familienunternehmen zum weltweit führenden Dienstleister
Der im Juni 1937 in Hamburg geborene Kühne war 1958 in das von seinem Großvater mitbegründete Familienunternehmen Kühne+Nagel eingetreten und wurde 1966 Vorstandsvorsitzender der Kühne+Nagel Speditions-Aktiengesellschaft. Ab 1975 war er Vorstandsvorsitzender der Kühne+Nagel International AG und von 1992 bis 2011 Vorsitzender des Verwaltungsrats. Anschließend bekleidete er das Amt des Ehrenpräsidenten des Verwaltungsrats.
Kühne hatte das Familienunternehmen ab den 1960er-Jahren zu einem weltweit führenden Logistikdienstleister im Luft- und Seefrachtverkehr ausgebaut. In den 1970er-Jahren zog Kühne in die Schweiz und verlegte auch den Firmensitz das Nachbarland. Seine Entscheidung begründete Kühne unter anderem mit steuerlichen Vorteilen durch den neuen Unternehmenssitz, aber auch private Gründe spielten seiner Aussage nach eine Rolle. Schon sein Vater habe die Schweiz geliebt, ihn selbst hätten vor dem Umzug bereits mehrere Urlaube in das Land geführt.
Unternehmen mit 88.000 Beschäftigten
Heute verfügt Kühne+Nagel eigenen Angaben nach über weltweit mehr als 1.300 Standorte mit etwa 88.000 Beschäftigten.
Zudem gründete Kühne in den 1990er-Jahren die Kühne Holding, mittels der er in eine Reihe namhafter Konzerne investierte. Die Holding hält nach eigenen Angaben unter anderem 20 Prozent an der Lufthansa und eine "wesentliche Minderheitsbeteiligung" am Fernbus- und Reiseunternehmen Flix.
Kritik gab es an Kühnes Umgang mit der NS-Vergangenheit von Kühne+Nagel. Das Familienunternehmen hatte im Zweiten Weltkrieg mit dem NS-Regime zusammengearbeitet und geraubte Güter aus jüdischem Besitz transportiert. Anders als viele andere Unternehmer weigerte sich Kühne jedoch zeit seines Lebens, die Vergangenheit von einer unabhängigen Stelle wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen.
Millionen zur Rettung von Hapag-Lloyd
Seiner Heimatstadt Hamburg blieb Kühne aber trotz seines Umzugs in die Schweiz eng verbunden. So schmiedete er 2008, als die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd vor der Übernahme durch ausländische Investoren stand, ein Konsortium zu deren Rettung und wurde zum größten Einzelaktionär.
Aus seinem Privatvermögen stellte er rund 360 Millionen Euro zur Verfügung und spielte damit eine entscheidende Rolle, um die finanziell angeschlagene Reederei Hapag-Lloyd vor dem Kollaps zu retten und sie in Hamburg zu halten. Denn die Standortsicherung war eine der zentralen Bedingungen Kühnes, damit er sich an dem für die Traditionsreederei geschnürten Rettungspaket beteiligt.
Auch für den Hamburger SV trat Kühne als Förderer auf. So gab er dem Darlehen, um Spielertransfers zu ermöglichen. Zur Saison 2015/16 erwarb er die Namensrechte des HSV-Stadions und benannte es in Volksparkstadion um - so wie es traditionell geheißen hatte. Nach Bekanntwerden von Kühnes Tod teilte der HSV auf seiner Internetseite mit, einen "treuen Gesellschafter, Unterstützer und leidenschaftlichen Anhänger" verloren zu haben.
Kühne Stiftung will neue Oper finanzieren
Und auch über die 1976 von ihm gegründete und nach ihm benannte Kühne Stiftung engagierte sich der Unternehmer für Projekte in Hamburg. So trägt die Stiftung den Großteil der Baukosten, die für den Bau eines neuen Opernhauses in der Hamburger Hafencity anfallen. Nach Fertigstellung soll die Oper als Schenkung an die Stadt übergehen. Laut NDR könnte der Bau bis 2032 abgeschlossen werden.
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda würdigte Kühne als "großen Mäzen, der mit viel Leidenschaft die Kultur in Hamburg großzügig unterstützt hat". Mit seinem Engagement unter anderem für die Elbphilharmonie, die Oper und die Literatur habe Kühne dazu beigetragen, dass seine Geburtsstadt Hamburg heute international als Kulturstadt wahrgenommen werde.

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