
The Finnish UPM group's 1.3 billion euro plant in Leuna is focusing on the bioeconomy, while political debates ahead of the state parliament election in Saxony-Anhalt shape the location discussion.
AI-generated summary
The UPM biorefinery in Leuna is the world's first industrial-scale plant for producing biochemicals from wood. The investment costs amounted to over 1.3 billion euros.
Die Bioraffinerie des finnischen Konzerns UPM in Leuna ist eine der größten Investitionen in Sachsen-Anhalt. Die gut 1,3 Milliarden teure Anlage ist eine der wichtigsten Neuansiedlungen am größten Chemiestandort in Ostdeutschland nach der Wende. Es ist global die erste Anlage im Industriemaßstab, in der Biochemikalien auf Basis von Holz hergestellt werden. Seit Ende 2025 läuft die Produktion von Industriezucker. Doch wie geht es nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für den Standort weiter?
Wenige Tage vor der Wahl waren Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu Besuch in Leuna. „UPM ist ein Beispiel dafür, wo Sachsen-Anhalt steht, nämlich in dieser Technologie ganz vorne“, sagte Schulze. Dass ein finnischer Konzern in diesem Umfang in Leuna investiere, zeige die Stärke des Industriestandorts und die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes, sagte Merz und schaltete in den Wahlkampfmodus: „Wer wie die AfD aus dem Binnenmarkt und aus der EU rauswill, der stellt solche Projekte von Grund auf infrage“, sagte er.
UPM äußert sich nicht zur Parteipolitik. Die Anforderungen des börsennotierten Konzerns mit gut 15.000 Beschäftigten auf der ganzen Welt und knapp zehn Milliarden Euro Umsatz an seine Standorte sind aber unabhängig vom Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar: „Wir sind ein global aufgestelltes Unternehmen. Wir brauchen integrierte Märkte, vor allem in der Europäischen Union“, sagt Harald Dialer, der im Vorstand von UPM unter anderem für die Bioraffinerie in Leuna verantwortlich ist.
Klare Vorstellungen hat das finnische Unternehmen auch mit Blick auf die Belegschaft. „Wir setzen auf Diversität, schon allein deshalb, weil wir davon überzeugt sind, dass wir so die besten Ergebnisse erzielen“, sagt Dialer. Der Erfolg der AfD, die laut dem Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt auf „kulturfremde Fachkräfte“ verzichten möchte, sei in Bewerbungsgesprächen bisher kein Thema gewesen, sagt Dialer. Gerade hat er eine Funktion in Leuna mit einem internationalen Kandidaten besetzt.
In der Belegschaft werde die Entwicklung in Sachsen-Anhalt genauso diskutiert wie insgesamt in der Gesellschaft – und das nicht nur am Standort Leuna. „Es wird auch in anderen Ländern von vielen Kollegen ziemlich intensiv verfolgt“, sagt Dialer. Die Pläne für den Hochlauf der Bioraffinerie sind trotzdem unverändert.
Nach dem Start der Produktion von Industriezucker Ende des vergangenen Jahres beginnt in den nächsten Tagen die Produktion von Lignin und Lignin-Derivaten, die zum Beispiel als Füllstoff in der Reifenherstellung verwendet werden. „Das ist der zweite wichtige Werttreiber“, sagt Dialer über die Fortschritte bei der Kommerzialisierung der Anlage. Bis zum Jahresende soll auch die Produktion von Glykolverbindungen anlaufen, die etwa in der Herstellung von Textilien oder Verpackungen zum Einsatz kommen.
Im nächsten Jahr soll die Anlage voll ausgelastet werden. Dann will UPM in Leuna operativ in die schwarzen Zahlen drehen. Die Bioraffinerie ist für die Produktion von bis zu 220.000 Tonnen biobasierter Chemikalien pro Jahr ausgelegt. Der Rohstoff kommt unter anderem aus den Buchenwäldern des Landesforstes Sachsen-Anhalt im Südharz. Das Interesse von Industriekunden übersteige die Produktionskapazität schon um ein Vielfaches, sagt Dialer.
Über eine Expansion in Leuna entscheide nicht das Ergebnis der Landtagswahl, sagt er. Für das Unternehmen stehe fest, dass das Geschäft mit Bioraffinerien als Wachstumsplattform skaliert wird. Der Papier- und Zellstoffspezialist investiert in neue Geschäftsfelder wie die Biochemie, um sich von der schwächelnden Nachfrage im Kerngeschäft abzukoppeln. „Wo wir das machen, wird aber von vielen Faktoren abhängen, über die wir in den nächsten Jahren noch viel lernen werden“, sagt Dialer.
Schon in den vergangenen Monaten hätten sich die Anwendungsfelder für Biochemikalien kontinuierlich verbreitert, zum Beispiel als ertragsteigernde Zuschlagstoffe für Düngemittel oder im Bereich der Batteriematerialien. Abhängig davon, welche Endmärkte die Nachfrage dominieren und welche Rohstoffe in den Bioraffinerien zum Einsatz kommen, würden die Standortentscheidungen für die Expansion gefällt.
An der Entwicklung des Chemieparks Leuna ist UPM auch als Gesellschafter des Industrieparkbetreibers Infraleuna gelegen. Internationale Adressen wie UPM oder die japanische Topas Advanced Polymers sorgten hier zuletzt für die positiven Schlagzeilen. „Es wird auch weiterhin auf internationale Investoren ankommen, um den Standort weiterzuentwickeln“, sagt Dialer. Dass sie von einem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt abgeschreckt werden könnten, glaubt er nicht. „Die Landespolitik ist ein Kriterium, die Kostenstruktur am Standort ist aber viel wichtiger“, sagt er.
Punkten könne Leuna unter anderem mit einem sehr geringen CO₂-Fußabdruck in der Energieerzeugung. „Das ist sehr positiv für Unternehmen wie UPM, die darauf Wert legen“, sagt Dialer. Auf einer Fläche von 200 Hektar, die Infraleuna westlich des bestehenden Chemieparks mit einer Fläche von insgesamt knapp 13 Quadratkilometer erschließt, sollen sich genau solche Unternehmen ansiedeln: Das geplante Areal „Leuna III“ ist für Adressen aus der Biochemie und der Bioökonomie vorgesehen.
Wie groß die Herausforderungen für solche Unternehmen sind, zeigt das Projekt von UPM in Leuna. Als der Konzern 2020 ankündigte, eine Bioraffinerie zu errichten, rechnete das Unternehmen mit Investitionen von 550 Millionen Euro und stellte den Produktionsstart noch 2022 in Aussicht. Sowohl die Kosten als auch die Bauzeit haben sich mehr als verdoppelt.
Das liegt auch daran, dass die Anlage die erste ihrer Art ist und der Prozess sehr komplex. Im ersten Arbeitsschritt zerkleinert ein 50 Tonnen schwerer Häcksler bis zu sechs Meter lange und 60 Zentimeter dicke Buchenstämme in Holzchips mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern. Die Holzchips werden eingeweicht und erhitzt. Die Zellwände werden unter hohem Druck und hohen Temperaturen aufgebrochen, und das Holz wird in seine Hauptbestandteile zerlegt.
Lignin als ein wesentlicher Bestandteil wird zu Füllstoff weiterverarbeitet, der etwa Ruß und Silikate in der Reifenherstellung ersetzen soll. Die Vielfachzucker Zellulose und Hemizellulose werden mithilfe eines über mehr als zehn Jahre entwickelten biochemischen Verfahrens in Glykolverbindungen gewandelt, die zum Beispiel in der Herstellung von Textilien oder Verpackungen zum Einsatz kommen. Nachhaltigkeit sei in der Vermarktung ein Argument, aber auch die Performance der Biochemikalien sei den erdölbasierten Alternativen überlegen, sagt Dialer.
„Wir zeigen hier, dass wir Bioökonomie nicht nur als Idee haben, sondern auch umsetzen als einen der Grundpfeiler der chemischen Industrie in Europa“, sagte Ministerpräsident Sven Schulze in der vergangenen Woche in Leuna. Wenn Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen wolle, gehe das nur „zusammen in Europa und mit modernster Technologie“, sagte Merz nach dem Rundgang über die Bioraffinerie. Vertreter der AfD haben die Anlage noch nicht besucht.
AI outlook — possibilities, not facts
Start of production for lignin and lignin derivatives in the coming days.
Very likely · Within days

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