US-Militär in Hawaii bereitet sich auf möglichen Konflikt mit China vor – Treffen zwischen Trump und Xi geplant
Quick Look
- Die USA stärken ihre militärische Präsenz auf Hawaii, um China abzuschrecken, während ein Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Washington geplant ist.
- Experten warnen vor den globalen Folgen eines Konflikts um Taiwan, das ein Fünftel des weltweiten Handels abwickelt.
- Deutschland beteiligt sich bislang nur mit Personal an Militärübungen im Pazifik.
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Why It Matters
Die USA sehen China als größte sicherheitspolitische Bedrohung im Indo-Pazifik-Raum an. Der Fokus liegt auf der Abschreckung eines möglichen chinesischen Angriffs auf Taiwan, das eine Schlüsselrolle im globalen Halbleiterhandel spielt. Das US Pacific Command koordiniert die militärische Präsenz in der Region von Hawaii aus.
Ein Treffen von Xi Jinping und Donald Trump in Washington soll die Spannungen zwischen den USA und China reduzieren. Auf Hawaii wappnen sich die USA derweil für den Ernstfall. Ein Ortsbesuch.
O’ahu, Hawaii. Arlene V. Crews muss mit lauter Stimme reden, um gegen das dumpfe Dröhnen an Bord des US-Zerstörers „USS Decatur“ anzureden. „Wir sind bereit zum Einsatz“, sagt die Fregattenkapitänin. Das 154 Meter lange Kriegsschiff liegt derzeit im Hafen von Pearl Harbor auf O’hau, einer kleinen Insel im US-Bundesstaat Hawaii, zehn Flugstunden von der Hauptstadt Washington entfernt. An Bord sind Systeme zum Abfeuern von Torpedos und Abwehrraketen wie den Tomahawks.
Auf O’ahu befindet sich das Hauptquartier des US Pacific Command (US Pacom), des größten von insgesamt sieben Regionalkommandos des US-Militärs, zuständig für den gesamten Indo-Pazifik-Raum. „Von Bollywood bis Hollywood und von Pinguinen bis zu Eisbären“, fasste es der ehemalige US-Verteidigungsminister James Mattis einmal zusammen.
Admiral Samuel Paparo würde im Fall eines Kriegs zwischen den USA und China von hier aus die amerikanischen Truppen befehligen. Dem Vier-Sterne-General stünden dafür im Kriegsfall neben der „USS Decatur“ noch Hunderte weitere Schiffe und Tausende Kampfflugzeuge zur Verfügung. Hinzu käme die Koordination mit den Schiffen und Flugzeugen der Partner, die den USA beistehen würden.
Der Mann, der mit diesem Aufgebot davon abgeschreckt werden soll, einen Krieg mit den USA zu beginnen, wird am 24. September in Washington von US-Präsident Donald Trump erwartet: der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping. Seit Jahren betrachten die USA die Volksrepublik unter seiner Führung als die größte Bedrohung für ihre eigene Sicherheit und der gesamten Region.
Experten sehen den indopazifischen Raum als Schauplatz für einen Showdown in der Rivalität zwischen den USA und China. „Die Vereinigten Staaten sind seit mehreren Jahrzehnten der stärkste strategische Akteur im asiatisch-pazifischen Raum“, sagt Denny Roy, Experte für chinesische Außenpolitik vom East West Center in O’ahus Hauptstadt Honolulu im Gespräch mit dem Handelsblatt und anderen Journalisten. Doch das sei immer weniger kompatibel mit den Bestrebungen Chinas.
„China hat sich das Ziel gesetzt, eine Weltmacht zu werden“, sagt Alexander Vuving, Professor am College für Sicherheitsstudien am Daniel K. Inouye Asia-Pacific Center for Security Studies (APCSS). Das APCSS ist der Thinktank des US‑Verteidigungsministeriums. „China will wieder den Platz ganz oben in der Hierarchie der Nationen einnehmen, der ihm seiner Ansicht nach zusteht“, sagt Vuving.
Von anderen Nationen habe Peking gelernt: Um eine Weltmacht zu werden, müsse man zuerst eine maritime Macht werden. China wolle also zunächst innerhalb der ersten Inselkette von seiner Grenze aus gesehen die dominierende Macht sein – und seinen Einflussbereich von dort ausweiten.
Peking hat in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Chinas Seestreitkräfte sind laut Einschätzung des Center for Strategic and International Studies bereits seit 2014 größer als die der USA – und sind seitdem noch weiter gewachsen.
Im Mittelpunkt von Chinas Strategie steht die Einnahme Taiwans. Das chinesische Regime spricht gerne von einer „Wiedervereinigung“ mit der Insel, dabei hat das demokratisch regierte Taiwan nie zu der 1949 gegründeten Volksrepublik gehört. Auch seine Bevölkerung spricht sich mehrheitlich gegen eine Angliederung an China aus. Weil eine freiwillige Vereinigung Taiwans mit China also aus heutiger Sicht unwahrscheinlich erscheint, will Xi die Insel notfalls auch mit Gewalt einnehmen.
Immer wieder warnen Experten davor, welche Auswirkungen ein Krieg in der Region und um Taiwan auch auf die Weltwirtschaft hätte. Durch die Taiwanstraße gehen rund ein Fünftel des weltweiten Handels, ohne die Chips aus Taiwan stünden globale Lieferketten still.
Die USA setzen daher auf Abschreckung. „Unsere Strategie ist klar: Wir müssen China die Möglichkeit nehmen, seine Ziele durch militärische Aggression zu erreichen“, sagte Paparo im April vor dem US-Kongress in Washington. Gleichzeitig müsse Amerika das Netzwerk aus Bündnissen und Partnerschaften stärken. Es stelle den „größten asymmetrischen Vorteil“ dar, betonte Paparo. Ein Foto beim Thinktank APCSS zeigt ihn neben US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. In der Kommandokette untersteht Paparo im Fall eines Kriegs nur ihm und US-Präsident Trump.
Samuel Paparo vor der philipinischen Militärakademie Ende August: Der US-Admiral betont den Vorteil von Bündnissen und Parnerschaften. Foto: AP Photo/Aaron Favila
Wie die Maschinerie der Abschreckung funktioniert, verdeutlichen Vertreter von Navy, Marines, Army und des Thinktanks APCSS internationalen Journalisten in zahlreichen exklusiven Gesprächen. Das amerikanische Außenministerium hat für ein Dutzend von ihnen Termine in den Kommandozentralen in Hawaii organisiert. Die meisten Pressevertreter kommen aus Südkorea und Japan, als einziges europäisches Medium ist das Handelsblatt dabei. Damit die Militärvertreter trotz des sensiblen Themas frei sprechen können, ist die Abmachung, dass sie nicht zitiert werden dürfen.
Die Gespräche finden in geradezu idyllischer Umgebung statt. Die US-Militärbasis Camp H. M. Smith, in der die Zentrale des US Pacific Command untergebracht ist, liegt hoch auf einem sanften Hügel. Auf dem Weg dorthin fährt man an weiß gestrichenen, einstöckigen Wohnhäusern mit Veranden und Grills in den Vorgärten vorbei. Auf dem weitläufigen Gelände stehen Palmen, deren Blätter sich sanft im warmen Wind wiegen, und auf den Wiesen suchen wilde Hühner mit ihren Küken nach Futter.
Vom Inneren des Gebäudes aus hat man einen weiten Blick bis zum Hafen von Pearl Harbor, wo im Dezember 1941 die Japaner die USA attackierten. Heute ist Japan einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Ringen mit China um die Vorherrschaft im indopazifischen Raum. Regierungschefin Sanae Takaichi warnte Ende 2025 davor, dass ein Angriff Chinas auf Taiwan für ihr Land eine Existenzbedrohung darstellen würde.
Diese Bedrohung einzudämmen, ist Aufgabe des US Pacific Command unter Admiral Paparo. Die Aufgabe ist groß, umfasst das Gebiet des US Pacific Command doch 36 Nationen, 14 Zeitzonen und 60 Prozent der Weltbevölkerung. Rund 400.000 Angehörige des US-Militärs und zivile Beschäftigte stehen unter seinem Kommando. Auch die Zusammenarbeit mit den vielen Partnern der USA in der Region und darüber hinaus würde im Ernstfall von O’ahu aus koordiniert werden.
Weil jedes Militär etwas andere Befehlsketten, Technik und eine andere Kultur hat, kommen die USA mit ihren Partnern mehr als 100 Mal im Jahr zu Militärübungen zusammen.
Fregattenkapitänin Arlene V. Crews: Alles tun, was die Kommandeure brauchen. Decatur. Foto: Dana Heide
Fregattenkapitänin Crews hat mit ihrer 330 Personen starken Schiffsbesatzung erst vor ein paar Wochen an der weltgrößten Übung teilgenommen: dem Rim of the Pacific, kurz RimPac. 30 verschiedene Nationen nahmen teil. Zeitweise waren 30 bis 40 Schiffe gleichzeitig im Hafen von Pearl Harbor, erzählen Personen, die dabei waren. „Zerstörer sind Arbeitspferde“, sagt die 41-jährige Crews. „Wir können sehr autonom arbeiten, aber wir können auch sehr integriert arbeiten, je nachdem, was die Kommandeure brauchen.“
Auch Deutschland war an der alle zwei Jahre stattfindenden Übung in diesem Jahr beteiligt – allerdings nur mit Personal. 2024 hatte Berlin noch zwei Schiffe zur großen „RimPac“-Übung geschickt. Dass es diesmal kein Gerät schickte, lag laut Handelsblatt-Informationen daran, dass der Marine nicht genug Schiffe zur Verfügung standen. Deutschland hat eine vergleichsweise kleine Flotte.
Als Exportnation ist der Bundesrepublik das Engagement im Pazifik allerdings wichtig. Seit 2025 hat das Bundesverteidigungsministerium sogar einen Verbindungsoffizier in Honolulu. 2024 nahm Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die lange Reise nach Hawaii auf sich, um ein Zeichen der Unterstützung zu setzen. Er war es auch, der erstmals eine Fregatte und ein Begleitschiff durch die Taiwanstraße schickte – ein Signal an China, dass nicht das chinesische Regime bestimmen darf, welche militärischen Schiffe diese internationale Schifffahrtsstraße passieren dürfen.
Pete Hegseth
Reihenweise Abgänge und wachsender Unmut: Der Mann hinter Trumps Iran-Krieg gerät unter Druck
Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden hatte europäische Partner wie Deutschland für ihr Engagement im Indopazifik noch gelobt. Die derzeitige US-Regierung verfolgt eine andere Strategie. Vergangenes Jahr hatte US-Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby Großbritannien laut Medienberichten dafür kritisiert, dass das Land einen Flugzeugträger in die Region schicken wollte. Stattdessen solle sich London auf Europa konzentrieren, forderte er.
US-Präsident Trump hat seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit die Verbündeten der USA sogar immer wieder scharf angegriffen. So behauptete er, dass Kanada „schlimmer als China“ sei. Südkorea warf er vor, mit einer gemeinsamen Routine-Militärübung mit den USA ein „unangebrachtes und feindliches Signal“ an Nordkorea zu senden. Er strich eine der Übungen ersatzlos.
Dabei braucht er die Verbündeten wegen seines Kriegs im Iran derzeit eigentlich mehr denn je – um fehlende Kapazitäten für die Abschreckung Chinas auszugleichen. Denn der Krieg mit dem Iran, der inzwischen über sieben Monate dauert, hat nicht nur die Munitionsvorräte der USA empfindlich reduziert. Durch den Einsatz im Nahen Osten sind auch militärische Kapazitäten der USA aus anderen Regionen gebunden.
Um jederzeit wieder einen großen Angriff im Iran starten zu können, lässt Trump seine Admiräle militärische Kapazitäten auf Abruf halten. Weil die Mittel des für den Nahen Osten zuständigen Central Command nicht ausreichen, müssen auch die übrigen Kommandos Personal und Gerät beisteuern – auch das US Pacific Command. Zwischenzeitlich war im westlichen Pazifik deshalb kein US-Flugzeugträger stationiert.
In einem internen Routinebericht, dem sogenannten Secretary of Defense Orders Book (zu Deutsch etwa „Befehlsregister des US-Verteidigungsministers“), über das die „Washington Post“ jüngst berichtete, warnten Trumps Generäle davor, dass das Engagement im Iran die Einsätze in anderen Regionen gefährde.
Handel
Die USA wollen sich von China abkoppeln – und treffen dabei deutsche Firmen
Ein Vertreter der US-Navy räumt auf Nachfrage ein, dass derzeit „nicht so viele“ Seestreitkräfte in der Region Indopazifik seien. Die anderen Streitkräfte der Army, Marines und die Air Force seien jedoch vertreten. „Und unsere engen Alliierten engagieren sich stärker“, sagt er.
Wer mit Mitarbeitern des US-Militärs spricht, dem wird schnell klar, wie wichtig für sie die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnern ist – trotz der Attacken des Präsidenten. „Es ist nicht die öffentliche Botschaft, die man manchmal hört“, sagt der Vertreter der US-Navy. „Aber jeder weiß, dass unsere Partnerschaften das Wichtigste für uns sind – wahrscheinlich das Wichtigste in der ganzen Welt.“
Amerikanische Militärvertreter versuchen, die Verletzungen, die die Äußerungen und Aktionen der Trump-Regierung bei den Partnern anrichten, wieder auszubügeln. Auch deutsche Militärkreise bestätigen dem Handelsblatt, dass ihre amerikanischen Kollegen auf Arbeitsebene immer wieder betonen, wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit sei.
Beim amerikanischen Militär jedenfalls kommt das Engagement der Bundesrepublik gut an. Deutschland habe zwar keine große Marine, und das Land habe in Europa „eine große Aufgabe“ zu erfüllen, sagt ein Navy-Vertreter. „Aber sie kommen, wann immer sie können – das ist großartig. Die deutsche Marine leistet ihren Beitrag.“
Dass China die momentan durch den Irankrieg geschwächte Lage des US-Militärs im Pazifik für einen Angriff auf Taiwan ausnutzt, glauben Experten zwar nicht. Die Gefahr eines Angriffs steigt jedoch ab dem kommenden Jahr. Denn Xi Jinping hatte das chinesische Militär angewiesen, bis 2027 dazu fähig zu sein, Taiwan anzugreifen.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei einem Besuch seiner Seestreitkräfte: Massive Auftrüstung. Foto: picture alliance/AP Photo
Beobachter des Regimes rechnen damit, dass die chinesischen Generäle Xi sagen werden, was er hören will. Dann kommt es darauf an, ob dieser das auch glaubt – und ob er denkt, dass eine Invasion Taiwans tatsächlich der einzige Weg zur Aneignung der Insel und ein Angriff Erfolg versprechend wäre.
In der Inneren Mongolei hat das chinesische Militär eins zu eins den taiwanischen Regierungssitz in Taipeh nachgebaut – inklusive der Straßen, die rund um das Gebäude sind. Auch die Japaner hatten vor ihrem Angriff auf Pearl Harbor den Hafen minutiös nachgebaut. Ein Schwarz-Weiß-Foto im kleinen Museum vor Ort zeigt zwei japanische Militärangehörige, die in dem Modell versteckt in einem Reisfeld die Verschiebung der amerikanischen Schiffe nachvollziehen.
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Das Mahnmal für das, was passiert, wenn man unvorbereitet auf einen gut vorbereiteten Gegner trifft, können Fregattenkapitänin Crews und ihre Besatzung jeden Tag vom Ausguckdeck ihres Schiffes sehen: Nur ein paar Hundert Meter entfernt liegt das Wrack der USS „Arizona“. Das Schlachtschiff sank vor 85 Jahren bei der Attacke der Japaner auf Pearl Harbor und ist heute durch ein Denkmal gekennzeichnet.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
China wird bis 2027 fähig sein, Taiwan militärisch anzugreifen.
Likely · Within years
Die USA werden ihr Militärbündnis im Indo-Pazifik stärken, um China abzuschrecken.
Very likely · Within months
Deutschland wird seine personelle Beteiligung an Militärübungen im Pazifik beibehalten oder ausbauen.
Possible · Within years
Open Questions
- Wird das geplante Treffen zwischen Trump und Xi zu einer Entspannung führen?
- Wie wird Deutschland sein Engagement im Indopazifik angesichts begrenzter Marinekapazitäten ausbauen?
- Welche konkreten Schritte plant China hinsichtlich einer möglichen Invasion Taiwans bis 2027?







