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USA erwägen Exportbeschränkungen für Diesel: Folgen für Europa und Deutschland
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Handelsblatt2 hours agoBusiness4 min readGermanyView translation

USA erwägen Exportbeschränkungen für Diesel: Folgen für Europa und Deutschland

Die US-Regierung prüft Exportstopps für Diesel, um die Preise im Inland vor den Zwischenwahlen zu senken. Experten warnen vor massiven Preissteigerungen an europäischen Tankstellen.

Quick Look

  • Die USA erwägen Exportbeschränkungen für Diesel, um US-Rekordpreise vor den Zwischenwahlen zu dämpfen.
  • Da Europa rund 10 % seines Diesels aus den USA bezieht, drohen bei einem Exportstopp massive Preissteigerungen an deutschen Tankstellen von bis zu 98 Cent pro Liter.

AI-generated summary

Why It Matters

Die USA sind zu einem der wichtigsten Diesellieferanten für Europa geworden, nachdem russische Lieferungen weggefallen sind. Der Dieselmarkt leidet zudem unter Raffinerieausfällen in Russland und Logistikproblemen im Nahen Osten.

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Die Dieselpreise in den USA haben mit mehr als 6,50 US-Dollar pro Gallone ein Rekordniveau erreicht – und das kurz vor den Zwischenwahlen im November. Das macht US-Präsident Donald Trump offenbar nervös: Er denkt nun über Beschränkungen für Dieselexporte nach.

Innerhalb der Regierung ist der Vorstoß jedoch umstritten. So warnt etwa Energieminister Chris Wright vor den Risiken eines staatlich verordneten Exportstopps, da Raffinerien ihre Verarbeitung dann reduzieren würden. Stattdessen versucht er nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Raffinerien von einer freiwilligen Begrenzung ihrer Ausfuhren zu überzeugen.

Wie wahrscheinlich ist ein komplettes Exportverbot?

Ein vollständiges Exportverbot gilt unter Analysten zwar nicht als wahrscheinlichstes Szenario, ausgeschlossen wird es jedoch keineswegs. UBS-Ölexperte Giovanni Staunovo beziffert die Wahrscheinlichkeit auf weniger als 50 Prozent, sieht sie aber „nahe an einem Münzwurf“.

Marktteilnehmer rechnen derzeit eher mit begrenzten Ausfuhrbeschränkungen. „Europäische Dieselhändler halten ein teilweises Exportverbot für wahrscheinlicher als ein vollständiges Verbot“, schreibt Josh Michalowski, Experte für den europäischen Dieselmarkt bei der Preisberichtsagentur Argus Media.

Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management, hält hingegen ein vollständiges Exportverbot für wahrscheinlich. Eine solche Maßnahme ließe sich vor den Zwischenwahlen leicht bei den Wählern verkaufen.

Wie viel Diesel bezieht Europa aus den USA?

Die USA haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Diesellieferanten Europas entwickelt. Nach Angaben des Argus-Experten Michalowski stammte 2026 bislang rund ein Drittel der europäischen Dieselimporte aus den Vereinigten Staaten. Das entspricht etwa zehn Prozent der gesamten europäischen Dieselversorgung. Bis August stieg der US-Anteil zeitweise sogar auf rund die Hälfte aller europäischen Dieseleinfuhren.

Bloomberg zufolge exportierten die Vereinigten Staaten weltweit zuletzt nahezu zwei Millionen Barrel Diesel pro Tag und damit so viel wie nie zuvor. Das entspricht laut Rasmussen von Global Risk Management fast 20 Prozent des weltweiten Dieselhandels auf dem Seeweg.

Zu den wichtigsten Abnehmern zählen laut UBS-Ölanalyst Staunovo Lateinamerika, insbesondere Brasilien und Mexiko, sowie Europa, und dort vor allem die Niederlande und das Vereinigte Königreich.

Wer sind die wichtigsten Diesellieferanten Europas?

Nach dem Wegfall großer Teile der russischen Lieferungen ist Europa bei Importen verstärkt auf die USA angewiesen, die inzwischen als wichtigster externer Versorger gelten. Daneben spielen auch Produzenten aus dem Persischen Golf und Asien eine zentrale Rolle für die europäische Versorgung.

Besonders an Bedeutung gewonnen hat Indien. Nach Angaben von Bloomberg ist das Land inzwischen der zweitgrößte Exporteur von Diesel auf dem Seeweg und steht für rund zehn Prozent des weltweiten Seehandels. Indiens Ölminister Hardeep Puri betonte zuletzt, dass bestehende Lieferverträge trotz möglicher Marktverwerfungen erfüllt werden sollen.

Europa selbst ist trotz seines Importbedarfs keineswegs vollständig auf Lieferungen von außen angewiesen: Nach Angaben von Argus Media werden rund 70 Prozent des benötigten Diesels in europäischen Raffinerien produziert.

Wie stark könnten die Dieselpreise steigen?

Bereits die Diskussion über mögliche US-Exportbeschränkungen hat die internationalen Dieselmärkte kräftig bewegt. Laut Bloomberg stieg der europäische Diesel-Crack-Spread, also der Preisaufschlag von Diesel gegenüber Brent-Rohöl, auf 95 bis 100 US-Dollar je Barrel und damit auf ein Rekordniveau. Gleichzeitig kletterten die ICE-Gasoil-Futures zeitweise auf mehr als 1520 US-Dollar je Tonne.

Analysten sehen vor allem Europa als potenziellen Verlierer eines US‑Exportstopps. Das Team von Morgan Stanley um Martijn Rats warnt laut Bloomberg, dass die Region besonders stark unter ausbleibenden Lieferungen leiden würde. Europäische Händler müssten dann verstärkt um alternative Mengen aus dem Nahen Osten oder Asien konkurrieren und würden in einen intensiven Bietwettbewerb mit Käufern aus Afrika und Asien geraten.

„Ein Exportverbot könnte die internationalen Dieselpreise weit über die in diesem Jahr bereits erreichten Rekordhochs treiben“, schreibt auch Sarah Raffoul, Ölproduktanalystin bei Argus Media.

Bereits am Mittwoch, nachdem die ersten Gerüchte zu einem US-Exportbann aufgekommen waren, hat der europäische Gasöl-Kontrakt sieben Prozent zugelegt. Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, rechnet gegenüber dem Handelsblatt hoch, was allein eine solche Preissteigerung für deutsche Autofahrer bedeutet.

„Die aktuellen sieben Prozent auf dem Gasoil-Future entsprechen bei vollständiger Weitergabe rund sieben bis neun Cent je Liter an der Zapfsäule, inklusive der Mehrwertsteuer“, sagt er. Bei einem Extremszenario, also dem vollständigen Exportstopp, könnte der Dieselgroßhandelspreis um rund 70 Prozent steigen. Das seien auf den Liter umgerechnet etwa 82 Cent, mit Mehrwertsteuer sogar 98 Cent.

„Das wäre aber wirklich eine Extremvariante“, betont er. „Ich halte persönlich 15 bis 20 Cent je Liter bei einem tatsächlich verhängten, aber zeitlich begrenzten Verbot für wahrscheinlich.“

Wird Diesel an deutschen Tankstellen knapp?

Von einem Versorgungsengpass an deutschen Tankstellen gehen Experten wie Michalowski von Argus Media nicht aus, da Europa einen großen Teil seines Diesels selbst produziert. Die EU-Kommission sieht laut Bloomberg ebenfalls aktuell keine Anzeichen für eine physische Unterversorgung mit Diesel.

Auch Ziegner hält einen Engpass für unwahrscheinlich. Lokal seien Engpässe allerdings zeitweise möglich, da die Transportlage angesichts des niedrigen Wasserstands des Rheins weiterhin angespannt sei.

Warum ist die Lage bei Diesel angespannter als bei Rohöl?

Der Dieselmarkt ist gleich von zwei geopolitischen Krisen betroffen. In Russland liegen die Raffineriedurchsätze nach anhaltenden ukrainischen Drohnenangriffen laut Daten von Goldman Sachs rund 2,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem saisonüblichen Niveau, was Moskau zu einem Exportverbot für Diesel veranlasste.

Und im Nahen Osten brachen die Ausfuhren raffinierter Ölprodukte im Vergleich zum Vorkriegsniveau laut der Internationalen Energieagentur (IEA) im August um 60 Prozent ein. Da raffinierte Kraftstoffe meist auf kleineren Schiffen transportiert werden, die einem höheren Angriffsrisiko ausgesetzt und schwerer zu chartern sind, verteuerte sich die Logistik extrem, weshalb Produzenten und Händler vorrangig auf Rohöl ausweichen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Preisanstieg an deutschen Tankstellen bei Exportbeschränkungen

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wird die US-Regierung tatsächlich ein Exportverbot erlassen?
  • Wie reagieren alternative Lieferanten wie Indien auf die erhöhte Nachfrage?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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