USA: Trumps Diesel-Deal mit Russland verpufft – Tanker weichen aus
Trotz einer Ausnahmegenehmigung durch Donald Trump meiden Frachter mit russischem Diesel die USA aus Sorge vor Sanktionen und Reputationsschäden.
Quick Look
- Mehrere Tanker mit russischem Diesel haben ihren Kurs von den USA weg geändert.
- Trotz einer Ausnahmegenehmigung von US-Präsident Trump fürchten Käufer Sanktionen und Reputationsrisiken, während demokratische Amtsträger den Import aktiv blockieren.
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Why It Matters
US-Präsident Trump hatte den Import von russischem Diesel genehmigt, um die hohen Kraftstoffpreise zu senken. Die Maßnahme steht im Kontext der Sanktionen rund um den Ukrainekrieg.
Der US-Präsident erlaubt den Import von russischem Diesel, um die Preise zu drücken. Doch mindestens drei von vier erwarteten Tankern drehen ab, weil potenzielle Käufer Probleme fürchten.
„Agioi Fanendes“: Der Tanker mit maltesischer Flagge hat russischen Diesel an Bord.
Düsseldorf. Mehrere Tanker mit Hunderttausenden Litern russischem Diesel, die bisher auf dem Weg in die USA waren, haben offenbar ihre Pläne geändert. Mindestens drei der vier bekannten Frachter sind nicht mehr auf dem Weg an die US‑Atlantikküste. Das zeigen Positionsdaten von Plattformen zur Schiffsverfolgung. Damit droht der Diesel-Deal von US-Präsident Donald Trump mit Moskau wirkungslos zu verpuffen.
Ende Oktober machten sich mehrere Schiffe von der russischen Ostseeküste auf den Weg in Richtung Atlantik. Mindestens vier Frachter haben Beobachter identifiziert und verfolgen ihre Fahrt über mehrere Ortungsdienste genau. Drei von vier Schiffen stehen auf mehreren Sanktionslisten:
„Talisman“ (russische Flagge): sanktioniert durch die USA, die EU, Großbritannien, Kanada und die Schweiz
„Beast“ (Seychellen): sanktioniert durch die EU, Großbritannien, Australien, Kanada und die Schweiz
„Leruo“ (Sierra Leone): sanktioniert durch die EU, Großbritannien, Kanada und die Schweiz
„Agioi Fanendes“ (Malta): nicht sanktioniert
Laut Positionsdaten ist allenfalls die „Agioi Fanendes“ noch auf dem Weg in Richtung USA. Allerdings sendet der Tanker vom Nordatlantik aus die Botschaft „For Orders“ über den Peilsender, statt einen konkreten Zielhafen anzugeben. Das kann bedeuten, dass das Schiff tatsächlich auf einen neuen Abnehmer für den Diesel an Bord wartet. Allerdings steuern die Besatzungen diese Angaben selbst manuell, sodass sie nicht zwingend als verlässliche Angaben gelten.
Die „Talisman“, ein Schiff der russischen Staatsreederei Sovcomflot, hat schon vor mehreren Tagen den Kurs gen Westen verlassen und befindet sich derzeit im Mittelmeer nördlich von Tunesien.
Die übrigen Schiffe haben nach Süden abgedreht: Die „Beast“ meldet ebenfalls „For Orders“, die „Leruo“ meldet „Brazil For Orders“. Die Routen beider Tanker deuten darauf hin, dass sie statt die USA nun Südamerika ansteuern.
Demokraten schreiben Drohbriefe an Firmen
Selbst wenn ein Schiff mit russischem Diesel die USA erreichte, ist alles andere als sicher, was dann passieren könnte. Zwar hatte Trump in einer überraschenden Kehrtwende Anfang Oktober verkündet, Russlands Präsident Wladimir Putin habe ihm bis Jahresende die Lieferung mehrerer Millionen Barrel Diesel zugesagt.
Doch vor allem demokratische Amtsträger versuchen alles, um tatsächliche Stopps in US-Häfen zu unterbinden. So schrieb etwa die Gouverneurin von New Jersey, Mikie Sherrill, in dieser Woche einen Brief an die Betreiber von Terminals und Häfen im Raum New York und warnte sie vor empfindlichen Strafen für den Fall, dass sie russischen Diesel anlanden lassen.
Die tatsächliche Rechtslage ist unklar. Doch das ist für US-Firmen offenbar Grund genug, nichts mit den russischen Lieferungen zu tun haben zu wollen. „Einige Firmen wollen mit den Schiffsladungen schon wegen der Reputationsrisiken nicht in Verbindung stehen“, zitiert die „Financial Times“ Claire McCleskey, Partnerin einer Compliance-Beratung in den USA.
Durch einen Erlass des Finanzministeriums auf Trump-Geheiß sind die US-Sanktionen auf russischen Diesel bis April 2027 ausgesetzt. Neben der Hoffnung auf niedrigere Preise in den USA galt der Schritt auch als Symbol an Moskau, mit dem Washington signalisieren wollte, rund um den Ukrainekrieg verhandlungsbereit zu sein.
Entsprechend harsch fiel die Kritik aus Kiew aus. Einnahmen aus dem Export von Öl, Gas und Kraftstoffen gelten als wichtige Finanzierungsquelle der russischen Kriegsführung in der Ukraine. „Ich bin zuversichtlich, dass das einen positiven Effekt auf die gesamte Weltwirtschaft haben wird“, kommentierte dagegen Putin den Deal.
Marktexperten rechnen allerdings nicht damit, dass die Vereinbarung den Weltmarkt nennenswert beeinflusst – dafür sind allein die Mengen viel zu gering. Die Ladung der vier Schiffe zusammen würde nur einen Bruchteil des täglichen US-Dieselbedarfs decken.
Exportverbot statt russischer Importe?
Zudem kann von einem Dieselmangel in den USA Beobachtern zufolge nicht die Rede sein. Weil das Land ebenfalls Diesel auf den Weltmarkt exportiert, hängen die Preise im Land von globalen Entwicklungen ab. In den Kriegen in der Ukraine und am Golf haben Angriffe die Raffineriekapazitäten reduziert, zudem ist der Rohölpreis nach wie vor hoch.
Zu Exportrestriktionen konnte sich Trump bisher nicht durchringen, wohl auch aufgrund des Drucks der Energiekonzerne, die angesichts der hohen Preise Milliarden verdienen. Mit einer Exportstopp-Drohung erzwang er zwar die Freigabe staatlicher Dieselreserven der G7‑Staaten. Der Effekt auf die Preise ist dennoch überschaubar. So liegt der Preis für die US-Amerikaner mit zuletzt 6,25 Dollar pro Gallone Diesel weiter nah am Rekordpreis von 6,52 Dollar aus dem September. Diesel ist also weiter fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr.
Die hohen Preise dürften auch zu der deutlichen Niederlage der Republikaner bei den Midterm-Wahlen beigetragen haben. Umfragen zufolge machen zahlreiche US-Bürgerinnen und -Bürger den Irankrieg und Trump persönlich für die vergleichsweise hohe Inflation verantwortlich und trafen ihre Wahlentscheidung mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten.
Unabhängig davon, ob noch russischer Diesel in die USA gelangt oder nicht: Die Dieselknappheit dürfte der „Internationalen Energieagentur“ (IEA) zufolge noch bis weit in das Jahr 2027 anhalten. Zwar erwartet die IEA eine Erholung der weltweiten Raffinerieproduktion gegen Ende 2026. Dies werde jedoch nicht ausreichen, um das in diesem Jahr entstandene Defizit auszugleichen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Dieselknappheit in den USA hält bis 2027 an.
Likely · Within years
Open Questions
- Werden die Tanker tatsächlich in Südamerika entladen?
- Wie reagiert die US-Regierung auf die Blockade durch lokale Behörden?







