VW-Sanierungsplan, Sachsen-Anhalt-Wahlen und Rheinmetalls Rüstungswunder
Überblick zu VW-Sanierung, AfD-Umfrage, Pflegebeiträgen, Rheinmetall, EZB-Nachfolge und Nvidia
Quick Look
- Der VW-Aufsichtsrat einigt sich auf einen Sanierungsplan mit Arbeitsplatzabbau.
- Zudem dominieren aktuelle Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Debatten über Pflegebeiträge, Rheinmetalls Rüstungsgeschäfte sowie Nvidias Milliardenkauf.
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Why It Matters
VW kämpft mit strukturellen Problemen. Die AfD verzeichnet in Sachsen-Anhalt starke Umgebewerte.
Der VW‑Aufsichtsrat hat sich gestern Abend zur Überraschung vieler, und vor allem auch des Autors dieser Zeilen, auf einen Sanierungsplan geeinigt. Nach Wochen des Streits und der Lagerbildung in Aufsichtsrat und Vorstand genehmigte das Kontrollgremium einen Tag früher als geplant einstimmig in großen Teilen ein Konzept des Vorstands.
So will das Unternehmen weitere 50.000 Arbeitsplätze abbauen. Auch stehen die vier Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm weiter auf der Kippe, beschlossen ist ihr Aus aber nicht. Darüber hinaus hat sich das Gremium auf eine Zielmarke von jährlich neun Millionen produzierten Fahrzeugen und einer operativen Umsatzrendite von rund neun Prozent bis zum Jahr 2030 geeinigt.
Um dieses Ziel zu erreichen, sinken die Investitionen im Zeitraum von 2027 bis 2031 auf 135 Milliarden Euro. Ursprünglich waren rund 160 Milliarden Euro geplant. Gescheitert ist das Ansinnen, die Marke VW aus dem Gesamtkonzern auszugliedern. Dagegen stellte sich vor allem das Land Niedersachsen.
Die Frage ist nun, was bei Europas größtem Autokonzern am Ende dieser Woche stärker wirkt: Die Erleichterung, ein Ergebnis erzielt zu haben. Oder die Erkenntnis, dass der Konzern mit seinen bisherigen Strukturen kaum arbeitsfähig ist. Die Börse neigt zu ersterem: Die Vorzugsaktien der Wolfsburger legten nachbörslich um 3,4 Prozent zu, die Papiere der VW-Dachgesellschaft und Hauptanteilseignerin Porsche SE um zwei Prozent.
Bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag steuert die als gesichert rechtsextrem geltende AfD in Sachsen-Anhalt auf einen deutlichen Sieg zu. Laut einer neuen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen von gestern Abend liegt die AfD bei 41 Prozent, die CDU bei 23.
Dennoch ist die demokratische Mitte gut beraten, eine Regierungsarbeit der AfD um fast jeden Preis zu verhindern. Dafür sprechen die fortschreitende Radikalisierung der AfD und der meisten ihrer Landesverbände, ihre Ablehnung des europäischen Einigungsprozesses, ihre Nähe zu Wladimir Putins Regime in Russland, ihr grundgesetzwidriges völkisches Menschenbild sowie die verheerenden Folgen ihrer geplanten Bildungs- und ihrer Wirtschaftspolitik. Das Wesen der Partei ist das Spalten, das Zündeln – und vor allem das Dagegensein. So kann man Umfragerekorde erzielen, nicht aber ein Land regieren.
Und trotzdem sollte dieses klare Nein zu einer AfD-Regierung nicht bedeuten: Weiter so. Genauso verheerend wie eine Machtoption für die AfD wäre eine Fortsetzung der hermetischen Brandmauer, die jeden Kontakt zur und jede inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD verhindert. Denn, so ehrlich muss man sein: Auch die ist gescheitert. Wer der AfD Wähler abjagen will, muss sich ihr stellen – und sie nicht isolieren. Dazu gehört, Abstimmungen und Verfahren nicht mehr danach auszurichten, ob die AfD nun zustimmen könnte oder nicht. Dazu gehört ein Ende der inhaltlichen Ausgrenzung der AfD und ihres Umfelds in den demokratischen Gremien.
Man kann das als Ausweichmanöver lesen: Reden wir über Straßenbau oder Grundsteuer, damit wir nicht über die Demokratie reden müssen. Oder auch as das genaue Gegenteil: Eine Mauer ohne eine Idee dahinter ist keine Mauer. Es ist eine Kulisse.
Reformpolitik in Deutschland bedeutet: Für jedes Finanzloch, das aufploppt, findet sich jemand, dessen Geld es füllen soll. Die Zuckeresser das Loch in der gesetzlichen Krankenkasse, die Minijobber das Loch in der Rentenkasse – und nun die Gutverdiener das Loch in der Pflegekasse.
Denn die Einkommensgrenze, bis zu der Pflegebeiträge fällig werden, soll im kommenden Jahr außerordentlich stark steigen. Nach Berechnungen des PKV-Verbands könnte sie von derzeit 5812,50 auf 6943,50 Euro im Monat klettern. Das wären 13.572 Euro mehr beitragspflichtiges Einkommen im Jahr und 2,1 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen. Einfach mal machen, versprach Carsten Linnemann, als er noch im Körper eines CDU-Generalsekretärs Wahlkampf führte. Einfach mal lassen, wäre mir lieber.
Armin Papperger ist nicht einfach der Chef eines Dax-Konzerns. Armin Papperger ist eine Erscheinung. Schon bevor er rund um die Uhr von Sicherheitspersonal umringt war, beeindruckte der Rheinmetall-Chef durch Auftritt und Präsenz – so sehr, dass sich ein ganzer Dax-Konzern an ihm ausgerichtet hat.
Papperger war zur Stelle, als Deutschland nach dem russischen Überfall auf die Ukraine aufrüsten wollte – und verdiente prächtig daran. Berlin dankte es ihm: Rheinmetall galt als einer der wenigen verlässlichen Lieferanten in einer zersplitterten Branche, und Papperger versprach Arbeitsplätze wie kein anderer.
Doch nun bekommt das Rüstungswunder Risse: Der Konzern liefert nicht immer wie versprochen, einige Projekte platzen, die Aktie liegt seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Minus. Grund genug für meinen Kollegen Roman Tyborski, sich den Laden anzuschauen. Sein Fazit: Rheinmetall ist noch kein Krisenfall. Soll das so bleiben, muss Papperger die One-Man-Show beenden.
Soll sie, soll sie nicht? Die Bundesregierung hadert seit Monaten damit, ob sie überhaupt jemanden ins Rennen um die Nachfolge von Christine Lagarde an der EZB-Spitze schickt. Nun steht fest: Wenn, dann kann das nur Bundesbankpräsident Joachim Nagel sein. Denn die bisherige Alternativbewerberin, EZB-Direktorin Isabel Schnabel, verhandelt mit dem Internationalen Währungsfonds über die Leitung der Abteilung Märkte. Bestätigt ist das noch nicht.
Verlässt Schnabel die EZB vorzeitig, rückt auch ein früherer Abschied Lagardes näher – Frankreich und Deutschland könnten so noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen die EZB-Spitze neu aufstellen. Dafür muss Berlin nun schnell entscheiden. Das Finanzministerium ist für Nagel, das Kanzleramt offenbar dagegen – dort nimmt man ihm eher seine Haltung zu Euro-Bonds als seine SPD-Mitgliedschaft übel.
Der Krake Nvidia steckt seine Arme in die KI-Welt weiter aus – und baut mit dem Kauf von Hugging Face sein Netz aus KI-Investitionen weiter aus. Hugging Face bietet Zugang zu offenen KI‑Modellen. Auf diese sichert sich Nvidia, das bisher vor allem ein Nahezu-Monopol auf KI-Chips hält, mit dem 13-Milliarden-Dollar-Kauf nun den Zugriff. Zuletzt waren Fortschritte hier vor allem aus China gekommen und hatten die US-Konzerne OpenAI und Anthropic unter Druck gesetzt – zwei von Nvidias wichtigsten Kunden.
Mit dem größten Zukauf in der Geschichte des Konzerns setzt Nvidia allerdings auch seine Strategie fort: Das Unternehmen hat Hunderte Milliarden Dollar in Firmen investiert, die die eigenen Produkte kaufen. Das hat den Vorteil, dass man die eigene Nachfrage selbst schaffen kann. Verborgen bleibt damit aber, wie stark der Nvidia-Boom wirklich trägt.
Zum Schluss schauen wir auf unsere Gehaltszettel. Was muss man tun, um Spitzenverdiener zu werden? Personalverantwortung übernehmen, sagt eine Auswertung von 1,3 Millionen Gehaltsangaben, die Stepstone exklusiv fürs Handelsblatt vorgenommen hat. Wer ein Team von bis zu vier Leuten führt, hat eine mehr als doppelt so hohe Chance auf ein sechsstelliges Gehalt. Der Median für Führungskräfte liegt bundesweit bei 64.000 Euro, in Banken bei 96.000.
Ganz oben stehen allerdings nicht die Manager, sondern die Mediziner: Chefärzte kommen im Median auf 221.500 Euro. Am anderen Ende der Skala: Kantinenleiter und Barchefinnen mit rund 45.000 Euro. Es kommt beim Gehalt eben weniger darauf an, dass man führt, als darauf, wen – und wo.
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Einkommensgrenze für Pflegebeiträge steigt
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