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Christian Sewing warnt vor wirtschaftlichen Folgen populistischer Politik
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Süddeutsche Zeitung59 minutes agoBusiness2 min readGermany

Christian Sewing warnt vor wirtschaftlichen Folgen populistischer Politik

Deutsche-Bank-Chef kritisiert AfD und mahnt zu wirtschaftlichen Reformen

Quick Look

  • Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, warnt vor den wirtschaftlichen Risiken eines Aufstiegs populistischer Parteien.
  • Er betont die Notwendigkeit wirtschaftlicher Reformen und äußert sich besorgt über steigende Anleiherenditen bei gleichzeitigem Wachstum.

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Why It Matters

Die deutsche Wirtschaft zeigt Anzeichen einer Erholung, steht jedoch vor Herausforderungen durch steigende Zinsen und politische Unsicherheit.

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Deutschland gelte als verlässlich, nicht zuletzt wegen seiner unabhängigen Institutionen. Ein Wahlsieg populistischer Parteien würde dieses Vertrauen infrage stellen. „Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben. Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.“ Man müsse klar benennen, dass ein solcher Kurs zu Abschottung und Nationalismus führe und keines der bestehenden Probleme löse. „Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet Wachstum.“

Auf die Frage, ob sich Unternehmenschefs früher hätten kritisch zur AfD äußern sollen, sagte Sewing, die Deutsche Bank habe eine gesellschaftliche Aufgabe. Daraus leite er die Pflicht ab, sich klar zu positionieren. Dafür werde er kritisiert, erhalte aber auch viel positive Rückmeldung. Dies sei allerdings erst glaubwürdig möglich, seit die Bank wieder stabil dastehe. „Es wäre schräg gewesen, wenn ich das 2019 gemacht hätte“, sagte Sewing. Heute könne er sich anders positionieren. „Ich werde auch weiterhin öffentlich dafür Stellung beziehen, dass ich diese Partei für absolut falsch halte.“

Zugleich sollten Unternehmen immer wieder darauf dringen, wirtschaftliche Reformen voranzutreiben. „Regierung und Koalitionsparteien sollten nicht über den Rückweg sprechen, sondern das Angekündigte konsequent umsetzen – und dann zügig die nächsten Reformschritte angehen.“

Insgesamt stimme die Richtung, die Wirtschaftsdaten verbesserten sich, sagte Sewing. Das Bruttoinlandsprodukt sei in drei Quartalen in Folge gewachsen. Volkswirte trauen der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr inzwischen ein Wachstum von rund einem Prozent zu, was angesichts des Iran-Krieges erstaunlich sei. „Nächstes Jahr dürfte es Richtung 1,5 Prozent gehen. Damit ist die Lage besser, als sie häufig beschrieben wird“, sagte Sewing.

Sorge über steigende Anleiherenditen

Zugleich warnte der Chef der Deutschen Bank vor dem starken Anstieg der Renditen an den weltweiten Staatsanleihemärkten. Zuletzt hatten sich viele Investoren von Anleihen getrennt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. In den USA rentieren zehnjährige Staatsanleihen fast bei fünf Prozent. Damit verteuert sich die Aufnahme neuer Schulden.

„Ich sehe hier noch keine explizite Krise“, sagte Sewing. „Aber der Spielraum von Staaten, bei künftigen Krisen gegenzusteuern, wird immer geringer.“ Staaten, Unternehmen und Investoren müssten sich darauf einstellen, dass Kapital knapper und teurer werde – „in einer Zeit, in der enorme Investitionen in Transformation, Sicherheit und Wachstum nötig sind“.

Christian Sewing war nicht der Einzige, der sich auf der Konferenz direkt oder indirekt kritisch zur AfD äußerte. Steven van Rijswijk, Vorstandschef der niederländischen ING, sagte auf die Frage, was ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bedeuten würde: „Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und ein wichtiger Ausgangspunkt für Investitionen in Europa. Daher brauchen wir eine Regierung, die auf europäischer Ebene in diesem Kontext gut zusammenarbeitet.“ Cornelius Riese, Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bezog deutlicher Stellung. „Wenn man sich mit den Biografien und Inhalten einzelner Akteure auseinandersetzt, kann ich nur sagen: Mich trennt eigentlich alles von dieser Partei.“

Open Questions

  • Wie werden sich die Renditen bei Bundesanleihen langfristig entwickeln?
  • Welche konkreten Reformschritte wird die Regierung als Nächstes umsetzen?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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