
Isar Aerospace, Helsing und Neura Robotics stehen für eine neue Generation deutscher Tech-Firmen. Eine Studie zeigt, was sich ändern muss.
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Der Deutsche Start-up-Monitor befragt jährlich rund 1800 Start-ups zu ihrer wirtschaftlichen Lage.
Isar Aerospace, Helsing und Neura Robotics stehen für eine neue Generation deutscher Tech-Firmen. Eine Studie zeigt, was sich ändern muss, damit nicht nur einzelne Start-ups glänzen.
Berlin. Die deutsche Start-up-Branche entwickelt sich zunehmend zum Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft. Milliardenschwere Wachstumsfirmen wie das KI-Rüstungsunternehmen Helsing, das Robotik-Start-up Neura Robotics und das auf Kernfusion spezialisierte Jungunternehmen Proxima Fusion sorgen für Optimismus, wenn es um die nächste Generation der deutschen Technologieführer nach Siemens und SAP geht. Damit dieses Momentum anhält, muss sich aber noch einiges für die deutschen Jungfirmen verbessern.
Das zeigen noch unveröffentlichten Marktdaten des „Deutschen Start-up-Monitors“ (DSM), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Dafür befragt der Bundesverband Deutsche Start-ups jedes Jahr rund 1800 Start-ups zu ihrer wirtschaftlichen Lage.
Demnach steht die Branche solide da – passend zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Es braucht allerdings bessere Finanzierungsbedingungen für alle Jungfirmen und nicht nur solche aus der KI- und Rüstungsbranche, die derzeit vor allem punkten. Ansonsten fehlt dem Aufschwung auf Dauer die Substanz. Das hängt auch damit zusammen, dass die Kooperationen mit etablierten Konzernen und Mittelständlern erneut rückläufig sind.
Diese Entwicklungen sorgen für Optimismus:
In diesem Jahr sind bereits zehn neue Einhörner entstanden und damit so viele wie noch nie zuvor zu diesem Zeitpunkt im Jahr. Einhörner sind Firmen, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden und von denen man sich besonders viel Wachstum und Wertschöpfung in der Zukunft erhofft.
Die neuen Einhörner des Jahres 2026 sind die Softwareunternehmen Osapiens und Camunda, die KI-Firma Dash0, das Auto-Abo-Start-up Finn, das Fintech Moss, die Verteidigungsfirma Stark Defence, die Fusionsunternehmen Proxima Fusion und Focused Energy, Neura Robotics sowie der Batteriespeicheranbieter Cmblu. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland fünf neue Einhörner entstanden.
Zugleich wurde mit acht Milliarden Euro von Januar bis September bereits mehr in Start-ups investiert als im gesamten Vorjahr.
Die Rüstungsfirmen Helsing, Quantum Systems wie auch die Robotikfirma Neura Robotics stemmten in diesem Jahr Finanzierungsrunden von weit mehr als einer Milliarde Dollar: Summen, die niemals zuvor von einzelnen Start-ups in der Bundesrepublik eingesammelt wurden und die international für Schlagzeilen sorgten.
Zeitgleich stiegen die Neugründungen auf einen Rekordwert und toppten damit die Zahlen aus der Coronazeit. Von Anfang Januar bis Ende Juni entstanden 3053 Start-ups. Das sind 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025 und mehr als im ganzen Jahr 2024.
Zudem fühlen sich Gründer inzwischen immer häufiger von ihren Hochschulen unterstützt. Fast 70 Prozent der Befragten sagen, dass diese für die Entwicklung ihres Start-ups wichtig waren. Inzwischen stehen Ausgründungen an vielen Hochschulen auch stärker im Fokus. Dafür sorgen die im vergangenen Jahr etablierten zehn Start-up Factories, die sich am Beispiel der Gründerschmiede der Technischen Universität München (TUM) orientieren.
Diese positive Dynamik spiegelt sich in der allgemeinen Stimmung wider. Das Geschäftsklima stieg laut DSM in diesem Jahr auf 33,2 Punkte, nach 31,7 Punkten im Vorjahr. Vor allem der Ausblick der Start-ups hellte sich auf, pünktlich zum wichtigen Branchentreffen „Bits & Pretzels“, das am Montag in München beginnt. An das Niveau vor und während der Coronakrise reicht der Wert aber trotzdem nicht heran.
Start-up-Verbandschefin Verena Pausder, selbst Unternehmerin, spricht angesichts der jüngsten Ereignisse wie des erfolgreichen Raketenstarts von Isar Aerospace von einem „unfassbaren Potenzial“ in Deutschland.
Pausder verbindet diese Aussage aber auch mit einem Appell: „Was wir brauchen, ist der Wille, Start-ups den Weg zu ebnen und Unternehmertum ins Zentrum der politischen Agenda zu stellen.“
Als Positivbeispiel nennt Pausder die WIN-Initiative. WIN, das steht für „Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland“. Das Programm soll die steuerlichen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für junge Firmen verbessern. In den nächsten Wochen soll die zweite Auflage der WIN-Initiative starten, mit der sich die Hilfen auf 25 Milliarden Euro verdoppeln.
Schwierige Entwicklung: Kooperationen nehmen weiter ab
Damit sich der Aufwärtstrend fortsetzt, sind jetzt allerdings die bereits am Markt etablierten Konzerne und Mittelständler gefragt. Denn Lieferantenbeziehungen zwischen diesen Firmen und Start-ups, Pilotprojekte, strategische Partnerschaften und Beteiligungen sind besonders wichtig für Jungfirmen, um eine solide Geschäftsbasis aufzubauen.
Doch genau diese Kooperationen gehen seit Jahren zurück und haben jetzt den tiefsten Stand seit 2020 erreicht. Laut dem DMS arbeiteten in diesem Jahr nur noch 54,1 Prozent der Start-ups mit einem Konzern oder Mittelständler zusammen. Im Vorjahr waren es noch 56 Prozent der Start-ups. Der Höchstwert von rund 72 Prozent aus dem Jahr 2020 ist damit in weite Ferne gerückt.
Eric Weber, Chef der Leipziger Start-up-Schmiede Spinlab, sagt: „Wenn Konzerne und Mittelständler Sparprogramme fahren und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren wollen beziehungsweise müssen, dann streichen sie häufig zuerst externe Innovationstätigkeiten.“ Damit fehle vielen Start-ups die erste Traktion, die notwendig sei, um Investoren zu überzeugen. Unternehmen wiederum verlören externe Innovationsimpulse.
Trotz des Negativtrends gibt es weiterhin ausreichend Beispiele für erfolgreiche Kooperationen. In der Rüstungsbranche arbeiten die meisten etablierten Konzerne wie Rheinmetall oder Hensoldt eng mit Start-ups zusammen und bauen diese Projekte kontinuierlich aus.
Auch in anderen Wirtschaftszweigen gibt es Partnerschaften. So hat sich der deutsche Traditions-Düngemittelhersteller K+S mit einem Start-up zusammengetan. Die Garnelenzuchtfirma Aquapurna nutzt das stillgelegte Bergwerk Sigmundshall von K+S, um dort mit Unterstützung des Konzerns eine Indoor-Garnelenfarm zu errichten.
Weniger Mitarbeiter
Die unsichere wirtschaftliche Gesamtlage, aber auch der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz wirken sich auf die Personalpolitik der Start-ups aus. Laut dem DSM ist die durchschnittliche Beschäftigtenzahl weiter rückläufig. Aktuell sind bei Start-ups im Schnitt 15,3 Mitarbeiter angestellt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 15,8. Im Jahr 2023 waren es sogar 18,9, die seither niemals wieder erreicht wurden.
Der Rückgang hängt zum Teil aber auch mit der starken Gründungsdynamik zusammen, die dafür sorgt, dass es more junge Start-ups gibt, die bislang nicht so viele Mitarbeiter haben.
Mehr Gründungen, aber weniger Deals
Obwohl in diesem Jahr die Start-up-Investitionen einen neuen Höchstwert erreicht haben, sind auch viele Firmen leer ausgegangen. Denn während Helsing, Neura Robotics oder Quantum Systems riesige Finanzierungsrunden stemmten, ging die Gesamtzahl der Runden auf 1585 zurück. Vor allem in früheren Firmenphasen fehlten zuletzt Risikokapitalgeber (VCs), die bereit waren, zu investieren.
Der internationale Investor Antler hat die Zahlen noch genauer analysiert als der Start-up-Monitor und festgestellt, dass in Deutschland nur jedes vierte Start-up, das eine Erstfinanzierung erhalten hat, auch eine Series-A-Finanzierung stemmt. Eine Series-A-Finanzierung ist meist die erste größere institutionelle Finanzierungsrunde eines Start-ups nach der Gründungsphase und entscheidet darüber, ob die Firma überhaupt zu einem Wachstumsunternehmen werden kann. Im vergangenen Jahr sank das Verhältnis von Neugründungen zu Start-ups, die eine Series A erhielten, auf 50 zu 1. So schlecht war es seit mindestens 2019 nicht.
Antler-Partner Christoph Klink begründet diese Entwicklung mit der rückläufigen Zahl der Investoren in Deutschland und der Konzentration der Investoren auf weniger Deals. „Es gibt weniger Investoren, die bereit sind, das hohe Risiko in der ganz frühen Phase einzugehen“, sagt Klink.
Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, empfiehlt er, sogenannte Emerging Manager stärker zu unterstützen, also junge oder neu gegründete Fondsmanager, die in besonders junge Start-ups investieren.
„In dieser Phase, in der wir einen Trend in die falsche Richtung erkennen, sollte die Unterstützung wahrscheinlich größer sein“, ergänzt Klink und weist darauf hin, dass es diese Entwicklung für ganz Europa gibt. Es könnten Dutzende neue Einhörner entstehen, wenn more Firmen die Series A erreichten. Passiere allerdings nichts, könnte sich das letztlich auch negativ auf die Zahl der Neugründungen auswirken.
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Start der zweiten Auflage der WIN-Initiative mit verdoppelten Hilfen auf 25 Milliarden Euro.
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