Deutschland-Liveblog: Aktuelle Entwicklungen zu Wahlen, Politik und Sicherheit
AfD-Spitzenkandidat Siegmund lässt Regierungsform offen, SPD fordert Sparkurs und scharfe Debatten um Stromnetz-Sabotage.
Quick Look
Ein Liveblog beleuchtet aktuelle deutsche Politikthemen vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, darunter Äußerungen von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zur Regierungsbildung, Haushaltsdebatten, Disziplinarverfahren bei Bundesbehörden und die Fahndung nach einem mutmaßlichen Stromnetz-Saboteur.
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Why It Matters
In Sachsen-Anhalt findet eine Landtagswahl statt, bei der die AfD in Umfragen stark abschneidet. Parallel ermitteln Behörden zu Sabotageakten und verschwundenen Dienstwaffen.
Deutschland-Liveblog :
Siegmund will auch mit absoluter Mehrheit nicht unbedingt regieren
05.09.2026, 10:43Lesezeit: 1 Min.
Ulrich Siegmund am Freitag beim Wahlkampf in MagdeburgReuters
AfD-Spitzenkandidat: Stabile Regierung mit knapper Mehrheit nicht unbedingt möglich +++ Mutmaßlicher Stromnetz-Saboteur flüchtig +++ 33 Disziplinarverfahren wegen verschwundener Dienstwaffen bei Bundespolizei und BKA +++ alle Entwicklungen im Liveblog
Die AfD will nicht unbedingt regieren – selbst mit absoluter Mehrheit
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte mehrfach verkündet, nur bei einer absoluten Mehrheit in Sachsen-Anhalt regieren zu wollen – nun lässt er eine Wahl zum Ministerpräsidenten auch bei einer absoluten Mehrheit offen und betont, er brauche eine „stabile Mehrheit“. Auf die Frage, ob er bei einer Ein-Stimmen-Mehrheit im Landtag das Ministerpräsidentenamt anstrebe, sagte Siegmund der „Bild“-Zeitung (Samstag): „Das werden wir am Montag entscheiden. Gucken wir mal, wie es ausgeht.“
Siegmund betonte, es gehe ihm um eine „stabile Mehrheit“ im Landtag. „Was mache ich, wenn mal ein oder zwei oder drei Abgeordnete im Krankenhaus sind? Soll ich die dann mit der Trage in den Landtag reintragen zum Abstimmen?“, sagte Siegmund der „Bild“-Zeitung. Es dürfe nicht so sein, dass der „Fortschritt des Landes gelähmt“ ist, „weil ein oder zwei Abgeordnete gesundheitsbedingt ausfallen“, ergänzte der AfD-Spitzenkandidat.
Viel los am Wahlwochenende
Am Samstag und Sonntag werden in Sachsen-Anhalt mehrere tausend Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet. Die größte findet ab heute Nachmittag auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8.000 Teilnehmer. Daneben begeht die in Umfragen führende AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss.
Woidke: SPD braucht klare Kante
Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke rät seiner Partei angesichts bundesweit schwacher Umfragewerte zu klarer Kante. „Die Unzufriedenheit in der SPD und die schwachen Umfragewerte muss die Parteiführung ernst nehmen“, sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur. „Viele Menschen erkennen derzeit nicht mehr, wofür die SPD steht und welchen konkreten Unterschied sozialdemokratische Politik in ihrem Leben bewirkt.“ In der jüngsten Umfrage von Infratest dimap kam die SPD auf 13 Prozent. Sie regiert seit 2025 bundesweit mit der Union.
„Inhaltlich muss sich die SPD gar nicht komplett neu erfinden. Sie muss aber klarer, konkreter und glaubwürdiger sagen, wofür sie steht“, sagte Woidke. „Unsere Stärke ist, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke zusammenzubringen.“
Der Regierungschef warnte angesichts der Diskussion über die Parteichefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil, die Debatte dürfe nicht „auf einzelne Personen verkürzt werden“. An der SPD-Basis gibt es Forderungen, nach den Landtagswahlen im Herbst die Parteiführung neu zu wählen.
Die SPD sollte aus Sicht des Brandenburger Regierungschefs „einen 100-prozentigen Fokus auf die hart arbeitende Mitte“ legen. „Gute Löhne, sichere Arbeitsplätze und eine starke Tarifbindung gehören ebenso dazu wie eine verlässliche Rente, bezahlbare Energie und bezahlbarer Wohnraum“, sagte Woidke, der auch SPD-Landesvorsitzender ist.
Er riet der Partei, sich stärker auf sich selbst zu besinnen. „Die SPD darf nicht nur auf die Themen anderer reagieren. Sie braucht eigene Prioritäten, eine verständliche Sprache und sichtbare Ergebnisse“, sagte Woidke.
An diesem Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt, am 20. September stehen die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl des Abgeordnetenhauses in Berlin an. Der SPD-Ministerpräsident zeigte sich vor der Wahl in Sachsen-Anhalt zuversichtlich, dass die AfD dort keine absolute Mehrheit bekommt.
„Ich bin mir sicher, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt in den Wahllokalen zeigen werden, dass sie Sicherheit und Stabilität wollen und keine Spaltung“, sagte Woidke. „Was die AfD in ihrem Programm plant, schadet der regionalen Wirtschaft und schadet den Menschen.“ Die AfD wird in Sachsen-Anhalt wie in Brandenburg als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Sie strebt in Sachsen-Anhalt eine Alleinregierung an.
„Jeder dritte Euro auf Pump“: Unionsfraktionsvize fordert vor Haushaltsberatungen Sparkurs
Vor den anstehenden Haushaltsberatungen im Bundestag hat der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Mathias Middelberg (CDU) vor Schulden gewarnt und einen strikten Sparkurs für die kommenden Jahre gefordert, der auch vor Klimamaßnahmen nicht Halt macht. „Wir leben knallhart über unsere Verhältnisse. Jeder dritte Euro, den wir ausgeben, ist auf Pump“, sagte Middelberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Wir müssen noch viel strenger sparen“, forderte er.
Für 2027 sieht der Haushalt Ausgaben in Höhe von 640 Milliarden Euro vor, inklusive der Sondervermögen. Davon sollen allein mehr als 200 Milliarden Euro über neue Kredite finanziert werden.
„Ein so hoher Schuldenanteil ist auf Dauer brandgefährlich“, mahnte Middelberg. „Wir könnten unser erstklassiges Kredit-Rating verlieren. Das würde die Zinsen erhöhen und auf Dauer auch allgemein die Preise treiben – zu Lasten aller Verbraucher.“ Deshalb müssten die Sparanstrengungen „jetzt massiv weiter verschärft werden“, sagte Middelberg.
Konkret schlägt er vor, Subventionen, etwa für den Klimaschutz, zu kürzen. „Dabei dürfen auch Programme mit der Aufschrift 'Klima' kein Tabu sein. Manche dieser Maßnahmen haben keine belegbare Effizienz. Eine zu hohe Förderung von Wärmepumpen oder Elektrobussen zum Beispiel treibt schlicht die Preise und kann erforderliche Umstellungen sogar verteuern“, betonte er.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bringt am Dienstag seinen Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 in den Bundestag ein. Er wird dann vom Parlament beraten, wobei Änderungen möglich wären.
33 Disziplinarverfahren wegen verschwundener Dienstwaffen bei Bundespolizei und BKA
In den Polizeibehörden des Bundes hat es in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben des Bundesinnenministeriums dutzende Disziplinarverfahren wegen verschwundener Dienstwaffen gegeben - die Anzahl der abhandengekommenen Waffen gab das Ministerium nicht bekannt. Laut der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, welche dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag) vorliegt, gab es in dem Zeitraum insgesamt 33 Disziplinarverfahren. 30 davon entfielen demnach auf die Bundespolizei und drei auf das Bundeskriminalamt.
Wie viele Dienstwaffen wo genau verschwanden, gab das Ministerium nicht öffentlich bekannt und berief sich dabei auf „Gründe des Staatswohls“. Die Angaben zu den Anzahlen, der regionalen Zuordnung sowie den konkreten Verlustgründen könnten Rückschlüsse auf die materielle Einsatzbereitschaft und Logistik der Sicherheitsbehörden zulassen und die Aufgabenerfüllung der Sicherheitsbehörden gefährden, erklärte das Innenministerium.
Größerer Polizeieinsatz mit Hubschrauber an Stromanlage
Nach mehreren Sabotageangriffen auf das Stromnetz in Nordrhein-Westfalen ist es bei einer Stromanlage in Hamm zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen am Freitagabend zahlreiche Polizeiwagen zu dem Ort an einer Landstraße bei einem Waldstück. Es war auch an Hubschrauber im Einsatz. Zuvor hatte der „Hellweger Anzeiger“ berichtet.
Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige Stromanlage. Sie sei seit längerem außer Betrieb.
Trump zu Drohnen-Fund: Putin plant keine Angriffe auf Nato
Nach dem mutmaßlich russischen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle sieht US-Präsident Donald Trump weiter keine Gefahr eines russischen Angriffs auf die Nato. „Wir sprechen miteinander, ich kenne ihn sehr gut. Putin plant keinen Angriff auf das Nato-Gebiet“, sagte Trump auf die Frage, ob der Fund einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle einen solchen Angriff darstelle. Nähere Angaben machte der US-Präsident dazu nicht.
Ähnlich hatte sich Trump bereits Ende August geäußert, nachdem CIA-Chef John Ratcliffe überraschend zu Besuch in Moskau war. Das „Wall Street Journal“ und das Magazin „Politico“ berichteten zuvor, Ratcliffe habe den Kreml vor einem Angriff auf Nato-Verbündete gewarnt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundesregierung Russland allerdings noch nicht offiziell für den Anschlagsversuch verantwortlich gemacht.
Die mit Sprengstoff und einem Zündmechanismus präparierte Drohne war Anfang August im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden.
Polizei entdeckt Fahrzeug von mutmaßlichem Saboteur – Verdächtiger weiter flüchtig
In einem Waldstück in Niederzier im nordrhein-westfälischen Kreis Düren hat die Polizei den umgebauten Lastwagen des mutmaßlichen Saboteurs, der hinter mehreren Anschlägen auf die Stromversorgung stecken soll, gefunden. Das teilte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am späten Freitagnachmittag in Düsseldorf mit. Das Auto war demnach jedoch verlassen, der Tatverdächtige ist weiter flüchtig. Der Fundort befindet sich in der Nähe des lange umkämpften Braunkohletagebaus Hambach.
Reul gab sich überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Tatverdächtige gefunden werde. Jetzt sei der Mann vermutlich zu Fuß unterwegs und werde nicht weit kommen, so Reul. Von der Polizei hieß es, es werde „mit Hochdruck und mit großem Besteck gearbeitet“.
Zudem habe die Polizei Sprengstoff in der Wohnung des 48 Jahre alten Tatverdächtigen in Gevelsberg gefunden, erklärte Reul. Es gebe keine weiteren Indizien, dass der Mann besonders gefährlich sei. Das Bekennerschreiben sei authentisch. Laut Bundesinnenminister Dobrindt handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Einzeltäter und um „Klimaterrorismus“.
AfD-Politiker rufen zu Wahlbeobachtung auf – zusammen mit dem rechtsextremen Verein „Ein Prozent“
Immer mehr AfD-Politiker haben vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihre Wähler zur Wahlbeobachtung aufgerufen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte in einem Social-Media-Video, man wolle „in jedem Wahllokal genau hinschauen“ und brauche dafür Wahlbeobachter. Er präsentierte auch eine interaktive Karte, auf der seine Follower sehen können, welche Wahllokale bereits von AfD-Sympathisanten beobachtet werden und welche nicht – „damit wir kein Wahllokal unbesetzt lassen“. Die Karte wurde erstellt vom Verein „Ein Prozent“, der vom Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextrem gilt und zum Umfeld des neurechten Publizisten Götz Kubitschek gehört. Siegmund bezeichnet die Mitglieder des Vereins im Video als „Kollegen“. Bereits für mehr als 520 Wahllokale in Sachsen-Anhalt haben sich Menschen über die Seite des Vereins als Beobachter gemeldet.
Am Donnerstag riefen auch die Bundesvorsitzenden der AfD Alice Weidel und Tino Chrupalla dazu auf, sich als Wahlbeobachter zu melden. In einem dafür erstellten Flyer zitiert die Partei mehrmals die Bundeswahlordnung, die allerdings bei Bundestagswahlen und nicht bei Landtagswahlen gilt. Auch „Ein Prozent“ zitiert die Bundeswahlordnung.
In Sachsen-Anhalt gilt bei Landtagswahlen die Landeswahlordnung, die besagt: „Während der Wahlhandlung sowie der Ermittlung und Feststellung des Wahlergebnisses hat jedermann zum Wahlraum Zutritt, soweit das ohne Störung des Wahlgeschäftes möglich ist.“
Sachsen-anhaltische Linken-Spitzenkandidatin: Wird keine rechtsextreme Regierung geben
Die sachsen-anhaltische Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern hat zum Wahlkampfabschluss ihrer Partei einen entschlossenen Kampf gegen Rechts herausgestellt. Im Wahlkampf sei das überwiegende Thema der Menschen die Sorge vor einer rechtsextremen Regierung gewesen. „Diese wird es in Sachsen-Anhalt nicht geben – nach dem 6. September nicht und auch nicht später“, sagte von Angern in Magdeburg. „Wir lassen uns die Heimat nicht von Rechtsextremen wegnehmen“, so die Neunundvierzigjährige.
Die Ko-Vorsitzende der Bundespartei Ines Schwerdtner kritisierte Kanzler Friedrich Merz (CDU), etwa für die geplanten Veränderungen bei der Rente. Merz habe keine Ahnung, wie es den Menschen in Ostdeutschland gehe, so die Linken-Chefin. Die Wut der Menschen sei berechtigt, man dürfe die Wut aber nicht den Rechten überlassen. „Denn es ist die AfD, die in Wahrheit Politik gegen die arbeitenden Menschen macht“, sagte Schwerdtner.
Heidi Reichinnek, Linken-Fraktionschefin im Bundestag, kritisierte die Berichterstattung der Medien im Zuge der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Es kotzt mich auch wirklich an, diese ganzen Hauptstadtjournalisten zu sehen, die die ganze Zeit eine negative Schlagzeile nach der nächsten produzieren“, sagte Reichinnek.
Die Linke hat im Zuge der Landtagswahl am 6. September einen Wahlkampf mit den Schwerpunkten soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen Rechtsextremismus und konkreter Alltagshilfe geführt. Sie verlangt etwa Maßnahmen gegen Kinderarmut sowie gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule sowie einen stärkeren Staat in der Gesundheitsversorgung. In Umfragen war die Linke zuletzt mit 12 bis 14 Prozent drittstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt.
Grüne fordern Tempolimit und 49-Euro-Ticket
Wegen des jüngsten Hitzesommers fordern die Grünen von der Bundesregierung einen „Krisenplan“ gegen den „Klimanotstand“. Zu dem Maßnahmenkatalog, den die Bundestagsfraktion bei einer Klausurtagung in Berlin beschlossen hat, gehören unter anderem ein Tempolimit auf Autobahnen sowie ein Deutschlandticket zum früheren Preis von monatlich 49 Euro. Neben akutem Krisenmanagement brauche es eine Klimapolitik, „die die Ursachen der eskalierenden Klimakrise durch rasche Senkung der E
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