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Energie: 23.000 Jobs in Gefahr: Offshore-Krise trifft deutsche Industrie
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Handelsblatt2 hours agoEnergy3 min readGermanyView translation

Energie: 23.000 Jobs in Gefahr: Offshore-Krise trifft deutsche Industrie

Quick Look

  • Die Offshore-Windindustrie in Deutschland steht vor einem massiven Stellenabbau: Bis zu 23.000 von 49.000 Arbeitsplätze könnten in vier Jahren verloren gehen, wenn der Ausbau weiter stockt.
  • Der Umsatzausfall könnte 24 Milliarden Euro betragen, da Wertschöpfung ins Ausland abwandert.
  • Zulieferer wie EEW und Steelwind kündigen bereits Entlassungen und Kurzarbeit an.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Offshore-Windindustrie in Deutschland steht vor einer Krise aufgrund gestiegener Kosten, hoher Zinsen und verzögerter Ausschreibungen. Seit zwei Jahren wurde kein neuer Offshore-Windpark genehmigt. Aktuell sind 10,8 GW installiert, während das Ziel für 2030 bei 30 GW liegt. Die Bundesregierung überarbeitet das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG), um den Ausbau zu beschleunigen.

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Neue Zahlen zeigen, wie teuer der stockende Ausbau der Windkraft auf See für Deutschland werden könnte. Milliarden an Wertschöpfung sind gefährdet, erste Zulieferer bauen bereits Stellen ab.

Windpark in der Nordsee: Die Offshore-Branche beklagt leere Auftragsbücher. Foto: dpa

Die Offshore-Windindustrie in Deutschland steht vor massiven Einbußen: Bis zu 23.000 der 49.000 Arbeitsplätze könnten in nur vier Jahren verloren gehen, wenn der Ausbau weiter stockt.

Projektentwickler rechnen mit Stellenabbau aufgrund gestiegener Kosten, hoher Zinsen und verzögerter Ausschreibungen für Offshore-Projekte.

Die Bundesregierung überarbeitet das Windenergie-auf-See-Gesetz; die Industrie kritisiert den vorliegenden Entwurf.

Einige Zulieferer kündigen bereits Entlassungen und Kurzarbeit an.

Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.

Düsseldorf. Seit zwei Jahren ist in Deutschland kein einziger neuer Offshore-Windpark mehr auf den Weg gebracht worden. Verschobene Ausschreibungen, verzögerte Netzanschlüsse und unsichere Projekte: Die Auftragsbücher vieler Zulieferer sind leer – und das könnte erst der Anfang sein.

Neue Zahlen zeigen das Ausmaß der Krise, vor dem die Offshore-Windindustrie in Deutschland steht: 23.000 der aktuell 49.000 Stellen könnten in den nächsten vier Jahren verloren gehen, wenn der Ausbau weiter stockt. Im gleichen Zeitraum würde der Umsatzausfall 24 Milliarden Euro betragen, auch weil ein großer Teil der Wertschöpfung dann ins Ausland abwandert.

Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse des Marktforschungsunternehmens wind:research im Auftrag des Bundesverbands der Windenergie (BWO).

Milliarden-Aufträge in Gefahr

„Wenn in den nächsten Monaten nichts passiert, werden wir eine Situation wie in der Solarindustrie sehen“, warnt Siemens-Energy-Vorstand Vinod Philip im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch bei Siemens Energy werde man Stellen abbauen müssen, wenn die Krise nicht abgewendet werde, sagte der Chef der Windsparte: „Und das nicht in kleiner Zahl.“ Siemens Energy gehört zu den größten Windturbinenherstellern der Welt.

Der Grund für die existenzielle Krise ist ein gefährlicher Mix aus gestiegenen Kosten, hohen Zinsen und politischen Rahmenbedingungen. Projekte mit mindestens 16 Gigawatt Leistung stehen auf der Kippe, Ausschreibungen wurden verschoben oder blieben ganz ohne Gebote. Zulieferern wie den Turbinenherstellern Siemens Energy und Vestas drohen Aufträge in Milliardenhöhe wegzubrechen.

Windkraft

Drohende Offshore-Krise wird zum Stresstest für Siemens Energy

Dabei soll die Windenergie auf hoher See zu einer der tragenden Säulen der deutschen Stromversorgung werden. Offshore-Anlagen liefern zuverlässig viel Strom und gelten als wichtiger Baustein für die Versorgung der Industrie.

Die politischen Ambitionen sind entsprechend groß: Bis 2030 soll die installierte Leistung bereits auf 30 Gigawatt (GW) steigen, bis 2045 soll sie sich dann noch einmal mehr als verdoppeln. Aber zwischen politischen Zielen und dem, was wirklich gebaut wird, klafft eine erhebliche Lücke: Aktuell sind 10,8 GW installiert.

Auktionen mit surrealen Ergebnissen

Erst im Januar hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf einem Gipfel der Nordsee-Anrainerstaaten in Hamburg die Bedeutung der Offshore-Industrie betont: „Unser Ziel ist, den größten Energie-Hub der Welt zu entwickeln.“

Ein führender Manager aus der Branche kritisiert: „Die Industrie hat fast 15 Milliarden investiert, um die Lieferkette auszubauen. Aber was wir gerade sehen, ist, dass ab 2028 50 bis 60 Prozent weniger gebaut wird als geplant.“ Und für einen großen Teil dieser Lücke sei Deutschland verantwortlich.

In Deutschland werden Flächen für den Bau der Meeresparks über staatliche Ausschreibungen vergeben. Dabei mussten Entwickler wie RWE, Vattenfall oder EnBW in den vergangenen Jahren teils nicht nur ohne Förderung auskommen, sondern im harten Wettbewerb dem Staat sogar Milliarden für den Zuschlag bieten.

Siemens-Energy-Vorstand Vinod Philip: „Wenn in den nächsten Monaten nichts passiert, werden wir eine Situation wie in der Solarindustrie sehen.“ Foto: Siemens

Allein die beiden Öl- und Gaskonzerne BP und Total Energies hatten 2023 in Gebotsverfahren insgesamt 12,6 Milliarden Euro für den Zuschlag für Offshore-Flächen geboten. Insgesamt 16,6 Milliarden Euro war es Projektentwicklern in den Jahren 2023 bis 2025 wert, den Zuschlag für Windparkflächen in Nord- und Ostsee zu bekommen.

Brancheninsider bezweifelten schon damals, dass sich die Windparks bei solch hohen Summen wirtschaftlich betreiben lassen würden. Total Energies prüft aktuell eine mögliche Rückgabe der Konzession für eines der betroffenen Projekte. Bei BP steht eine Entscheidung über das weitere Vorgehen noch aus. Man prüfe aktuell alle Optionen, heißt es im Unternehmen.

„Wenn länger als ein oder zwei Jahre nichts gebaut wird, wird es einen erneuten Fadenriss in der Offshore-Industrie geben“, sagt Windexperte Dirk Briese, Geschäftsführer von wind:research. Die politisch festgelegten Ausbauziele würden um mehr als 50 Prozent gerissen.

Unternehmen kritisieren geplante Gesetzesnovelle

Eine ursprünglich für dieses Jahr geplante Ausschreibung neuer Flächen wurde verschoben, weil die Bundesregierung das Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) überarbeitet – das Ausschreibungsdesign soll angepasst werden.

Mit der ohnehin laufenden Novelle könnte die Politik der Branche in Zeiten der Krise eine neue Perspektive geben. So könnte in dem Gesetz geregelt werden, dass die zu Milliardenbeträgen ersteigerten Flächen zurückgegeben und möglichst schnell neu vergeben werden können. So ließe sich der „Fadenriss“ noch vermeiden.

Doch der Entwurf des WindSeeG aus Reiches Ministerium sieht das nicht vor. Vielmehr heißt es darin: „Eine einseitige Rückgabe von Zuschlägen ist weiterhin nicht vorgesehen.“ Damit solle die „Verbindlichkeit des Ausschreibungsverfahrens“ gesichert werden.

Energie

„Zombie-Projekte“: Investoren sicherten sich Lizenzen für Windparks auf See – jetzt zögern sie

In einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesregierung kritisieren führende Entwickler die geplanten Änderungen der Gesetzesnovelle jetzt scharf: „Deutschland kann es sich in seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation nicht leisten, vorhandene Investitionsbereitschaft durch ein ungeeignetes Ausschreibungsdesign ungenutzt zu lassen“, heißt es dort. Das Dokument liegt dem Handelsblatt vor. Neben RWE sind auch die norwegische Equinor, die französische EDF, die spanische Iberdrola und der Infrastrukturinvestor CIP aus Dänemark unter den Unterzeichnern.

Sie fordern unter anderem die Einführung von Differenzverträgen für Offshore-Ausschreibungen. Ein sogenannter Contract for Difference, kurz CfD, garantiert den Betreibern einen festen Preis für den erzeugten Strom. Dieser Preis wird in einer Auktion ermittelt. Liegt der Marktpreis darunter, gleicht der Staat die Differenz aus, liegt er darüber, schöpft der Staat die Mehrerlöse ab.

Im neuen WindSeeG kommen CfDs allerdings erst zum Zuge, wenn eine erste Runde ohne staatliche Absicherung erfolglos bleibt. Komme das Gesetz wie geplant, drohten „industriepolitische Wiederholungsfehler mit gravierenden Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette“, warnen die Unternehmen.

„Ab Dezember 2027 sind die Auftragsbücher leer"

„Spätestens ab 2028 sieht es bei der Auftragslage für viele Zulieferer schon jetzt schlecht aus“, sagt Experte Briese. Erste haben bereits einen Stellenabbau angekündigt.

Wie die Firma EEW. Das Unternehmen aus Rostock stellt Stahlfundamente für Windkraftanlagen auf hoher See her. Zehn Prozent seiner Belegschaft muss es nun laut Medienberichten aufgrund fehlender Aufträge entlassen. Betroffen sind rund 100 Stellen.

900Unternehmen sind deutschlandweit im Bereich der Offshore-Windenergie tätig

Auch bei Steelwind aus Nordenham ist die Lage ernst: „Ab Dezember 2027 sind die Auftragsbücher leer“, sagt Geschäftsführer Korbinian Ott dem Handelsblatt. Wenn es so weitergeht, müsse der Betrieb für seine 400 Mitarbeitenden ab 2028 wahrscheinlich Kurzarbeit anmelden.

Fast 900 Unternehmen sind deutschlandweit im Bereich der Offshore-Windenergie tätig. Dazu zählen nicht nur Turbinenbauer und Fundamenthersteller. Entlang der Wertschöpfungskette sind auch Netzbetreiber wie 50Hertz, Wartungsspezialisten wie die Deutsche Windtechnik, Antriebstechnikfirmen wie Flender sowie Logistiker wie BLG und Rhenus aktiv. „Das wird sehr spürbare Folgen für alle Unternehmen in der Lieferkette haben“, sagt Siemens-Energy-Vorstand Philip.

Besonders heikel ist das für die deutschen Küstenregionen. In Rostock, Bremerhaven, Cuxhaven oder Nordenham haben sich in den vergangenen Jahren ganze Offshore-Zentren gebildet. Bleiben neue Projekte aus, trifft das nicht nur einzelne Zulieferer, sondern ein eng verflochtenes Netzwerk aus Industrie, Handwerk, Häfen und Dienstleistern.

Wiederholt sich das Schicksal der deutschen Solarindustrie?

Genau deshalb warnen Manager vor einer Entwicklung wie in der Solarindustrie: Die Nachfrage nach sauberem Strom bleibt, doch die industrielle Wertschöpfung verlagert sich ins Ausland. Vor 15 Jahren war die deutsche Solarindustrie weltweit führend. Mittlerweile ist davon kaum noch etwas übrig. Solarmodule für den deutschen Markt werden mittlerweile fast ausschließlich in China gefertigt.

Schon heute drängen chinesische Zulieferer auf den Offshore-Markt. Der Hersteller Dajin etwa liefert seit Jahren sogenannte Monopile-Fundamente für Offshore-Windparks in Europa – produziert wird dabei ausschließlich in China. Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Sinolytics ist Dajin seit Kurzem sogar der größte Zulieferer für Fundamente in der europäischen Offshore-Industrie.

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DeutschlandSiemensRWESiemens EnergyBPChina

Während Turbinen chinesischer Anbieter auf See bei vielen Projektentwicklern aus Sicherheitsgründen aktuell noch als Tabu gelten, ist die Zurückhaltung bei Kabeln, Fundamenten und Stahlträgern aus dem Ausland längst verschwunden – sie werden von Entwicklern wie RWE und Orsted seit Jahren zunehmend verbaut. Der enorme Kostendruck dürfte diesen Trend angesichts der Krise weiter verschärfen.

„Wenn Deutschland den Ausbau der Offshore-Windenergie ausbremst, während der internationale Wettbewerbs- und Importdruck steigt, gefährden wir unsere eigene industrielle Basis“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. Es drohe die Schließung von Werken, die in wenigen Jahren dringend benötigt würden. Dann müssten künftig bis zu 80 Prozent der Komponenten und Leistungen für deutsche Offshore-Windprojekte importiert werden.

Mehr: Chinas Offshore-Pläne stoßen in Europa an ihre Grenzen – doch wie lange noch?

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What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Ab Dezember 2027 werden die Auftragsbücher vieler Zulieferer in der Offshore-Windindustrie leer sein, wenn der Ausbau nicht beschleunigt wird.

    Likely · Within years

  • Wenn der Offshore-Windausbau in Deutschland weiter stockt, wird ein großer Teil der Wertschöpfung ins Ausland, insbesondere nach China, verlagert werden.

    Likely · Within years

Open Questions

  • Wird die Bundesregierung das WindSeeG so anpassen, dass einseitige Rückgaben von Zuschlägen erlaubt werden?
  • Wie werden die Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen wie Rostock und Bremerhaven langfristig gesichert?
  • Wann werden die ausgeschobenen Offshore-Ausschreibungen nachgeholt?
  • Wie wird die Bundesregierung sicherstellen, dass die Wertschöpfung in Deutschland bleibt?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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