
AI-generated summary
Hoops äußerte sich bei den Berliner Philharmonikern zur Lage Deutschlands. Er kontrastiert positive wirtschaftliche Fakten mit schlechter öffentlicher Stimmung und betont die Notwendigkeit von Reformen.
Herr Hoops, Sie haben kürzlich bei den Berliner Philharmonikern eine Rede zur Lage Deutschlands gehalten. Wie ist die Lage?
Wenn wir auf die Fakten schauen, dann ist die wirtschaftliche Lage besser als die Stimmung. Die nachfrageorientierten Entscheidungen der Bundesregierung haben daran einen wichtigen Anteil. Aber jetzt kommt der schwierige Teil, jetzt kommen die angebotsorientierten Reformen. Die Nachfrage anzukurbeln ist vergleichsweise einfach: Der Staat gibt Geld aus, das sorgt für Aufträge, und darüber freuen sich alle. Für die angebotsorientierten Reformen, also beispielsweise den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren, gibt es weniger Beifall.
Man sieht ja, dass die Umsetzung schwierig ist. Beim Thema Rente mit 63 sind wir schon wieder mitten in den Diskussionen.
Es ist doch normal, dass in einem solchen Paket nicht jeder jede Maßnahme mag. Für einzelne Steuererhöhungen gibt es auch Kritiker. In einem Umfeld, in dem sich Industrien transformieren, manche weniger, andere mehr Mitarbeiter benötigen, müssen wir den Arbeitsmarkt flexibilisieren und Anreize setzen, das schnell hinzubekommen. Nicht alles davon ist angenehm. Aber das große Ganze muss stimmen. Das Reformpaket ist ausgewogen. Jetzt wird es hoffentlich auch umgesetzt.
F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen
F.A.Z. bei Google bevorzugen
Haben Sie das Gefühl, dass die Gesellschaft dafür bereit ist?
Wir sprechen hier über grundlegende Reformen für unser Land, um die wir doch gar nicht herumkommen. Wir sollten uns bewusst sein: Weltweit stehen Gesellschaften gerade vor massiven Transformationen, nicht zuletzt mit Blick auf KI. Und andere Länder gehen das mit einer anderen Haltung an als wir. Ich war vergangene Woche in China. Es ist spannend, wie die Menschen dort auf die aktuelle Lage schauen. China war um das Jahr 1800 herum eine Hochkultur, hat dann aber die industrielle Revolution verpasst. Man hat schlicht nicht die Notwendigkeit gesehen, sich weiterzuentwickeln, während in Europa die Dampfmaschine entwickelt wurde. Es gibt ein Zitat, das mir nicht aus dem Kopf geht. Ein Gesprächspartner sagte: Bei uns haben zehn Generationen gelitten, weil eine Generation die industrielle Revolution verschlafen hat. Und das wollen die Chinesen bei KI kein zweites Mal erleben.
Das sind natürlich zwei verschiedene politische Systeme. In China können sie von oben nach unten bestimmen, was gemacht wird. Hier gibt es Politiker, die alle vier Jahre Wahlen gewinnen müssen.
In einem Ein-Parteien-System ist es deutlich leichter, Dinge umzusetzen. Deutschland ist anders aufgestellt, mit allen Stärken und Schwächen. Aber in Deutschland gibt es sehr viele Diskussionen vor der Entscheidung und dann auch danach. Letzteres lähmt uns. Diskussion ist wichtig. Aber wenn eine Entscheidung getroffen wurde, sollte man auch in die Umsetzung kommen.
Sie sagen, die Lage ist besser als die Stimmung. Woher nehmen Sie den Optimismus?
Unser aktuelles Wirtschaftswachstum betrug im zweiten Quartal annualisiert 1,3 Prozent. Das erwarten wir auch für das gesamte Jahr 2026. Die Auftragseingänge sind deutlich gestiegen, sie wachsen aktuell so stark wie zuletzt vor einem guten Jahrzehnt. Und Aufträge, die eingegangen sind, sind die Produktion von morgen. Die Zahl der Neugründungen ist so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren. Der Dax steht auf Höchststand. Das sind doch harte Fakten.
Das kommt offenbar nicht an.
Wir haben regelmäßig einen Kundenbeirat. Da verbringen wir einen Tag mit 20 Unternehmen. Ich stelle dort immer gerne zwei Fragen: Erstens, wie geht es Deutschland? Zweitens, wie geht es Ihrem Unternehmen und Ihnen persönlich?
Und die Antworten?
Deutschland ist schwierig, aber mir selbst, meinem Unternehmen geht es eigentlich ganz gut. Wenn es aber jedem Einzelnen gut geht, warum ist dann der Blick auf das Land – also auf die Summe aller Einzelteile – so schlecht.
Warum also diese Diskrepanz?
Ich habe keine gute Antwort, aber ich habe eine Meinung. Die wirtschaftlichen Fakten sind im Rahmen, kein Boom, aber Wachstum. Und natürlich sind die Herausforderungen groß. Aber eine Haltung, die sagt: Es geht nichts voran, und deshalb verharre ich selbst auch im Stillstand, ist kontraproduktiv – und außerdem ausgesprochen unfair gegenüber der nächsten Generation.
Ist das eine Generationenfrage?
Ich bin im Jahr 1980 geboren. Meine Generation hat gelernt, dass wir was können. Wiedervereinigung, Fußball-Weltmeister, Wirtschaftswachstum. Wir sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Deutschland Champions League kann. Mit diesem Bewusstsein nimmt man eine Schwäche als temporär wahr. Die Impulse des vergangenen Jahres waren richtig, die Fakten sprechen für uns, die Lage ist besser. Nutzen wir jetzt diesen Schwung, um die notwendigen Reformen durchzusetzen im Wissen, dass wir auf etwas Positives hinarbeiten.
Wir treffen uns wenige Tage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt. Was sich da abspielt, sorgt auch nicht gerade für gute Stimmung.
Natürlich stellt die AfD ein Problem dar. Mit extrem verkürzten, vereinfachten Botschaften Menschen etwas vorzugaukeln, ist unverantwortliche Politik. Ich frage mich nur, ob bei der Fülle der Herausforderungen, die wir als ganzes Land haben, Sachsen-Anhalt ein Thema ist, das so viel Zeit beanspruchen sollte. Die Wahl ist wichtig, das verstehe ich. Aber ist das unser größtes Problem?
Es ist schon relevant, ob die AfD in einem Bundesland demnächst in der Regierungsverantwortung ist.
Ja, ist es. Aber wenn wir in zehn Jahren zurückblicken, wollen wir dann sagen: Wir konnten uns 2026 nicht um die riesige Transformation durch Künstliche Intelligenz kümmern, weil wir uns auf eine Landtagswahl fokussieren mussten. Würden unsere Kinder dann zustimmen und sagen: Klar, verstehe ich, da war KI halt mal egal. Ich bin überzeugt: KI ist so transformativ wie die industrielle Revolution. Und da wartet keiner auf uns.
Was muss jetzt konkret gemacht werden, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt?
Zusätzlich zum Fokus auf industrielle KI sind die drei jetzt anstehenden großen Herausforderungen Bürokratieabbau, Rentenreform und Arbeitsmarktflexibilität. Das konkret umzusetzen, ist Aufgabe genug. Was letztes Jahr gemacht wurde, funktioniert – das sehen wir in den Zahlen. Jetzt muss die nächste Stufe zünden.
Sie tragen keine politische Verantwortung. Da lässt es sich leicht reden. Was ist denn Ihr Anteil als CEO eines großen Unternehmens an dieser Transformation?
Als Asset Manager sammeln wir Kapital ein, das helfen kann, die Transformation unseres Landes zu ermöglichen. Wir müssen das Kapital sinnvoll einsetzen. Da geht es um Infrastruktur, Wagniskapital, Immobilien, auch um Investitionen in Unternehmen, die nicht am Kapitalmarkt notiert sind.
Aber Sie sagen mir jetzt nicht, dass Sie Rendite aufgeben, um Deutschland besonders zu fördern.
Natürlich muss die Rendite stimmen. Wir sind die Treuhänder unserer Kunden. Aber wenn wir Kapital im Ausland einwerben, erklären wir, was hier gut läuft, was besser laufen könnte und wie man investieren kann. Da sehe ich uns durchaus in der Verantwortung. Ich bin etwa ein Viertel meiner Zeit im außereuropäischen Ausland. Wir begreifen uns als „Zugangstor nach Europa“. Wenn ein Staatsfonds aus Nahost oder ein japanischer Versicherungskonzern in Europa investieren möchte, möchten wir einer der Zugangskanäle sein.
Sie haben in Berlin in Ihrer Rede gesagt: „Deutschland muss antreten, um zu gewinnen.“ Das wirkt ein bisschen großspurig.
Was wäre denn die Alternative? Mittelmaß ist okay? Alles andere, als zu sagen, wir müssen das Potential, das wir in Deutschland haben, maximieren, wäre verantwortungslos.
Lassen Sie uns noch einen Blick auf die Märkte werfen. Da gibt es durchaus wechselhafte Stimmungen wegen der hohen KI-Bewertungen und zahlreicher Crash-Senarien.
Viele versuchen, einen Vergleich mit der Finanzkrise zu ziehen. Aber die Situation ist heute eine andere. Ein Problem vor der Finanzkrise war die sehr hohe Verschuldung im Privatsektor, die haben wir heute nicht. Auch die Banken sind heute deutlich stabiler.
Aber die Staatsverschuldungen sind ein Problem.
Staaten sind zu stark verschuldet, das ist ein großes Thema und aus unserer Sicht ein mittel- bis langfristiges Problem. Aber wir sehen nicht, dass die USA aktuell Zahlungsprobleme haben, dafür ist das Wachstum zu solide.
Und die KI-Unternehmen?
Es ist schwer vorstellbar, dass alle in dieser KI-Wertschöpfungskette gewinnen können. Auf Sicht von zwölf Monaten wird sich das differenzieren, und man wird Gewinner und Verlierer sehen. Das kann zu größeren Verlusten bei einzelnen Unternehmen führen.
Das ist aber ein nicht so großartiges Szenario.
Natürlich ist es vorstellbar, dass der Aktienmarkt auch mal wieder um zehn Prozent fällt. Die Top-Unternehmen haben alle mittlerweile Billionenbewertungen, Kursschwankungen haben also auch entsprechende Auswirkungen. Das wird aber nicht zu einer Vertrauenskrise im Markt führen. In der Finanzkrise haben sich Banken untereinander kein Geld mehr geliehen. Das war etwas ganz anderes.
Wie sollten wir mit Künstlicher Intelligenz umgehen?
Aktuell liegt global der Fokus auf der KI-Industrie selbst. Da geht es vor allem um Hardware, Software, Halbleiter. Gerade in Deutschland sollten wir uns aber viel mehr auf die Anwendung fokussieren: Wie wird das in einzelne Industrien und Unternehmen angewendet, wie nutzen wir den Vorteil tiefer Fertigungskenntnisse und Produktionsdaten? Darauf sollten wir uns konzentrieren. Stattdessen überlegen wir leider eher, was alles schiefgehen könnte.
Das ist ja auch nicht trivial.
Ist es nicht, aber in zehn Jahren sagt uns vielleicht jemand, was wirklich schiefgegangen ist: Ihr wart zu langsam, ihr habt so auf die kurzfristigen Risiken geschaut, dass ihr das langfristige Risiko – nicht dabei zu sein – nicht gesehen habt. Vielleicht hat vor 225 Jahren in China auch jemand gesagt: Diese Dampfmaschinen sind total gefährlich, die können explodieren, das lassen wir lieber bleiben. Das war kurzfristig vielleicht sicherer, aber langfristig eben nicht wettbewerbsfähig. Und das ist keine gute Option.
AI outlook — possibilities, not facts
Deutschland wird sich auf die Anwendung von KI in Industrie und Unternehmen konzentrieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Likely · Within years
Die Reformen in den Bereichen Bürokratieabbau, Rente und Arbeitsmarkt werden schrittweise umgesetzt werden, trotz politischer Diskussionen.
Possible · Within years
Die Initiative Energiespeicher-Initiative Ines fordert Abschaffung der Konvertierungsumlage und Netzentgelte sowie staatliche Kreditvergünstigungen, um die Gasspeicher in Deutschland über den aktuellen Füllstand von 53 Prozent zu erhöhen und die Versorgungssicherheit im Winter zu gewährleisten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt staatliche Eingriffe ab und verweist auf LNG-Importkapazitäten.

Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente zum 31. Dezember dieses Jahres und ermöglicht ab Januar 2027 auch Selbstständigen und Beamten staatliche Förderung sowie steuerliche Vorteile, insbesondere für höhere Einzahlungen.

Der DAX wird vor Handelsstart leicht höher erwartet, nachdem er zuvor Verluste verzeichnet hatte. Belastet von Ölpreisen und Zinsangsten suchen Anleger Orientierung, während positive US-Vorgaben und starke KI-Prognosen von Broadcom stützen.
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie verzeichnete im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 7,3 Prozent infolge des Nahostkonflikts. Der VCI warnt jedoch vor einer anhaltend schwachen Auslastung und sieht keine fundamentale Trendwende.

Der Vorstand von Europas größtem Autobauer Volkswagen ist gespalten. CEO Oliver Blume plant, seinen Sanierungsplan bei einer außerordentlichen Hauptversammlung durchzusetzen, falls der Aufsichtsrat ihn ablehnt. Die Familien Porsche und Piëch sowie Qatar Holding halten zusammen 70,3 Prozent der Anteile, während die Arbeitnehmer eine Sperrminorität des Landes Niedersachsen verteidigen und bis vor den Bundesgerichtshof gehen wollen.
Die Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla in Rendsburg öffnet zum 76. Mal mit Schwerpunkt auf Landtechnik. Schleswig-Holstein bleibt agrarisch geprägt, wobei der Strukturwandel zu weniger, aber größeren Betrieben führt. Milch bleibt das wichtigste Standbein, während Tierbestände insgesamt sinken, aber pro Betrieb steigen.