Breaking
TRConflicts escalated again in Yemen: Tension rose between the Houthis and the Saudi Arabia-backed governmentRUIn Taganrog, a store building caught fire due to falling UAV debrisRUUkrainian drones attacked the Rostov region, more than 70 UAVs were destroyedRUThe CIA declassified documents on two years of planning for the September 11 attacksTRHouthis in Yemen Established Control of the Red Sea, Security of the Bab al-Mandab Strait is Under ThreatTR27 People Detained in Operation Against C31K Criminal Organization in TurkeyDEZverev dreams of the US Open title – final against SheltonDEGermany's basketball players surprise in the World Cup semi-final against FranceCNThere were 7 "Wang X Ling" winners in the Quanlian lottery. Netizens questioned the fairness. Quanlian responded that the system's random draw confirmed that it was correct.CNA cluster of diarrhea at Chengyuan High School in Taipei City spread to Dali High School. Councilor Wu Xindai criticized the Chiang City government for its serious negligence when it should have paid attention but failed to do so.TRConflicts escalated again in Yemen: Tension rose between the Houthis and the Saudi Arabia-backed governmentRUIn Taganrog, a store building caught fire due to falling UAV debrisRUUkrainian drones attacked the Rostov region, more than 70 UAVs were destroyedRUThe CIA declassified documents on two years of planning for the September 11 attacksTRHouthis in Yemen Established Control of the Red Sea, Security of the Bab al-Mandab Strait is Under ThreatTR27 People Detained in Operation Against C31K Criminal Organization in TurkeyDEZverev dreams of the US Open title – final against SheltonDEGermany's basketball players surprise in the World Cup semi-final against FranceCNThere were 7 "Wang X Ling" winners in the Quanlian lottery. Netizens questioned the fairness. Quanlian responded that the system's random draw confirmed that it was correct.CNA cluster of diarrhea at Chengyuan High School in Taipei City spread to Dali High School. Councilor Wu Xindai criticized the Chiang City government for its serious negligence when it should have paid attention but failed to do so.
BackJames Hawes über die AfD, die Elbe als Bruchlinie und das koloniale Denken im Osten Deutschlands
James Hawes über die AfD, die Elbe als Bruchlinie und das koloniale Denken im Osten Deutschlands
Developing
Die Zeit19 minutes agoPolitics3 min readGermanyView translation

James Hawes über die AfD, die Elbe als Bruchlinie und das koloniale Denken im Osten Deutschlands

Quick Look

Der Historiker James Hawes erklärt den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt als Folge eines langen kulturellen Trennungsprozesses zwischen Ost- und Westdeutschland, der bis zur Christianisierung der Slawen zurückreicht und das Denken der Deutschen als koloniales Volk im Osten prägt.

AI-generated summary

Why It Matters

James Hawes ist ein britischer Historiker, der Germanistik in Oxford studierte und mit seinem Buch »Die kürzeste Geschichte Deutschlands« einen Bestseller erzielte. In diesem Werk vertritt er die These, dass der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland tief in der Geschichte verwurzelt ist, zurückgehend auf die Christianisierung der Slawen und die preußische Ostexpansion.

Font size

Dieser Artikel stammt aus unserem Ressort X.

Mit seinem Buch »Die kürzeste Geschichte Deutschlands« landete James Hawes vor knapp zehn Jahren einen Bestseller. Hawes, der in Oxford Germanistik studierte, versucht darin, 2.000 Jahre deutsche Geschichte auf nicht einmal 300 Seiten zu erzählen. Er bediente sich dazu eines klassischen Stilmittels populärhistorischer Werke: der zugespitzten These.

Laut Hawes durchzieht der fundamentale Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland die gesamte deutsche Geschichte. Für seine Argumentation wurde er auch kritisiert. Hawes warnte damals, wer die Unterschiedlichkeit der Kulturen nicht wahrnehmen wolle, werde den Aufstieg der Rechtspopulisten nicht stoppen können. Wie blickt er heute auf den Erfolg der AfD?

DIE ZEIT: Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand gewonnen. Was ist am Sonntag aus der Perspektive eines interessierten Engländers genau passiert?

James Hawes: Es ist passiert, was zu erwarten war. Auf Wahlkarten war schon bei der letzten Bundestagswahl der ganze Osten AfD‑blau. Wen das Ergebnis in Sachsen-Anhalt schockiert, der hat vorher den Kopf in den Sand gesteckt.

ZEIT: Trotzdem sind viele Menschen geschockt. Die haben also alle etwas verdrängt?

Hawes: Absolut. Deutschland steht vor einem riesigen Problem. Vielleicht muss man auf die Situation so blicken wie ein Therapeut. Jeder Therapeut weiß, dass es erst besser wird, wenn der Patient dazu bereit ist, die Wirklichkeit anzuerkennen. Die Wirklichkeit ist: Die Wiedervereinigung ist viel zu schnell und unbedacht geschehen. Ich dachte 1989, es würde Jahre dauern, bis Ost- und Westdeutschland zusammengefügt werden könnten. Aber Helmut Kohl wollte die Bundestagswahl 1990 gewinnen. Man hat nicht verinnerlicht, wie verschieden die Kulturen in West- und Ostdeutschland sind.

ZEIT: Die These Ihres Buches ist, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland viel länger bestehen, als wir glauben. Da geht es weniger um die Neunzigerjahre und die DDR. Es geht um Preußen. Es geht um die Christianisierung der Slawen durch die Germanen. Die Römer. Sie gehen wirklich sehr weit zurück.

Hawes: Meine These ist, sehr grob formuliert: Die Deutschen haben sich östlich der Elbe nie wirklich sicher und heimisch gefühlt und das prägt ihr Denken bis heute.

ZEIT: Sie beschreiben die Elbe als die große Bruchlinie Deutschlands. Was heißt das?

Hawes: 948 versuchten germanische Siedler, die Elbe nach Osten zu überqueren. Sie wurden von den Slawen zurückgeschlagen. Ernsthaft gelang die Überquerung der Elbe erst 1147, nach einem christlichen Kreuzzug gegen die heidnischen Slawen. Aber dieser »Drang nach Osten« war nie völlig erfolgreich. Es gab immer die Gefahr, dass sich die Eroberten eines Tages erheben würden. Das hat das Denken der Deutschen im Osten geprägt: das Denken in Wir-und Sie-Kategorien. Das Gefühl, dass man auf der Hut sein muss, vor »denen«. Westlich der Elbe waren die Deutschen immer zu Hause; östlich davon waren sie ein koloniales Volk.

ZEIT: Ein koloniales Volk?

Hawes: Ja, und zwar bis ins 20. Jahrhundert. Meine Frau ist Deutsche. Mein seliger Schwiegervater wurde in den Zwanzigerjahren in Ostpreußen geboren, in der Nähe von Königsberg. Er hat mir beschrieben, wie ihm als Kind das Reiten von einem russischen Pferdejungen beigebracht wurde, und wie seine Eltern mit ihren Pächtern Litauisch redeten. Das war eine Kolonie, in der eine deutsche Herrscherkaste über die Einheimischen herrschte. Diese Deutschen hatten über Generationen Angst vor ihnen, ob offen oder verdrängt. Ein typisches Gefühl in kolonialisierten Gebieten weltweit.

ZEIT: Herrscher, die Angst vor den Beherrschten haben, wo gibt es das noch?

Hawes: Unter Protestanten in Nordirland. Im Süden der USA, in den ehemaligen Sklavenhalterstaaten. Unter weißen Südafrikanern. Elon Musk unterstützt die AfD. Er hat seine Kindheit im Südafrika der Apartheid verbracht. Der weiße Südafrikaner, der weiße Südstaatenamerikaner und der deutsche Kolonist in Ostpreußen wusste immer, dass er in Gefahr war, angegriffen zu werden. Daraus entstand die große Furcht, dass eine ganze Kultur zerstört werden könnte. Man sieht das auch bei Björn Höcke.

ZEIT: Björn Höcke, der in Westdeutschland aufgewachsen ist?

Hawes: Höckes Großeltern sind im Zweiten Weltkrieg aus Königsberg geflohen. Er hat in einem Podcast davon erzählt, wie seine Familie ihre Heimat in Ostpreußen verloren hat. Und wie diese Erfahrung von einem »Auslöschungsschmerz« im Elternhaus immer wieder besprochen wurde. Und wie er deshalb jetzt Angst habe, seine Heimat noch einmal zu verlieren, weil die Deutschen zur Minderheit würden. Er hat Angst vor »denen«. Nur, dass »die« jetzt eben Muslime sind und nicht Polen oder Russen.

ZEIT: Sie gehen sehr weit zurück, um die Gegenwart zu erklären.

Hawes: Ich bin der festen Meinung, dass kulturelle Ansichten von Generation zu Generation tradiert werden, wie die Sprache oder die Mundart, unbewusst. Die Erfahrungen, die Björn Höckes Denken geprägt haben, stammen von seinen Großeltern. Ich vermute, er wird sie seinem Sohn weitergeben. Und in 50 Jahren wird Höckes Sohn das seinen Enkeln weitergeben. Ansichten, die aus dem Jahr 1945 stammen, landen im Jahr 2080. Das sind fast 150 Jahre. Geschichte wird von Familie zu Familie tradiert.

ZEIT: Sie haben in Ihrem Buch Preußen als das »Übel Deutschlands« beschrieben. Warum war Preußen so schlimm?

Hawes: Weil Preußen Deutschland erobert hat! Ich staune darüber, dass man das den Deutschen erklären muss! Als Engländer verstehe ich zwar, wie man die eigene Geschichte völlig missdeuten kann. Viele meiner Landsleute glauben etwa die Wahnsinnsidee, dass das britische Kolonialreich etwas Gutes für die Welt darstellte. Aber in Deutschland … Ich habe mal bei einem Vortrag in Berlin einen Studenten aus Frankfurt gefragt: »Wissen Sie wirklich nicht, dass Ihre Stadt 1866 von der preußischen Artillerie umzingelt worden ist und mit der völligen Vernichtung bedroht wurde, wenn sie nicht 25 Millionen Goldtaler binnen 24 Stunden herschafft?« Wenige Deutsche wissen das.

ZEIT: Sie sprechen vom Preußisch-Österreichischen Krieg 1866, den Preußen gewann. Einer der Einigungskriege, die zur Gründung des Kaiserreichs führten.

Hawes: Es war ein deutscher Krieg. Preußen gegen den Deutschen Bund unter österreichischer Führung. Sachsen, Baden, Hannover – alle deutschen Staaten waren dadurch auf österreichischer Seite. Die Bayern und Frankfurter kämpften noch drei Wochen nach der entscheidenden Niederlage in Königgrätz gegen Preußen. Das alles wurde von der preußischen Geschichtsschreibung vertilgt, die den Deutschen generationenlang eingebläut wurde. Dass durch Preußen die »natürliche« Einigung Deutschlands stattgefunden hätte. Dass Preußen sogar die Wiege Deutschlands sei. Was völlig verrückt ist! Deutschland als Nationalstaat wurde erst 1871 von Preußen zusammengezwungen. Es ist kein organisches Gebilde.

ZEIT: Wo liegt denn Ihrer Meinung nach die Wiege Deutschlands?

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die AfD wird bei zukünftigen Wahlen in Ostdeutschland weiterhin starke Ergebnisse erzielen, solange das Gefühl kultureller Bedrohung besteht.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie lässt sich das koloniale Denken im Osten Deutschlands konkret überwinden?
  • Welche Rolle spielt die Bildung bei der Überwindung historischer Vorurteile?
  • Ist eine langfristige Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland realistisch?

Related Topics

This article was originally published by Die Zeit.

Related Stories

AfD politician Siegmund and the ideological language shift: From armaments to homophobic statements
Developing·

AfD politician Siegmund and the ideological language shift: From armaments to homophobic statements

The AfD politician Siegmund provokes with statements about armaments for remigration and deportations, while his faction makes homophobic and xenophobic statements. At the same time, research shows that famous passages on slavery in 'The History of Both Indias' probably did not come from Diderot, but from Jean de Pechméja, as stylistic analyzes and letters show.

Spiegel Deutschland
2 min read
Justice Minister Hubig warns against illegal instructions to officials in Saxony-Anhalt
Developing·

Justice Minister Hubig warns against illegal instructions to officials in Saxony-Anhalt

Federal Justice Minister Stefanie Hubig (SPD) calls on officials in Saxony-Anhalt to contradict illegal instructions from a possible AfD state government and emphasizes the independence of the judiciary and the federal government's ability to take action against legal violations by a state. At the same time, political campaigns, coalition prospects and social effects of the AfD election victory will be discussed.

Die Welt
3 min read
Billions of dollars have so far brought in hardly any votes for the SPD
Developing·

Billions of dollars have so far brought in hardly any votes for the SPD

The billion-dollar investment pact of the black-red coalition for infrastructure and defense, which Finance Minister Lars Klingbeil promotes as proof of the state's ability to act, has so far hardly brought any increase in votes for the SPD, as citizens perceive the funds as abstract and find it difficult to attribute them to federal policy, while local problems such as unpunctual trains or a lack of housing remain.

Die Zeit
1 min read
AfD calls for election observation before local elections in Lower Saxony
Developing·

AfD calls for election observation before local elections in Lower Saxony

The AfD Wesermarsch is calling for election observation in the local elections in Lower Saxony on social networks and recommends noting down the numbers announced orally by the returning officers and comparing them with the official results. The Elections Platform criticizes these calls as disinformation because they do not correspond to the principles of political neutrality and organizational independence and sow distrust in democratic institutions.

Die Zeit
1 min read
J.D. Vance celebrates at Republican convention, disrupts protester with Mexican and Palestinian flags
Developing·

J.D. Vance celebrates at Republican convention, disrupts protester with Mexican and Palestinian flags

The Republicans are threatened with losses in the congressional elections due to President Trump's declining popularity. At the party convention in Dallas, Vice President J.D. Vance celebrated after he asked a protester waving a Mexican and Palestinian flag to leave Mexico and offered him a plane ticket. Vance used the incident to rail against the "far left," while Trump ended his closing remarks by praising Vance and warning against "radical left" Democrats.

Die Welt
2 min read
Postal voting in Berlin: Deadlines and application options for the election on September 20th
Urgent·

Postal voting in Berlin: Deadlines and application options for the election on September 20th

In Berlin, postal voting for the election to the House of Representatives and the district council assemblies on September 20th is still possible, although applications can be submitted online or via QR code until Tuesday, September 15th. The documents must be received at the district election office by 6 p.m. on election Sunday at the latest, otherwise they will not be counted. According to state returning officer Stephan Bröchler, the proportion of postal voters is around 45 percent, compared to 44.5 percent in the 2023 election. Around 2.5 million Berliners are eligible to vote for the House of Representatives, 2.75 million for the district assemblies, as EU citizens without German citizenship are also allowed to vote.

Die Zeit
2 min read
More on this topicafd