Kommunalwahlen in Niedersachsen: CDU stärkste Kraft, AfD legt massiv zu
Die Kommunalwahlen in Niedersachsen gelten als Stimmungstest für die Landesregierung. Die CDU bleibt vorn, während die AfD starke Gewinne verzeichnet und die SPD Verluste hinnehmen muss.
Quick Look
- Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen bleibt die CDU trotz Verlusten stärkste Kraft vor der SPD.
- Die AfD verdreifacht ihr Ergebnis nahezu und wird drittstärkste Kraft, während in mehreren Städten Stichwahlen anstehen.
AI-generated summary
Why It Matters
Die Kommunalwahlen in Niedersachsen fanden als wichtiger Stimmungstest für die Landesregierung statt.
Die Kommunalwahlen in Niedersachsen gelten ein Jahr vor den Landtagswahlen im September 2027 als wichtiger Stimmungstest für die rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte waren dazu aufgerufen, über fast 2200 Kommunalparlamente und die Direktwahl von rund 400 Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern abzustimmen.
Im Gesamtergebnis blieb die CDU mit 27,2 Prozent landesweit stärkste Kraft, verlor gegenüber 2021 jedoch 4,5 Prozentpunkte. Die SPD kam auf 24,6 Prozent und büßte 5,4 Punkte ein. Größter Gewinner war, wie im Bundestrend, die AfD, die ihr Ergebnis von 4,6 auf 15,9 Prozent mehr als verdreifachte und damit erstmals zur drittstärksten Kraft auf Kreisebene aufstieg. Die Grünen kamen nach einem Minus von 1,8 Punkten bei den Kreiswahlen auf 14,1 Prozent.
Hannover: Grüne in der Stadt stark, in der Region legt die AfD zu
Die Ergebnisse in Hannover spiegeln die Entwicklung wider, die sich auch landesweit abzeichnet: Während die Grünen insbesondere in der Stadt stark blieben, konnte die AfD sowohl in der Region Hannover als auch in Niedersachsen insgesamt deutlich an Rückhalt gewinnen.
So erreichte Oberbürgermeister Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen) zwar 45,6 Prozent der Stimmen, verpasste jedoch die direkte Wiederwahl und muss nun gegen SPD-Kandidat Axel von der Ohe (21,5 Prozent) in die Stichwahl.
Bei der Wahl zur Regionsversammlung steigerte sich dagegen die AfD von 5,1 Prozent im Jahr 2021 auf 14,4 Prozent und gewann damit mehr als neun Prozentpunkte hinzu. Die Zahl ihrer Mandate verdreifachte sich von vier auf zwölf Sitze. Trotz der Zugewinne blieb die AfD allerdings hinter SPD (24,2 Prozent), CDU (20,7 Prozent) und Grünen (20,5 Prozent) nur viertstärkste Kraft.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Gemeindewahlen in der Region Hannover. Dort erreichte die AfD 13,8 Prozent der Stimmen, nach 4,4 Prozent bei der Kommunalwahl 2021. Gleichzeitig verloren die beiden Volksparteien deutlich an Zustimmung: Die SPD fiel von 30,8 auf 26,0 Prozent, die CDU von 26,9 auf 21,5 Prozent. Die Grünen behaupteten dagegen mit 20,2 Prozent ihre starke Stellung im Großraum Hannover.
Göttingen: SPD verliert nach drei Amtszeiten Stadtspitze
Für eine der größten politischen Überraschungen der Kommunalwahl sorgte Göttingen. Die SPD, die zuletzt drei Oberbürgermeister in Folge gestellt hatte, verpasste erstmals seit rund 20 Jahren den Einzug in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Ihr Kandidat Florian Dinger landete mit rund 21,6 Prozent nur auf dem dritten Platz. Damit steht bereits fest, dass die Stadt künftig entweder von einer Grünen-Politikerin oder einem CDU-Politiker geführt wird.
Stattdessen treffen in der Universitätsstadt am 27. September die Grünen-Kandidatin Onyeka Oshionwu und der CDU-Bewerber Ehsan Kangarani aufeinander. Die 33-jährige Oshionwu ist derzeit ehrenamtliche Bürgermeisterin und Ratsmitglied der Stadt und erreichte im ersten Wahlgang 41,44 Prozent. Kangarani, der als Staatsanwalt arbeitet, kam auf 27,86 Prozent.
Auch bei der Stadtratswahl in Göttingen behaupteten die Grünen trotz Verlusten ihre Spitzenposition. Sie erreichten 28,6 Prozent und lagen damit vor der CDU mit 21,6 Prozent. Die SPD fiel um 5,8 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent und wurde nur noch drittstärkste Kraft.
Eschershausen: FDP gewinnt gegen den Landestrend
Während die FDP landesweit zu den größten Verlierern der Kommunalwahl gehörte und bei den Kreiswahlen von 6,5 auf 3,7 Prozent abstürzte, gelang den Liberalen in Eschershausen ein außergewöhnlicher Erfolg: Die FDP wurde dort mit 28,8 Prozent erneut stärkste Kraft im Stadtrat und verwies AfD (19,0 Prozent) und SPD (17,8 Prozent) auf die Plätze.
Einer der prägenden Köpfe der FDP vor Ort ist der frühere Landtagsabgeordnete Hermann Grupe, der seit Jahren zu den bekanntesten liberalen Kommunalpolitikern der Region zählt.
Salzgitter, Munster, Delmenhorst: die AfD-Hochburgen
Seit Februar wird die AfD in Niedersachsen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Mehrere ihrer Bürgermeister- und Landratskandidaten wurden deshalb wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht zugelassen. Dennoch konnte die Partei Erfolge feiern.
In Salzgitter zog die AfD bei der Stadtratswahl mit 27,4 Prozent (+16,9) an SPD (25,8 Prozent) und CDU (23,23 Prozent) vorbei. Zudem erreichte die AfD-Kandidatin Patricia Mair bei der Oberbürgermeisterwahl 25,67 Prozent und geht damit in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Frank Klingebiel (CDU). Dabei war die AfD erst bei der Kommunalwahl 2021 in den Stadtrat gewählt worden. Damals holte sie fünf Sitze. Nach dem vorläufigen Ergebnis erhält die AfD zwölf Mandate, ebenso viele wie die SPD; die CDU kommt auf elf.
Salzgitter stand bereits in der Vergangenheit häufiger im Fokus migrationspolitischer Debatten. So erwirkte die Stadt 2017 als erste Kommune in Niedersachsen eine zeitweise Beschränkung der Zuweisung anerkannter Flüchtlinge. Ende 2025 sorgte zudem ein Beschluss des Stadtrats, eine Arbeitspflicht für Asylsuchende prüfen zu lassen, für bundesweite Aufmerksamkeit.
Bemerkenswert für die AfD fiel auch das Ergebnis in Munster (Kreisverband Heidekreis) aus: Ihr Kandidat, der Soldat Christoph Weynand, kam auf 20,7 Prozent der Stimmen und lag damit vor dem SPD‑Bewerber, dem Gastronom Marco Tews. Die parteilose Kandidatin Anna Adamczak verpasste mit 48,1 Prozent die absolute Mehrheit und muss nun in die Stichwahl.
Bei der Stadtratswahl in Delmenhorst kam die AfD auf 23,4 Prozent und lag damit nur knapp hinter der SPD auf dem zweiten Rang. Bei der Kreistagswahl im Landkreis Gifhorn erzielte die AfD am Sonntag 20,7 Prozent und wurde drittstärkste Kraft hinter SPD und CDU. Im Landkreis Cloppenburg wurde sie mit 20,4 Prozent bei der Wahl zum Kreistag zweitstärkste Kraft hinter der CDU und klar vor der SPD.
Stade: AfD legt zwar zu, CDU aber stabil
Besonders im Fokus liegt auch Stade, wo Ende Juni sechs Menschen von einem ausreisepflichtigen türkischen Staatsangehörigen in einer Mutter-Kind-Einrichtung getötet wurden. Der Fall löste eine große Debatte über Migration und Abschiebungen aus.
Bei der Kreistagswahl im Landkreis Stade konnte die AfD ihren Anteil nahezu vervierfachen und erreichte 18,27 Prozent. Gegenüber der Kommunalwahl 2021 legte die Partei um 13,58 Prozentpunkte zu und rückte auf den dritten Platz vor. Trotz Verlusten blieb die CDU mit 28,67 Prozent stärkste Kraft im Kreistag, büßte jedoch 4,36 Prozentpunkte ein. Die SPD verlor 5,73 Prozentpunkte und kam nur noch auf 19,49 Prozent. Auch die Grünen gaben nach und erreichten 11,19 Prozent. Die AfD verfügt künftig über elf der 62 Sitze im Stader Kreistag und liegt damit nur noch einen Sitz hinter der SPD mit zwölf Mandaten. Die CDU kommt auf 18 Sitze. Die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung von 65,26 Prozent nach 57,06 Prozent im Jahr 2021 unterstreicht das hohe politische Interesse an dieser Wahl.
Offen ist zudem noch die Wahl des Bürgermeisters in Stade. Für das Rathaus der Kreisstadt kommt es am 27. September zu einer Stichwahl zwischen Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU).
Wolfsburg: Größter Erfolg für die CDU
In Wolfsburg setzte sich Oberbürgermeister Dennis Weilmann mit 50,1 Prozent bereits im ersten Wahlgang durch. Damit konnte er sein Amt ohne Stichwahl verteidigen.
SPD-Kandidat Karsten Schneider kam auf 15,5 Prozent, AfD-Bewerber Thomas Schick auf 14,1 Prozent. Während in vielen Großstädten noch Stichwahlen nötig werden, fiel die Entscheidung in Wolfsburg damit bereits am Wahlabend. Gleichzeitig legte die AfD bei den Kreiswahlen auch in Wolfsburg deutlich zu und gewann gegenüber 2021 rund 17.400 Stimmen hinzu.
Bentheim: „Lehrer Schmidt“ geht in die Stichwahl
Zu den überraschendsten Ergebnissen der Landratswahlen zählt die Grafschaft Bentheim. Dort setzte sich der parteilose Oberschulrektor und Mathe-Influencer Kai Schmidt „Lehrerschmidt“ im ersten Wahlgang knapp an die Spitze und erreichte 33,88 Prozent der Stimmen.
Er lag damit nur hauchdünn vor der SPD-Kandidatin Silvia Pünt-Kohoff, einer leitenden Regierungsschuldirektorin, die auf 33,65 Prozent kam. CDU-Bewerberin Anja Terhorst, bislang Finanzdirektorin der Stadt Papenburg, erreichte 32,48 Prozent und schied damit aus dem Rennen aus. Weil keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielte, kommt es am 27. September zur Stichwahl.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Stichwahlen in verschiedenen niedersächsischen Städten
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wer gewinnt die anstehenden Stichwahlen am 27. September?

