1,788 Millionen Wahlberechtigte stimmen über den neuen Landtag ab. Beobachter blicken mit besonderer Aufmerksamkeit auf die AfD.
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In Sachsen-Anhalt findet eine Landtagswahl statt, bei der 1,788 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen sind.
1.788.930 Sachsen-Anhalter sind am 6. September aufgerufen, über die künftige Zusammensetzung des Landtags abzustimmen.
Die Wahl wird mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet, weil mit der AfD erstmals eine Partei an der Regierungsbildung beteiligt sein könnte, die vom Verfassungsschutz als »gesichert rechtsextrem« eingestuft wird. Sie könnte sogar die absolute Mehrheit holen.
Deutlich höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren
Vier Stunden nach Öffnung der Wahllokale in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine rege Beteiligung ab. Nach Angabe der Landeswahlleiterin hatten um 12 Uhr 34,7 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen abgegeben. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2021 waren es 22,4 Prozent, also rund 12 Prozent weniger.
Bisher sei die Wahl ruhig und ohne längere Wartezeiten abgelaufen, hieß es in der Pressemitteilung. Die rund 2.130 Wahllokale in Sachsen-Anhalt sind noch bis 18 Uhr geöffnet.
Wie die Stimmung ist? »Angespannt«, sagen die Magdeburger
Im Magdeburger Viertel Stadtfeld hängen vereinzelt Fahnen der AfD an den Balkonen wie vor einem wichtigen Fußballspiel. Fragt man Passanten, wie die Stimmung in der Stadt ist, sagen viele dasselbe Wort: »angespannt«.
Zumindest hier in der Gegend ist vor allem die Sorge zu hören, AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte tatsächlich die nächste Landesregierung anführen. An Straßenecken ist »Antifa Area« gesprüht. »Hier ist jetzt jeder links oder eben rechts«, es gebe nichts mehr dazwischen, sagen die Studentin Lena Einenkel und ihr Kommilitone Eduard Schönknecht.
Sie kommen gerade von einem Rave gegen die AfD, waren auch am Samstag bei einer Demonstration dabei. Einenkel sagt, die Spaltung gehe auch mitten durch Freundes- und Bekanntenkreise. »Immerhin kann man noch miteinander reden. Auch wenn man manchmal festlegen muss: Wir sprechen nicht über Politik.« Sie hat bereits per Briefwahl gewählt und will jetzt erst einmal ausschlafen.
AfD-nahe Wahlbeobachter kündigen sich an
In einem Wahllokal in einer Grundschule in Magdeburg-Stadtfeld sei diesen Vormittag gefühlt mehr los als in den letzten Jahren, sagt die Wahlhelferin Sarah Thäger. Es hätten sich heute mehrere Menschen zur Wahlauszählung angekündigt. Ungewöhnlich viele, sagt Thäger.
Da in Deutschland offen ausgezählt wird, kann jeder kommen, auch ohne sich anzumelden, solange man nicht stört. Der AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat vor der Wahl seine Anhänger dazu aufgerufen, die Wahlauszählung zu beobachten. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt er in einem Video auf Social Media.
Der gesichtete rechtsextreme Verein „1 Prozent“ hat eine Karte erstellt, auf der man sich zur Wahlbeobachtung eintragen kann. Auch für Thägers Wahllokal hat sich jemand eingetragen. Thäger hat deshalb Freunde darum gebeten, für die Auszählung ab 18 Uhr vorbeizukommen. „Für den emotionalen Support.“
»Magdeburg ist meine Heimat«
In Magdeburg-Stadtfeld hat Franka Berger gerade ihre Stimme abgegeben. Die 46-Jährige ist in Magdeburg aufgewachsen und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Sie gehe gern zum Wahllokal, das sei für sie ein demokratischer Akt. »Hier merke ich, dass ich mitentscheiden kann«, sagt sie. Am Wahllokal macht sie ein Foto. Sie will es auf Instagram posten, um andere zu motivieren, noch wählen zu gehen.
Berger macht sich Sorgen um ihre Zukunft in Magdeburg. »Magdeburg ist meine Heimat, und das will ich mir auch nicht nehmen lassen«, sagt sie. Auch wenn sie hier stark verwurzelt ist, würde sie überlegen wegzuziehen, wenn ihre Kinder sich hier nicht mehr sicher fühlen würden. Als Alleinerziehende entspreche sie auch nicht dem Familienbild der AfD. »Das macht mich wütend. Wer hat das Recht zu behaupten, meine Kinder und ich seien keine Familie?«
Was sie noch beschäftigt: Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt regieren, ist auch ihre Arbeit gefährdet. Berger arbeitet in der Beratung für Suchterkrankte. »Hier fällt die Finanzierung als Erstes weg«, sagt sie. Und: Die Politik der AfD würde auch dafür sorgen, dass sich Menschen mit Suchterkrankungen eher diskriminierten fühlten – und seltener Hilfe suchten.
CDU-Amtsinhaber Sven Schulze hat in Magdeburg gewählt
Der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, hat in Magdeburg seine Stimme abgegeben. Gemeinsam mit seiner Frau Kati warf er den Wahlzettel ein. Die Zeit des Wahlkampfs sei eine anstrengende Zeit gewesen, sagte der CDU-Spitzenkandidat. Er hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung.
Siegmund will keine programmatischen Kompromisse machen
Begleitet von »Uli, Uli«-Rufen seiner Anhänger kam Ulrich Siegmund gegen 10.15 Uhr auf seiner blauen Simson in Tangermünde angetuckert und begrüßte seine Anhänger. Beim Selfie-Machen vergewisserte er sich: »Sitzt meine Frise?« Später sagte er der ZEIT, sollte er die absolute Mehrheit verfehlen, werde er die Entwicklungen in der CDU »genau beobachten« – er könne sich vorstellen, dass einzelne Abgeordnete eine AfD-geführte Regierung unterstützen. Er sei Demokrat, werde aber keine programmatischen Kompromisse machen, um regieren zu können.
AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat seine Stimme abgegeben
Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, hat gewählt. In seiner Heimat Tangermünde fuhr der 35-Jährige, begleitet von seiner Frau Julia, auf einer blauen Simson vor.
Die AfD versucht, die Marke für Wahlkampfzwecke zu nutzen. Siegmund hatte im Juli für Aufsehen gesorgt, als er eine Moped-Ausfahrt mit etwa 1.500 Teilnehmern in Quedlinburg organisiert hatte. Die in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson, wie Schwalbe oder S50/51, erleben seit einiger Zeit ein Revival und werden gerade bei Jugendlichen mit einem ostdeutschen Lebensgefühl verbunden. Simson-Treffen waren jedoch in der Vergangenheit von rechtsextremistischen Ausfällen überschattet.
Das Werk, in dem in der DDR Mopeds der Marke Simson gebaut wurden, geht auf die jüdischen Brüder Simson zurück. Die Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen. Die Nachfahren zeigten sich schockiert darüber, dass ihr Name etwa auf T-Shirts oder Postern in Verbindung mit der AfD auftauche.
Anti-AfD-Pfarrer ruft zu Einheit auf
Der AfD-kritische evangelische Pfarrer Daniel Schilling-Schön betont am Wahltag in seiner Predigt in Roßbach bei Naumburg in Sachsen-Anhalt das Thema Einheit. »Das Gebot, Gott, unseren Nächsten und sogar unsere Feinde zu lieben, ist unumstößlich, denn es stammt von unserem Herrn und Erlöser«, sagte Schilling-Schön. »Es ist zugleich ein Aufruf, uns nicht von Menschen abzuwenden, die Parteien wählen, die wir nicht gutheißen.« Seit Jahrzehnten ist Schilling-Schön als evangelischer Pfarrer für mehrere Dörfer im Süden Sachsen-Anhalts tätig.
Schilling-Schön war auf einer Simson unterwegs, jenem Moped, das auch AfD-Anhänger bei einer Kundgebung im Juli gefahren hatten. Schilling-Schön hatte damals eine Gegendemonstration mitorganisiert.
Wann wissen wir mehr?
Um 12, 14 und 16 Uhr will die Landeswahlleitung die vorläufige Wahlbeteiligung erheben. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet. Anschließend beginnt die Auszählung. Mit ersten Zwischenergebnissen für die Wahlkreise wird ab 19 Uhr gerechnet. Das vorläufige amtliche Endergebnis soll in der Wahlnacht oder am frühen Montagmorgen vorliegen.
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Vorläufiges amtliches Endergebnis in der Wahlnacht oder am frühen Montagmorgen
Very likely · Within hours

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