
Nach dem Tod des 89-jährigen Monarchen folgt sein Sohn Haakon auf den Thron, während die Rolle von Königin Mette-Marit aufgrund privater Kontroversen kritisch betrachtet wird.
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Harald V. regierte Norwegen seit 1991 und war für seine Volksnähe bekannt. Die norwegische Monarchie steht aktuell durch private Skandale um Familienmitglieder unter öffentlichem Druck.
In Norwegen hat sich das Volk selbst einen König gegeben. 1905 war das, da stimmte eine große Mehrheit für die Monarchie. König Harald V., der Enkel des damals ernannten Königs, hat diese besondere Rolle des Volks-Monarchen gelebt. Unermüdlich reiste er durch das Land, kurvte durch die engen Fjorde, besuchte die entlegensten Gemeinden. Auch noch in seinen letzten Jahren, als der hochbetagte Mann gesundheitlich schon schwer angeschlagen war und die Ärzte ihn eigentlich gebeten hatten, kürzerzutreten.
„Alles für Norwegen“ war der Leitspruch, den er für sich gewählt hatte – und diesem folgte er. Die Menschen dort zu treffen, wo sie leben, und die lokalen Gemeinschaften kennenzulernen, sei das Wichtigste überhaupt, sagte König Harald V. einmal. Die Unterstützung der Leute gebe ihm Energie. Sein Volk wiederum erlebte einen zugänglichen, humorvollen, unprätentiösen und warmherzigen Monarchen. Und verneigt sich nun vor diesem.
Hunderte versammelten sich am Freitag vor dem Schloss in Oslo, dessen Flagge auf halbmast wehte. Mit tiefer Trauer gebe man bekannt, dass König Harald V. am frühen Freitagmorgen friedlich eingeschlafen sei, teilte das Königshaus mit. Er wurde 89 Jahre alt.
Zwischen 12 und 13 Uhr läuteten eine Stunde lang im gesamten Land die Kirchenglocken. Bis zur Beisetzung, deren Termin zunächst noch nicht feststand, vereinbarten die Parteien im Storting, auf jegliche politische Aktivitäten zu verzichten. „Eine ganze Nation trauert und ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben, das er Norwegen gewidmet hat“, sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre. Parlamentspräsident Masud Gharahkhani teilte mit: „Wir haben unseren geliebten König verloren, und die ganze Nation ist in Trauer.“
Mit dem Tod von Harald V. wurde sein Sohn Haakon König. Als offiziellen Namen wählte er Haakon VIII., wie die Regierung am Freitagmittag mitteilte. Und er behielt den Leitspruch seines Vaters, den auch sein Großvater und sein Urgroßvater bereits gewählt hatten. Eine Krönung gibt es im Land nicht. Der König muss im Storting einen Eid ablegen, wird traditionsgemäß in einer Kirche gesegnet. Der Termin ist für kommenden Dienstag angesetzt.
Haakon hatte in den vergangenen Jahren schon vermehrt Aufgaben seines Vaters übernommen. Einst hatte er mit seiner Rolle gehadert, tat sich schwer damit, zu sagen, er sei ein Prinz. „Als ich jünger war, wollte ich mich anpassen. Ich wollte so sein wie alle anderen“, sagte er dazu einmal der F.A.Z. Das Interview gab er in einem Zug auf der Fahrt quer durch Deutschland und zeigte sich dabei so, wie ihn die Norweger gerne sehen: bescheiden und nahbar, ganz wie sein Vater. Dass er die Rolle des Königs mit Würde annehmen kann, daran gibt es im Land keinen Zweifel.
Am Freitag wurde auch bekannt, dass seine Ehefrau Mette-Marit nun Königin ist. Erst im Juni hat sie bei einer Operation eine neue Lunge erhalten. Im Land gibt es aber große Vorbehalte, ob sie für die Rolle geeignet ist. Mit ihrem Namen ist mittlerweile ein Schatten verbunden, der sich zuletzt auf die Monarchie in Norwegen gelegt und dazu beigetragen hat, dass die einst so hohen Zustimmungswerte zum Königshaus gefallen sind.
Verantwortlich dafür ist zum einen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby. Der wurde im Juni zu vier Jahren Haft verurteilt. Unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen, wegen Drogenbesitzes und schwerer Körperverletzung. Der Prozess offenbarte Abgründe.
Høiby war aus einer früheren Verbindung Mette-Marits hervorgegangen; formell ist er nicht Teil der Königsfamilie. Trotzdem ist er aufs Engste mit dieser verbunden. Eine der Vergewaltigungen geschah dem Gericht zufolge in der Residenz des Kronprinzenpaares in Skaugum.
Hauptverantwortlich für den Schatten, der sich zuletzt auf die Monarchie legte, ist aber vor allem Mette-Marit selbst. Dutzende E-Mails zeigen, dass sie mit dem amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eng verbunden war. Sie tauschte sich mit ihm über die Eignung von Skandinavierinnen als „Frauenmaterial“ aus, machte offenbar Anspielungen auf seine Vorliebe für Minderjährige. Zudem besuchte sie seine Villa in Florida, nannte ihn ihren „verrückten Freund“.
Lange schwieg Mette-Marit dazu; dann gab sie an, Epsteins Hintergrund nicht geprüft, nicht gekannt zu haben. Aber daran gibt es weiterhin Zweifel. Rund drei Jahre bevor sie ihn kennengelernt hatte, war er zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er sexuelle Dienstleistungen von Minderjährigen gekauft hatte. Auch danach soll er über Jahre Minderjährige missbraucht haben.
Deshalb herrscht in Norwegen Skepsis, ob sich Mette-Marit jemals glaubwürdig etwa für soziale und gemeinnützige Initiativen einsetzen kann, wie es im Lande eigentlich Brauch ist. Wie sie diese Rolle künftig ausfüllen will und wie König Haakon mit ihr gemeinsam auftreten wird bei derlei Anlässen, bleibt abzuwarten. Zum Staatsrat am Freitagmittag begleitete den neuen König erst einmal seine Tochter, Ingrid Alexandra.
Spannend dürfte auch werden, welche Rolle Haakon seiner Schwester, Prinzessin Märtha Louise, zugestehen wird. Diese sorgt immer wieder wegen ihres Hangs zur Esoterik sowie wegen ihrer Heirat mit dem selbst erklärten „Schamanen“ Durek Verrett für Aufsehen. Am Freitag schrieb Verrett in sozialen Netzwerken zu einem Bild des Königs: „love you dad I will miss all our fun times together“. Eine würdige Beileidsbekundung war das nicht.
Unter alldem dürfte König Harald V. mit Sicherheit gelitten haben, auch wenn er sich nie derart äußerte. Er selbst hatte das Königshaus für die Heirat einer Bürgerlichen geöffnet – worin ihm dann sein Sohn mit der Heirat von Mette-Marit gefolgt war.
1959 hatten sich der damalige Kronprinz Harald und Sonja Haraldsen, die spätere Königin, auf einer privaten Feier kennengelernt. Beide waren damals 22 Jahre alt. Ihre Beziehung hielten sie wegen ihrer bürgerlichen Herkunft neun Jahre lang geheim. Mehrmals trennte sich das Paar – und kam wieder zusammen. „Was da geschah, war ja scheinbar unmöglich“, sagte König Harald dazu später dem norwegischen Rundfunk. „Aber ich glaube, keiner von uns konnte wirklich etwas dagegen tun.“ Er habe sehr gemischte Gefühle gehabt, habe Sonja geliebt, aber ein schlechtes Gewissen gegenüber seinem Vater und Norwegen gehabt, sei geplagt gewesen von dem Gefühl, „etwas Falsches“ getan zu haben.
Sonja wurde mehrmals zusammen mit anderen Freunden in das Königshaus geladen. Als aber König Olav erfuhr, was los war, dass sein Sohn sich auf eine Bürgerliche eingelassen hatte, war es damit vorbei. Doch die beiden knüpften immer wieder aneinander an.
Im Königshaus und auch in den Medien, die nach und nach davon erfuhren, herrschte die Ansicht, dass eine Heirat mit einer Bürgerlichen das Ende der Monarchie bedeuten könnte. Irgendwann aber setzte Harald seinem Vater eine Art Ultimatum: Wenn er Sonja nicht heiraten könne, werde er unverheiratet bleiben, sagte er ihm – und der König gab zögernd nach.
Er beriet sich mit dem Ministerpräsidenten und den Fraktionsvorsitzenden und erlaubte seinem Sohn schließlich, sich mit seiner Freundin in der Öffentlichkeit zu zeigen und diese auch zu heiraten. Der Monarchie im Land tat er damit einen großen Gefallen.
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Vereidigung von König Haakon VIII. im Storting am kommenden Dienstag.
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