Operation Herakles: Behörden schalten Tausende Betrüger-Nummern ab
Deutsche und österreichische Behörden gehen massiv gegen Anlagebetrug vor. Im Fokus stehen gefälschte Handelsplattformen und organisierte Netzwerke.
Quick Look
- Deutsche und österreichische Behörden haben im Rahmen der „Operation Herakles“ fast 14.000 Rufnummern mutmaßlicher Anlagebetrüger gesperrt.
- Die Täter nutzen gefälschte Handelsplattformen für Cyber-Trading-Fraud.
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Why It Matters
Cyber-Trading-Fraud hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt. Täter locken Opfer über gefälschte Plattformen und soziale Medien an.
Deutsche und österreichische Behörden haben die technische Infrastruktur mutmaßlicher Anlagebetrüger in großem Umfang angegriffen. Innerhalb der vergangenen drei Monate seien im Rahmen der „Operation Herakles“ 9304 deutsche Rufnummern identifiziert und abgeschaltet worden, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, die Finanzaufsicht Bafin und die Bundesnetzagentur am Freitag mit.
Die Telefonnummern wurden nach bisherigen Erkenntnissen vor allem für „Cyber-Trading-Fraud“ eingesetzt. Behörden bezeichnen damit eine betrügerische Masche im Internet mit gefälschten Handelsplattformen. Diese Form des Online-Betrugs hat sich den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt – mit stetig steigenden Fallzahlen.
Gutgläubige Kundinnen und Kunden sollen dabei im Vertrauen auf eine lukrative Anlagemöglichkeit teils hohe Geldsummen auf betrügerischen Internetplattformen investieren. Tatsächlich werden die eingezahlten Geldbeträge nie an den Finanzmärkten investiert. Sie fließen direkt auf Auslandskonten oder in Krypto-Wallets der organisierten Kriminalität. Für Betroffene bedeutet das in der Regel einen Totalverlust ihrer Investments.
Seit dem Start der „Operation Herakles“ ließen die Behörden insgesamt 13.888 Rufnummern sperren. Darunter waren 13.397 deutsche und 491 österreichische Nummern. Die Ermittlungen richten sich gegen bislang unbekannte Täter. Sie stehen im Verdacht der „Verabredung zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug“. Angaben zu möglichen Festnahmen oder Durchsuchungen machten die Behörden nicht. Auch zur Zahl der Opfer und zur Schadenshöhe gab es keine Informationen.
Die aktuelle Aktion ist keine Premiere. Bereits im Juni und Oktober 2025 nahmen die Ermittler mehr als 2200 Domains vom Netz. Über diese Internetadressen waren mutmaßlich betrügerische Handelsplattformen erreichbar. Im Dezember gingen die Behörden gegen die telefonischen Kontaktwege der Täter vor: Sie ließen rund 3500 Rufnummern abschalten, über die mutmaßliche Betrüger ihre Opfer angerufen hatten.
Die abgeschalteten Rufnummern stünden für Tausende potenzielle Betrugsversuche, erklärte Generalstaatsanwalt Jürgen Gremmelmaier damals. Ziel der „Operation Herakles“ sei es, Deutschland für Tätergruppen, die moderne Telekommunikation nutzen, zu einem „ausgesprochen schwierigen Terrain“ zu machen.
Nun haben die Behörden ihr Vorgehen deutlich ausgeweitet. Neu ist vor allem die stärkere Einbindung der Bundesnetzagentur. Sie ging mit ihren gesetzlichen Aufsichtsbefugnissen gegen Telekommunikationsunternehmen vor, über deren Systeme die verdächtigen Nummern registriert worden waren.
Die Anbieter mussten Rufnummern abschalten und ihre Registrierungsverfahren ändern. Die Vorgaben reichen bis in den Vertrieb. Die Unternehmen seien verpflichtet worden, „die Compliance-Kontrollen ihrer Vertriebspartner und Händler zu verstärken“ und diese „einer eingehenderen Überprüfung zu unterziehen“.
Hinter den Anrufen stehen nach Erkenntnissen der Ermittler international organisierte und arbeitsteilig agierende Netzwerke. Das Vorgehen bezeichneten die Behörden als „Crime as a Service“, also kriminelle Dienstleistungen.
Neue Opfer suchen die Betrüger auch über soziale Netzwerke, gefälschte Nachrichtenseiten und Datingportale. In Werbeanzeigen verwenden sie teilweise Bilder oder Namen prominenter Personen, um angeblich lukrative Investitionen in Kryptowährungen zu bewerben. Interessenten sollen ihre Telefonnummer hinterlegen und werden danach von den falschen Anlageberatern angerufen.
Zunehmend werden auch WhatsApp- und Telegram-Gruppen genutzt: Täter locken ihre Opfer mit aggressiven Werbeanzeigen in Chatgruppen, wo fingierte Chatteilnehmer Erfolgsgeschichten platzieren, um die Geschädigten von angeblichen Investitionen zu überzeugen. „Tatsächlich werden die eingezahlten Gelder zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt“, warnen die Behörden.
Open Questions
- Wie hoch ist der genaue finanzielle Gesamtschaden?
- Gibt es im Rahmen der Operation Festnahmen?

