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Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp warnt vor AfD-Verbotsverfahren
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Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp warnt vor AfD-Verbotsverfahren

Der Hamburger Professor kritisiert die Idee eines Verbots als kontraproduktiv und plädiert stattdessen für eine inhaltliche Abgrenzung der anderen Parteien.

Quick Look

  • Der Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp warnt vor einem AfD-Verbotsverfahren, da dies Wähler ausschließe und die Partei stärke.
  • Er empfiehlt den Parteien stattdessen, eigene Visionen zu entwickeln, statt sich auf die AfD-Themen zu fokussieren.

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Why It Matters

Nach Wahlerfolgen der AfD in Sachsen-Anhalt wurde über ein mögliches Verbotsverfahren diskutiert. Parallel dazu finden in Deutschland regelmäßig Großdemonstrationen gegen Rechtsextremismus statt.

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Der Hamburger Politikwissenschaftler Kai-Uwe Schnapp hält die Idee eines AfD-Verbots für grundfalsch. „Ein Verbotsverfahren gegen die AfD wäre aus meiner Sicht ein großer Fehler“, sagte der Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg dem „Hamburger Abendblatt“. In einer Demokratie sei es nicht zu legitimieren, bundesweit mehr als einem Viertel der Wählerinnen und Wähler die von ihnen präferierte Wahlmöglichkeit wegzunehmen und sie so aus dem demokratischen Diskurs auszuschließen.

Ein Ausschluss von AfD-Wählerinnen und -Wählern stärke am Ende die AfD, warnte Schnapp. „Und ein Verbot schafft das rechte und teilweise extremistische Denken bei den Leuten ja auch überhaupt nicht ab. Es wird nur für eine Weile unsichtbarer“, sagte der Professor der Uni Hamburg. Aus seiner Sicht wäre es besser, die AfD einfach links liegenzulassen. „Wenn man mich fragt, würde ich den anderen Parteien raten: Redet nicht die ganze Zeit über die Themen der AfD und wenig über die Partei.“

Statt ständig über Migration zu sprechen, sollten die Parteien eigene Akzente setzen. „Erzählt eure Geschichte und Vision, und erzählt sie gut. Redet über das, was ihr umsetzen wollt, seid dabei ehrlich und macht es dann auch“, sagte Schnapp. Wichtig sei es auch, „dass die anderen Parteien in der Kritik aneinander maßvoll bleiben und nicht ständig mit überzogenen Attacken aufeinander losgehen“. Sonst entstehe der Eindruck, es sei alles schlecht in diesem Land. „Kritisiert Dinge, die kritikwürdig sind, versteckt nichts. Aber sagt auch mal, was gut läuft, damit es viele merken.“

Von Diskussionen um die Brandmauer hält Schnapp nichts. „Wenn ihr euch abgrenzen wollt, dann grenzt auch in euren politischen Inhalten ab“, sagte Schnapp. Man müsse nicht mit der Partei zusammenarbeiten, gar mit ihr koalieren. „Aber das dauernde Gerede von der Brandmauer schließt Leute aus, es schubst Leute, die sich der AfD verbunden fühlen, immer tiefer in eine grundlegende Systemopposition. Das sollte nicht das Ziel sein.“

Nach dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung eines möglichen Verbotsverfahrens angeregt. Zahlreiche Politiker wie der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), oder Hamburgs Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit unterstützen den Vorstoß, viele andere sind aber skeptisch.

Tausende Menschen sind unterdessen in Hamburg erneut gegen Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Unter dem Motto „Zeit zum Handeln - Freiheit muss verteidigt werden“ zogen nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern rund 25.000 Demonstranten durch die Innenstadt, um gegen Rechtsextremismus und eine Normalisierung rechtsextremer Parteien zu protestieren.

Als Rednerinnen traten unter anderem die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, Hamburgs DGB-Chefin Tanja Chawla und die stellvertretende Schura-Vorsitzende Özlem Nas auf. Ebenfalls auf der Bühne: der Sänger Axel Bosse. Er spielte gemeinsam mit dem Hamburger Kneipenchor live am Jungfernstieg in der Hamburger Innenstadt.

Veranstalter und Partner waren das Bündnis „Zusammen gegen Rechts Hamburg“, die Initiative „Prüf“, die Klimabewegung Fridays for Future Hamburg und zahlreiche weitere Organisationen. Das Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent sei zwar keine Überraschung gewesen, hieß es im Demonstrationsaufruf. Die internationalen Reaktionen zeigten jedoch, welche Rolle diese Wahl im Kontext der weltweit erstarkenden Rechten spiele.

Open Questions

  • Wie wird die Bund-Länder-Arbeitsgruppe das Verbotsverfahren bewerten?
  • Werden die Parteien ihre Kommunikationsstrategie anpassen?

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This article was originally published by Die Welt.

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