Sabotage an Stromnetzen und politische Spannungen in Deutschland
Quick Look
- In Deutschland werden Sabotageakte an Stromnetzen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen untersucht, wobei sowohl linksextremistische als auch fremdstaatlich gesteuerte Taten im Fokus stehen.
- Gleichzeitig wird über die wachsende AfD-Unterstützung im Osten und die politische Spaltung debattiert.
- Weitere Themen umfassen die Zurückhaltung Deutschlands bei der Kontrolle der russischen Schattenflotte, die Debatte um Transfrauen im US-Sport und kulturelle Ereignisse wie die Rückkehr eines Songs in die Charts und George Clooneys Ehrenpreis in Venedig.
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Why It Matters
Deutschland erlebt derzeit eine Reihe von Sabotageakten an kritischer Infrastruktur, insbesondere Stromnetzen, die sowohl linksextremistische als auch fremdstaatlich gesteuerte Taten umfassen könnten. Gleichzeitig wächst die politische Polarisierung, insbesondere zwischen Ost und West, mit steigender Unterstützung für die AfD im Osten.
»Es wird ermittelt« – inzwischen klingt das nach einer Zustandsbeschreibung für Deutschland. Wochenlang ging es um die vereitelten Anschläge in Leipzig, jetzt dreht sich alles um Fälle in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. In Jänschwalde sollten selbst gebaute Flugkörper ein Umspannwerk bei einem Kohlekraftwerk lahmlegen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Terrorverdachts. In Bergheim bei Köln lautet der Vorwurf »verfassungsfeindliche Sabotage«: Unbekannte brachten Kabel über eine Oberleitung und verursachten so einen Kurzschluss. Sechs Abschussvorrichtungen wurden gefunden. Ob die Fälle zusammenhängen, ist offen. Das mulmige Gefühl, das sie hinterlassen, ist dagegen ziemlich konkret. Denn es werden ungute Erinnerungen wach an den Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Winter – und die dramatischen Folgen. Mutmaßlich waren Linksextreme dafür verantwortlich. In Brandenburg heißt es allerdings, die Tatausführung unterscheide sich von bisherigen linksextremen Anschlägen auf die Stromversorgung. Ein Bekennerschreiben fehlt bislang. NRW-Innenminister Herbert Reul ermittelt deswegen in zwei Richtungen: »fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus«, und er hat heute sehr deutlich formuliert: »Das war kein kaputter Schalter, das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.« Es wird ermittelt in Deutschland.
Viel wird derzeit darüber gesprochen, warum immer mehr Menschen in Deutschland die AfD wählen – und was der Westen über den Osten denkt, sollte die Partei bei der Wahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Wochenende tatsächlich mehr als 40 Prozent erreichen. Wie aber geht es den Bürgerinnen und Bürgern dort, die keine extremistische Partei wählen? Fühlen sie sich gesehen?
Meine Kollegen haben mit ihnen gesprochen . Eine Lehrerin beschreibt ihren Trotz: »Einige Schüler tragen Lonsdale und andere Marken, die rechts codiert sind. Ich halte dagegen und trage bewusst und stolz unsere Nationalfarben, denn das sind die Farben unserer Demokratie.« Auf einem Bild ist sie in einer Trainingsjacke der deutschen Fußballnationalmannschaft zu sehen. Niemand lasse sich entmutigen, schreiben die Autoren. Zugleich ist die Sorge unübersehbar – etwa wenn die Lehrerin von der geplanten Prüfung der »charakterlichen und persönlichen Eignung« spricht.
Vor markigen Worten schreckt Bundeskanzler Friedrich Merz erfahrungsgemäß nicht zurück. Das hat er zuletzt auch wieder bewiesen, als es darum ging, Konsequenzen anzukündigen für den gescheiterten Drohnenanschlag von Leipzig. Was aber genau wagt Deutschland wirklich – und was ist sinnvoll? Paul-Anton Krüger hat recherchiert zur Frage, wie es denn jetzt um das Eindämmen der russischen Schattenflotte steht, einen zentralen und wohl den schwierigsten Punkt auf der Sanktionsliste. Paul schreibt, dass »Schweden schon regelmäßig Tanker kontrolliert, die in russischem Auftrag unterwegs sind«. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Schiffe die Küste des Landes deswegen mieden. Auch Frankreich habe Schiffe aufgebracht, ebenso Großbritannien. Deutschland aber ist zögerlich. Paul versucht, nachzuvollziehen, wie die Zurückhaltung zu erklären ist. Das Innenministerium sehe unter anderem ein Risiko für die Bundespolizisten darin, dass etliche Schiffe der Schattenflotte bewaffnete Söldner an Bord haben und teils auch von russischen Kriegsschiffen begleitet werden. Eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Russen und Deutschen? Das Zögern von Merz und seinen Ministern ist grundsätzlich verständlich. Doch schon im April hatte sich der Nationale Sicherheitsrat eigentlich darauf verständigt, stärker gegen die aus mehreren Tausend Schiffen bestehende Flotte vorzugehen, die unter Umgehung von Sanktionen Öl und Gas transportiert, mit denen Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. Und so könnten die Maßnahmen oder auch Nichtmaßnahmen gegen die Schattenflotte zur Achillesferse des Kanzlers werden. Hat man hier Erfolg, steigt der Respekt. Bleibt man tatenlos, wird die Reaktion auf die Anschläge verpuffen. Denn das Russische Haus in Berlin wie geplant zu schließen – das kann tatsächlich wohl jeder.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Legt Deutschland jetzt die russische Schattenflotte an die Kette?
Am Freitag beginnen in Berlin die Basketball-Weltmeisterschaften der Frauen. Eigentlich wäre das eine gute Gelegenheit, über den Sport zu sprechen. Im Stammland des Basketballs, den USA, aber dreht sich gerade alles um Sophie Cunningham, die es gar nicht in den Kader geschafft hat. Die Spielerin hat 4,1 Millionen Follower, gilt als »MAGA-Barbie« und warnt vor trans Frauen im Sport. Die MAGA-Bewegung feiert sie, weil sie den linken Basketballsport durcheinanderwirbelt.
Die Frage dahinter aber ist alles andere als belanglos: Wie lassen sich Frauenwettbewerbe im Leistungssport fair und geschützt organisieren? Die Debatte wird jedoch nicht nur in den USA fast ausschließlich zur Provokation benutzt. Jetzt auch von der anderen Seite. Jonas Kraus hat den Fall Enes Kanter Freedom recherchiert (hier mehr dazu ). Er nennt sich »Freedom«, weil er Erdoğan kritisierte und sich mit Chinas Führung angelegt hat. Nun aber will er sich als Frau identifizieren und in der WNBA spielen. Dass er nun von der MAGA-Ecke gefeiert wird – sogar von US-Vizepräsident JD Vance –, dürfte ihm nicht gefallen. Die Geschichte ist so absurd wie oft in der Welt der Klickmacht. Aber auch ein Lehrstück, dass man sich mit Kulturkampf als Geschäftsmodell auch die Finger verbrennen kann. Zumal bislang keine einzige trans Person in der US-Basketballliga gespielt hat.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Ich werde die beste WNBA-Spielerin sein, die die Welt je gesehen hat«
Blindflug in die Charts: Vor 21 Jahren hat Judith Holofernes, 49, den Song »Von hier an blind« mit ihrer Band Wir sind Helden veröffentlicht. Eine Durch-und-durch-Nullerjahre-Erfolgsgeschichte. Jetzt ist zwar nicht sie, aber ihr Song zurück in den Charts. Von keinerlei PR-Maschine angetrieben, hört man überall: »Ich weiß nicht, wo wir sind, ich weiß nicht weiter, von hier an blind«. Der Sängerin macht das angesichts des Inhalts keine Sorgen, sie findet das »beinahe magisch« .
Heute bin ich George Clooney auf dem Filmfestival in Venedig sehr nahe gekommen. Dort stellte er sich ausdauernd und freundlich den auffallend politischen Fragen. Schön und smart wie immer. Leider trennte uns der Bildschirm; ich folgte ihm nur im Livestream des Festivals, der frei zugänglich ist. Anders als Wolfgang Höbel, den ich im Zuschauerraum entdeckte und der seine Erwartungen an das Festival schon auf den Punkt gebracht hat . Der Anlass: George Clooney erhält heute Abend während der Eröffnungsfeier den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Unbestritten einer der nettesten Schauspieler überhaupt. Aber auch der besten? Er hat rund Dutzende Filme gemacht, aber welcher war eigentlich sein allererster? Das wäre doch das richtige Programm für heute Abend: »Return to Horror High« von 1987. Nie gehört, nie gesehen. Regisseur ist Bill Froehlich. Die Kritiken waren vernichtend. Streamen lässt sich der Film nicht. Der Mann in der Videothek sagt am Telefon, er müsse ihn aus dem Archiv holen. Ob ich auch mit »Die Rückkehr der Killertomaten« von 1988 zufrieden wäre – ebenfalls mit Clooney? Auf der DVD steht: »Der verrückte alte Professor Gangreen hat einen Weg entwickelt, um Tomaten für eine zweite Invasion menschlich aussehen zu lassen.« Vielleicht dann doch lieber »Ocean’s Eleven«?
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Swantje Karich, Redakteurin im Ressort Meinung und Debatte
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Deutschland wird seine Kontrollen an der russischen Schattenflotte erhöhen, wenn der Druck durch weitere Sabotageakte oder politische Kritik steigt.
Possible · Within months
Die Debatte um Transfrauen im US-Sport wird weiter polarisiert bleiben, da beide Seiten die Frage für kulturpolitische Zwecke nutzen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Hängen die Sabotagefälle in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen zusammen?
- Wer ist für die Anschläge verantwortlich?
- Wird Deutschland seine Haltung gegenüber der russischen Schattenflotte ändern?
- Wie wird die Debatte um Transfrauen im Sport in den USA weitergehen?




