Sachsen-Anhalt setzt auf Drohnen und Satellitentechnik zur Früherkennung von Waldbränden
Quick Look
- Sachsen-Anhalt prüft den Einsatz von Drohnen und Satellitentechnik zur Früherkennung von Waldbränden, um das Zeitintervall zwischen Brandausbruch und Meldung an die Feuerwehr zu minimieren.
- Aktuell wird ein KI-gestütztes Kamerasystem an 16 Standorten genutzt.
- Forschende haben in Testflügen im Harz gezeigt, dass Drohnen Brände bereits aus zwei bis drei Kilometern Entfernung erkennen können.
AI-generated summary
Why It Matters
Waldbrände haben in diesem Sommer bundesweit die Schlagzeilen bestimmt. Sachsen-Anhalt setzt neben langfristigem Waldumbau auf Überwachung mit Drohnen und Satellitentechnik zur Früherkennung, um das Zeitintervall zwischen Brandausbruch und Meldung an die Feuerwehr möglichst gering zu halten.
Nachdem bundesweit Waldbrände auch in diesem Sommer die Schlagzeilen bestimmt haben, rücken Methoden der Früherkennung in den Fokus: Neben langfristigem Waldumbau will Sachsen-Anhalt künftig auch die Überwachung mit Drohnen und Satellitentechnik zur Waldbrandfrüherkennung im Blick behalten und evaluieren. Es gehe darum, «das Zeitintervall zwischen Ausbruch des Brandes und Meldung an die Feuerwehrleitstellen möglichst gering zu halten», erklärte das Forstministerium in Magdeburg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Aktuell setze das Land auf ein «ein funktionierendes, KI-gestütztes Kamerasystem auf 16 Standorten, das diesem Anspruch Rechnung trägt».
Bereits 2023 hatten Forscherinnen und Forscher in einem Pilotprojekt Testflüge mit KI-gestützten Drohnen im Harz gemacht. An den Versuchen beteiligt war Simon Gehringer als Teamleiter von Evolonic, einer Forschungsgruppe der Universität Erlangen-Nürnberg am Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie. Gehringer zufolge verlief der Test im Harz erfolgreich. «Wir haben den Waldbrand damals erkannt, relativ schnell, trotz dass er eben so klein war», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die brennende Fläche habe damals maximal etwa einen Meter betragen. Erkannt worden sei sie aus zwei bis drei Kilometern Entfernung.
Forscher: Drohnen liefern wichtige Daten zu Brandverhalten
Die Forschungsergebnisse zu diesem und weiteren Versuchen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben Forschende der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung im Januar im Fachjournal «Fire and Materials» veröffentlicht: Die gewonnenen Daten lieferten wichtige Erkenntnisse zu Brandverlauf, Rauchentwicklung und dem Verhalten von Waldbränden für künftige Modelle für das Brandmanagement, so ihr Fazit.
Die Erfahrung habe gezeigt, so Drohnenexperte Gehringer, dass die Technik Brände unter günstigen Bedingungen binnen weniger Minuten erkennen kann. So könne im besten Fall deutlich schneller gezielt gelöscht werden. Derzeit arbeiten die Forschenden zudem an einem Brennstoffzellenantrieb für ihre Drohnen, sodass weitgehend automatisierte Flüge über eine Dauer von acht Stunden möglich werden sollen.
Parallel testen die Forscher derzeit hundeähnliche Laufroboter, die den Wald am Boden etwa bei bereits bestehenden Bränden in munitionsbelasteten Gebieten erkunden könnten. Systematisch eingesetzt werde die Technologie in der Waldbrandprävention aber bislang kaum, so Gehringer. Stattdessen gebe es eher einen «Wildwuchs» an Drohnentechnik, die sich Feuerwehren in Eigenregie anschafften. Diese komme aber in der Regel erst im Brandfall zum Einsatz, um die Lage für Löscharbeiten einschätzen zu können.
Kritik: Kommunen investieren eher in klassische Ausrüstung
Die Gründe liegen weniger in den Anschaffungskosten, glaubt Gehringer. Rund 30.000 Euro, so schätzt der Forscher, wären für die Anschaffung einer der spezialisierten Drohnen nötig. Deutlicher ins Gewicht fielen vor allem nötige Fluggenehmigungen, Kosten für Ausbildung und Know-how der Piloten, da die Geräte deutlich größer und schwerer sind als im Handel übliche Hobby-Drohnen.
Zudem brauche es dauerhaft qualifiziertes Personal, das die Flüge zumindest beaufsichtigen müsste. Hinzu komme, dass Kommunen eher in klassische Ausrüstung wie Löschfahrzeuge investierten als in neue Systeme, deren Nutzen sich im Einzelfall schwer beziffern lasse.
Eine Ausnahme bilde ein grenzübergreifendes bayerisch-tschechisches Projekt: Im Rahmen der EU-Interreg-Förderung wird derzeit in den benachbarten Landkreisen Cham und Pilsen im Bayerischen und Böhmerwald der Einsatz von automatisierten Drohnen und Künstlicher Intelligenz zur Waldbrandfrüherkennung erprobt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Sachsen-Anhalt wird die Evaluierung von Drohnen und Satellitentechnik zur Waldbrandfrüherkennung abschließen und gegebenenfalls ein flächendeckendes System einführen.
Possible · Within months
Die Nutzung von Laufrobotern zur Erkundung von Bränden in munitionsbelasteten Gebieten wird in den kommenden Jahren in Pilotprojekten ausgeweitet.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie hoch sind die langfristigen Betriebskosten für Drohnensysteme einschließlich Wartung und Personal?
- Welche konkreten Schritte plant Sachsen-Anhalt zur flächendeckenden Einführung von KI-gestützter Waldbrandfrüherkennung?
- Wie effektiv sind Laufroboter in der Praxis bei der Erkundung von Bränden in munitionsbelasteten Gebieten?
- Welche rechtlichen Hürden bestehen für den flächendeckenden Einsatz von Drohnen im deutschen Luftraum?
