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Shein wurde bei einem Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar mit rund 26,5 Milliarden Dollar bewertet. Vor vier Jahren war das Unternehmen zeitweise mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet worden. Der Börsengang fand in Hongkong statt, während die EU seit dem 1. Juli eine pauschale Zollabgabe von drei Euro auf kleine Sendungen unter 150 Euro erhebt, um den Markt vor Billigimporten aus China zu schützen.
In China gab es diesen Sommer gleich zwei höchst spektakuläre Börsengänge: Die Aktien des Roboterbauers Unitree und des Speicherchip-Herstellers CXMT schossen zum Börsenstart bis zu 600 Prozent nach oben. Heute hat der chinesische Onlinehändler Shein den Sprung an die Börse in Hongkong gewagt. Und enttäuschte eher.
Dieser Börsengang habe sicher keinen "besonderen Glanz" entwickelt, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Kapitalmarktstratege der Capitell Vermögens-Management AG, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Die Aktie notierte schon direkt nach dem Handelsstart im Minus, die Euphorie blieb im Fall von Shein aus.
Zeiten des hohen Wachstums sind vorbei
Shein wurde bei einem Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar mit rund 26,5 Milliarden Dollar bewertet. Vor vier Jahren noch war Shein zeitweise mit rund 100 Milliarden Dollar bewertet worden - wäre also fast viermal so viel wert gewesen wie beim jetzigen Börsengang.
Was hat das Unternehmen mit dem Geld vor, das an der Börse eingesammelt wurde? "Shein möchte einen Großteil des Erlöses in Infrastruktur und eine Verbesserung der Lieferketten investieren", erklärt Schickentanz.
Bei Shein seien die Zeiten des hohen Wachstums jedoch vorbei. "Wenn wir uns die Zahlen aus dem ersten Quartal angucken, hatten wir gerade noch ein Prozent Umsatzwachstum", so der Kapitalmarktstratege. Das Unternehmen habe sogar wegen steigender Kosten einen Verlust erwirtschaftet. "Das sind keine Zahlen, mit denen man viele Anleger hinter dem Ofen hervorlocken kann."
Neue Zollgebühr in der EU
Außerdem wird das Geschäft für chinesische Online-Händler wie Shein, Temu schwieriger. Die USA und Europa gehen stärker gegen die extrem billigen Direktimporte aus China vor. Um den heimischen Markt vor einer Flut an Billigprodukten aus China zu schützen, gilt seit dem 1. Juli in der EU für kleine Sendungen unter 150 Euro eine pauschale Zollabgabe von drei Euro.
Der Handelsexperte Boris Planer sieht dahingehend allerdings noch keine Veränderung für den innereuropäischen Markt: "Shein verkauft vor allem günstige und schnelle Mode. Temu ist ein Marktplatz für sehr breite Sortimente im Niedrigpreisbereich und der Direktversand aus China ermöglicht es den Plattformen, zu besonders niedrigen Preisen zu verkaufen."
Der Zoll schwäche diesen Vorteil zwar, zerstöre ihn aber nicht. "Und das ist weiterhin eine Herausforderung für den Handel in Deutschland und Europa", so der Fachmann gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Europäische Händler müssten also weiterhin ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
Geschäft unter Druck
Zahlen zur Auswirkung des Drei-Euro-Zolls auf Shein sind bislang nicht bekannt. Aber: Der Gewinn ist im vergangenen Jahr auf gut zwei Milliarden Dollar gesunken. Und im ersten Quartal dieses Jahres hat Shein sogar 99 Millionen Dollar Verlust gemacht. Auch beim Konkurrenten Temu läuft das Geschäft schlechter. Der Umsatz des Mutterkonzerns PDD Holdings stieg zuletzt noch um acht Prozent, der Gewinn sank um zwölf Prozent.
Nach Einschätzung des Handelsexperten Planer zeigt das, dass das schnelle Wachstum jetzt woanders zu finden sein könnte: "Es wird eine interessante Frage sein, ob Shein als Tech-Aktie mit hohem Wachstumspotential behandelt wird oder als Modehändler, der zunehmend mit Margendruck und Marktregulierung zu kämpfen hat."
"Chinesisches Geschäftsmodell wandelt sich"
Chris-Oliver Schickentanz von Capitell Vermögens-Management sieht das ähnlich und erkennt einen größeren Wandel: "Das chinesische Geschäftsmodell wandelt sich. Es ist eigentlich nicht mehr darauf ausgerichtet, billig Produkte zu exportieren, sondern tatsächlich hochwertige Produkte zu liefern und damit in Schlüsselindustrien zu den Markt- und Innovationsführern zu gehören."
Während die chinesische Exportwirtschaft weiterhin stark sei, verschiebt sich der Fokus an den Börsen den Experten zufolge: weg vom klassischen Onlinehandel, hin zu Computerchips, Künstliche Intelligenz und Robotik.
AI outlook — possibilities, not facts
Shein wird seine Investitionen in Infrastruktur und Lieferketten erhöhen, um die Margendruck zu kompensieren und das Wachstum zu stabilisieren.
Likely · Within months
Der Fokus chinesischer Börsengänge wird weiterhin von traditionellem Onlinehandel hin zu Technologiebereichen wie Halbleiter, KI und Robotik verschoben bleiben.
Likely · Within months

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