Stichwahlen in Niedersachsen: Überblick über zehn entscheidende Wahlen für Bürgermeister und Landräte
Quick Look
- In Niedersachsen finden heute 123 Stichwahlen für hauptamtliche Spitzenbeamte wie Bürgermeister und Landräte statt, gewählt für acht Jahre.
- Die CDU und SPD stellen die meisten Kandidaten.
- Im Fokus stehen zehn besondere Stichwahlen, darunter in Hannover, Salzgitter mit AfD-Beteiligung und Osnabrück, wo Einzelbewerberinnen antreten.
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Why It Matters
In Niedersachsen finden heute 123 Stichwahlen für hauptamtliche Spitzenbeamte wie Bürgermeister und Landräte statt, gewählt für acht Jahre. Die CDU und SPD stellen die meisten Kandidaten.
In 123 Stichwahlen in Niedersachsen werden heute hauptamtliche Spitzenbeamte wie Bürgermeister und Landräte bestimmt. Gewählt werden sie für die nächsten acht Jahre.
Am häufigsten vertreten sind Kandidatinnen und Kandidaten der CDU (80) und der SPD (72), gefolgt von Einzelbewerberinnen und -bewerbern (69), Wählergruppen (13), Grünen (8), AfD (3) und Freien Wählern (1).
Ein Überblick über zehn besondere Stichwahlen, die heute im Fokus stehen.
HANNOVER STADT
Seine Wahl 2019 war eine kleine Sensation: Nach mehr als 70 Jahren SPD-Regentschaft in Hannover setzte sich mit Belit Onay erstmals ein Grünen-Politiker in der Landeshauptstadt durch. Reichten ihm damals noch 32,2 Prozent in Runde eins, um in eine Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten einzuziehen, kratzte er diesmal mit 45,6 Prozent sogar an der direkten Wahl.
Entsprechend geht Onay als Favorit in die Stichwahl gegen den SPD-Herausforderer Axel von der Ohe, der 21,5 Prozent der Stimmen erhielt. Von der Ohe ist seit 2017 Finanz- und Ordnungsdezernent in Hannover.
REGION HANNOVER
Anders als in der Stadt heißt es in der Region Hannover: SPD gegen CDU. Die meisten Stimmen in der ersten Runde erhielt die SPD-Kandidatin Eva Bender mit 30,6 Prozent vor CDU-Politiker Oliver Junk, der zehn Jahre lang Oberbürgermeister von Goslar war. Bender ist seit 2024 Bildungsdezernentin in Hannover.
Bislang war die Regionspräsidentschaft in der Hand der SPD, genauer gesagt: Der inzwischen nach Berlin gewechselte Steffen Krach hatte sie inne. Die Ermittlungen gegen ihn wegen eines Anfangsverdachts der Vorteilsnahme in zwei Fällen – wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Nachnutzung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover – belastete daher nicht nur seinen eigenen Berliner Wahlkampf, sondern auch den der SPD in Niedersachsen. Krach weist alle Vorwürfe zurück.
SALZGITTER
Die Oberbürgermeisterwahl in Salzgitter ist vor allem deshalb besonders, weil die AfD es hier – wie auch in den Städten Munster und Bockenem – in die Stichwahl geschafft hat. Sollte sie ein kommunales Spitzenamt erringen, wäre das ein Novum für die Partei in Niedersachsen.
In Salzgitter fordert die AfD-Politikerin Patricia Mair den langjährigen Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU heraus, der bereits seit 2006 als Oberbürgermeister im Amt ist. In Runde eins erzielte Klingebiel 45,6 Prozent Zustimmung, Mair bekam 25,7 Prozent der Stimmen. Auch in den anderen beiden Stichwahlen mit AfD-Beteiligung lagen die AfD-Kandidaten in der ersten Runde deutlich hinter den führenden Bewerbern.
LANDKREIS OSNABRÜCK
Mit ihrer Wahl 2019 wurde Anna Kebschull zur nach Parteiangaben ersten Grünen-Politikerin an der Spitze eines Landkreises – zuvor hatten nur zwei Politiker der Grünen eine Landratswahl gewonnen. Diesmal tritt sie allerdings als Einzelbewerberin an. Sie begründet das damit, dass sie in den vergangenen Jahren gemerkt habe, «dass Politik nur funktioniert, wenn wir zusammenarbeiten und uns nicht von Parteibüchern einschränken lassen».
Mit 33,8 Prozent erreichte sie in Runde eins im Landkreis Osnabrück den höchsten Stimmenanteil vor dem CDU-Kandidaten Thomas Spieker (25,0).
LÜNEBURG
Ähnlich wie Kebschull im Landkreis Osnabrück tritt auch in Lüneburg eine grüne Amtsinhaberin als Einzelbewerberin an: Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch sagt, sie wolle damit verdeutlichen, dass sie ihr Amt stets überparteilich und unideologisch geführt habe. Sie bleibe aber «weiterhin mit Herz und Seele Mitglied der Grünen». In Runde eins lag sie mit 36,1 Prozent vor Heiko Meyer (28,2 Prozent) von der Wählergruppe Die Unabhängigen.
Die Grünen-Landesspitze sieht die Einzelbewerbungen ihrer beiden Amtsträgerinnen entspannt. Co-Landeschef Maximilian Strautmann sagte, beide seien weiterhin «mit grünem Profil» zu erkennen und er sehe keine Distanz zur Partei. «Aber ich kann auch sehr verstehen, dass beide sagen, wir wollen ein Angebot für alle Menschen machen und eben nicht nur für Grüne.»
GÖTTINGEN
Eine neue Farbe im Rathaus wird es in jedem Fall in Göttingen geben. Amtsinhaberin Petra Broistedt (SPD) trat nicht erneut an – und der neue SPD-Kandidat Florian Dinger verpasste die Stichwahl. Die erreichten die Grünen-Politikerin Onyeka Oshionwu mit 41,4 Prozent und der CDU-Kandidat Ehsan Kangarani mit 27,9 Prozent.
Kurios: Noch vor der Schließung der Wahllokale vor zwei Wochen hatte eine Werbefirma bereits erste Plakate der Grünen für die Stichwahl aufgehängt. Die Partei bedauerte das, der Aufruf zur Stichwahl wurde zeitweise überdeckt.
BRAUNSCHWEIG
Wie schon bei seiner ersten Wahl 2021 geht es für Oberbürgermeister Thorsten Kornblum von der SPD in eine Stichwahl gegen die CDU. Diesmal erreichte er in der ersten Wahlrunde 43,3 Prozent, vor CDU-Politiker Maximilian Pohler mit 17,2 Prozent. Mit fast 200.000 Wahlberechtigten ist die Stichwahl die zweitgrößte einer einzelnen Stadt in Niedersachsen, größer ist nur Hannover.
OLDENBURG
In Oldenburg lieferten sich der Landtagsabgeordnete Ulf Prange von der SPD und der Parteilose Jascha Rohr, der sowohl von den Grünen als auch von der CDU unterstützt wird, ein enges Rennen in Runde eins. Prange bekam 33,2 Prozent der Stimmen, Rohr erreichte 30,5 Prozent. Gesucht wird ein Nachfolger für Jürgen Krogmann (SPD), der seit 2014 als OB im Amt ist.
OSNABRÜCK
In Niedersachsens viertgrößter Stadt Osnabrück hat eine CDU-Politikerin seit 2021 das Sagen: Katharina Pötter. Auch in Runde eins der diesjährigen OB-Wahl hatte sie die Nase vorn mit 42,2 Prozent vor dem grünen Landtagsabgeordneten Volker Bajus mit 22,3 Prozent. 2021 fand die Stichwahl auch zwischen diesen beiden Parteien statt, Pötter setzte sich seinerzeit mit 56 Prozent der Stimmen gegen die damalige Gegenkandidatin durch.
LANDKREIS GRAFSCHAFT BENTHEIM
Die Landratswahl in der Grafschaft Bentheim war vor zwei Wochen ein echter Krimi: Nur ein paar Hundert Stimmen trennten die drei Kandidaten. Auf Platz eins landete der auf YouTube als «Lehrerschmidt» bekannte Einzelbewerber und Oberschulrektor Kai Schmidt mit 33,9 Prozent, ebenfalls die Stichwahl erreichte die SPD-Bewerberin Silvia Pünt-Kohoff mit 33,6 Prozent. CDU-Kandidatin Anja Terhorst scheiterte denkbar knapp dahinter mit 32,5 Prozent.
Open Questions
- Wie wird die AfD-Beteiligung in Salzgitter das politische Landschaft in Niedersachsen beeinflussen?
- Welche Auswirkungen haben die Einzelbewerbungen von Grünen-Politikerinnen auf die Parteistrategie?
- Wie wird die Belastung durch die Ermittlungen gegen Steffen Krach die SPD bei den Wahlen beeinflussen?
