US-Unterhändler Witkoff und Kushner treffen Selenskyj in Kiew – kein Durchbruch im Ukraine-Krieg
Quick Look
- Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner haben in Kiew mit Präsident Selenskyj gesprochen, jedoch keine unmittelbaren Fortschritte im Ukraine-Krieg erzielt.
- Selenskyj äußerte wenig Optimismus und forderte ein "Winterpaket", sollte der Konflikt bis zum Winter andauern.
- Die Gespräche folgten auf ein Treffen mit Putin in Moskau, bei dem eine dreitägige Angriffsruhe auf Kiew vereinbart wurde.
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Why It Matters
Der Ukraine-Krieg dauert seit mehr als viereinhalb Jahren an, seitdem Russland im Februar 2022 eine groß angelegte Invasion gestartet hat. Die USA haben unter Präsident Trump ihren Ansatz geändert und senden nun Unterhändler wie Witkoff und Kushner, um eine diplomatische Lösung zu suchen, nachdem frühere Verhandlungen im Februar in Genf und in den Vereinigten Arabischen Emiraten ohne Ergebnis geblieben sind.
Kiew. Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben sich nach Gesprächen der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew keine unmittelbaren Fortschritte gezeigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zwar von „äußerst inhaltsvollen“ Gesprächen, machte aber deutlich, dass unter dem Strich wenig stand. Nach Abschluss der Unterredungen zeigte er sich wenig optimistisch: „Sollte sich der Krieg bis zum Winter ziehen, und danach sieht es aktuell aus, brauchen wir ein "Winterpaket““, wurde er von den ukrainischen Medien zitiert.
Trumps Gesandte Witkoff und Kushner haben seit 2025 mehrmals Moskau besucht, waren für ihre Vermittlungsbemühungen aber noch nie zuvor in Kiew - für die Ukraine ein Beweis mehr für den drastischen Kurswechsel der USA unter Trump im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg, der seit mehr als viereinhalb Jahren andauert. Bevor Witkoff und Kushner am Sonntag dann erstmals in der ukrainischen Hauptstadt eintrafen, saßen sie am Samstagabend fast drei Stunden mit Kremlchef Wladimir Putin zusammen.
Trumps Schwiegersohn Kushner sprach sich für die Wiederaufnahme trilateraler Gespräche der Ukraine und Russlands unter US-Vermittlung aus. „Hoffentlich sehen wir da sehr bald Fortschritte“, wurde er von CNN mit Blick auf die jüngsten Gespräche in Kiew und Moskau zitiert.
Im Scherz meinte Selenskyj, die Anwesenheit Witkoffs und Kushners habe „besser funktioniert als die Patriot-Flugabwehrsysteme“. Die beiden Emissäre von US-Präsident Donald Trump sollten öfter nach Kiew kommen, um den Bewohnern eine Chance zu geben, ohne die ständigen russischen Angriffe ein wenig Luft zu holen.
Kremlchef Putin hatte für die Dauer des Besuchs der US-Unterhändler eine dreitägige Pause in den Angriffen auf Kiew verkündet, die Ukraine verzichtete dafür in dieser Zeit auf Angriffe gegen Moskau. Die Ukraine beklagt einen Mangel an Patriot-Raketen, dem einzigen Abwehrmittel gegen russische Raketen.
An den Verhandlungen in Kiew nahmen auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teil. „Wir haben vereinbart, dass sich die Ukraine, Europa und Amerika in Kürze treffen werden“, sagte Selenskyj im Anschluss. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Selenskyj bekräftigte zu guter Letzt die Ansicht, dass zur Lösung der wichtigsten Fragen im Ukraine-Konflikt, wie etwa der territorialen Aufteilung, ein Treffen auf höchster Ebene nötig sei. Putin hat bisher ein direktes Treffen mit Selenskyj an einem neutralen Ort kategorisch abgelehnt. Stattdessen forderte er Selenskyj auf, zu Gesprächen nach Moskau zu kommen. Dies wiederum lehnte der ukrainische Staatschef ab.
Witkoff und Kushner hatten bei Selenskyj für Unmut damit gesorgt, dass sie Kiew bei ihren Vermittlungsbemühungen bislang ausgelassen hatten. Im April kritisierte er, es sei respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen. Trotz der Visite dürften auch die jüngsten Eindrücke aus Moskau in Kiew nicht gut angekommen sein. Putin erklärte, dass Witkoff und Kushner inzwischen das Vertrauen der russischen Seite hätten. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel“, sagte der Präsident.
Putin habe seine Einschätzung der Lage abgegeben, berichtete dessen außenpolitischer Berater Juri Uschakow. „Insbesondere wurden die tatsächlichen Erfolge der russischen Armee beim Vormarsch im Einsatzgebiet hervorgehoben“, sagte er. Allerdings geben Experten über die vermeintlichen und realen Fortschritte der Kriegsparteien im Frontgebiet unterschiedliche Einschätzungen ab. Immer wieder gibt es Zweifel, ob Putin von seinem Generalstab wahrheitsgemäß über die Lage informiert wird.
Nach dem Treffen in Moskau flogen die US-Unterhändler zurück auf EU-Gebiet und landeten in Rzeszow in Ostpolen. Von dort nahmen sie wie andere ausländische Politiker den Zug für den Besuch in Kiew. Vorher hatte es Überlegungen über eine Anreise mit dem Flugzeug gegeben. Allerdings ruht der zivile Flugverkehr über der Ukraine seit Kriegsbeginn 2022. Selenskyj warf Russland vor, vor dem Besuch gezielt die Kiewer Flughäfen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben, um die US-Vermittler abzuschrecken.
Bei direkten Gesprächen Moskaus und Kiews in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Februar in Genf saß Washington als Vermittler mit am Tisch. Zuletzt lagen die Verhandlungen auf Eis – auch weil die USA durch ihren eigenen Krieg im Iran abgelenkt waren. Vor Witkoffs und Kushners Reise hatte Trump gesagt: „Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können.“ Er zeigte sich erneut optimistisch, dass dies gelingen könne. Bisher haben die Bemühungen der USA aber noch keinen Durchbruch gebracht - und im Krieg stehen die Zeichen derzeit eher auf Eskalation. An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die USA werden ihre diplomatischen Bemühungen fortsetzen und weitere Gespräche zwischen Ukraine, Russland und westlichen Verbündeten vermitteln.
Likely · Within weeks
Die Ukraine wird weiterhin vermehrte westliche Luftabwehrunterstützung, insbesondere Patriot-Raketen, fordern, um sich gegen russische Angriffe zu schützen.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wann und unter welchen Bedingungen könnte ein direktes Treffen zwischen Selenskyj und Putin stattfinden?
- Wie effektiv wäre das von Selenskyj geforderte "Winterpaket" bei der Stärkung der ukrainischen Widerstandsfähigkeit?
- Welche konkreten Schritte planen die USA, um ihre Vermittlungsrolle glaubwürdiger zu machen, nachdem frühere Bemühungen keinen Durchbruch brachten?







