AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Über 30 Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten dokumentiert
Quick Look
- Seit Mai wurden bei AfD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende registriert, darunter fünf körperliche Angriffe.
- Die dju kritisiert die Polizei als passiv und überfordert und fordert konsequentes Vorgehen gegen Angriffe durch Streamer und Parteisicherheitsdienste.
AI-generated summary
Why It Matters
Im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt sind Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten seit Mai dokumentiert worden, wobei die dju über 30 Vorfälle registriert hat, darunter körperliche Angriffe und Doxing.
Die Feindseligkeiten gegenüber Journalistinnen und Journalisten haben im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt offenbar ein neues Ausmaß erreicht. Laut einer Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Ver.di, die dem SPIEGEL vorab vorliegt, wurden seit Mai über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen registriert. Betroffen gewesen seien mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer, so die dju.
25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede.
Gewerkschaft kritisiert »passive und oft überforderte Polizei"
Kritik äußert die Journalisten-Union auch am Vorgehen der Polizei. So hätten die Einsatzkräfte etwa nach einem Übergriff auf eine Reporterin des Portals »Politico« in Lützen nicht etwa die Angreifer ins Visier genommen, sondern die Journalistin kontrolliert und die Löschung von Bildmaterial durchgesetzt.
»Wir erleben vielfach eine passive und oft überforderte Polizei in Sachsen-Anhalt. Nur vereinzelt registrieren wir ein vorbildliches Verhalten der Beamten«, teilte der stellvertretende ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Lucas Munzke mit. Die Polizei käme der verfassungsrechtlichen Schutzpflicht für Medienschaffende nicht nach. Das Fehlverhalten einzelner Beamter müsse vom sachsen-anhaltischen Innenministerium und der Polizeiführung dienstrechtlich aufgearbeitet werden, fordert die Gewerkschaft.
Zudem müssten Übergriffe, Nötigungen und Nachstellungen durch Streamer und Parteisicherheitsdienste von den Strafverfolgungsbehörden konsequent geahndet werden. »Die AfD ist eine medienfeindliche Partei«, so Munzke. Sie bekämpfe nicht nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern unterbinde und behindere auch die unabhängige Berichterstattung auf Parteitagen, bei Demos und im Wahlkampf.
Ein selbst ernannter »Gonzojournalist« begleitet die AfD, tritt aggressiv gegenüber SPIEGEL-Reportern auf und war auch am Sturm auf den Reichstag 2020 in Berlin beteiligt. Lesen Sie hier mehr über das Streamer-Problem des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das sachsen-anhaltische Innenministerium wird dienstrechtliche Ermittlungen gegen beschuldigte Polizeibeamte einleiten.
Possible · Within weeks
Strafverfolgungsbehörden werden Anzeigen gegen Streamer und Parteisicherheitsdienste wegen Übergriffen, Nötigungen und Nachstellungen prüfen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Welche konkreten Maßnahmen plant das Innenministerium Sachsen-Anhalt zur Verbesserung des Schutzes von Journalistinnen und Journalisten?
- Wie werden die Vorfälle durch die Strafverfolgungsbehörden rechtlich aufgearbeitet?
- Gibt es Verbindungen zwischen den Übergriffen und der AfD-Parteiführung?




