Brandbriefe und Forderungen: CDU, Grüne, Kirchen, SPD und Parteien fordern Konsequenzen und Verhandlungen
Quick Look
- Die CDU Mühlenbecker Land fordert Konsequenzen von Parteichef Friedrich Merz, während Grüne-Chefin Franziska Brantner Bedingungen für eine Berliner Koalition mit Linken und SPD stellt.
- Gleichzeitig fordern Kirchenvertreter ein Verbot der AfD, die SPD drängt auf eine weibliche Bundespräsidentenkandidatin, und in Sachsen-Anhalt verhandeln AfD und BSW über den MDR und einen Corona-Untersuchungsausschuss.
- Die Linke Berlin hat Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD angenommen.
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Why It Matters
Nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie den Sondierungsgesprächen für eine mögliche Koalition aus Linken, Grünen und SPD in Berlin steigt der Druck auf die etablierten Parteien. Die CDU kritisiert den Kurs von Kanzler Friedrich Merz, während Kirchen und SPD vor dem Aufstieg der AfD warnen und ein Verbot der Partei fordern. Gleichzeitig verhandeln AfD und BSW in Sachsen-Anhalt über den Mitteldeutschen Rundfunk und einen Untersuchungsausschuss zur Corona-Pandemie.
Ein weiterer CDU-Ortsverband aus Brandenburg hat einen Brandbrief an Parteichef und Kanzler Friedrich Merz geschrieben: Die CDU Mühlenbecker Land sieht ihren Appell als Weckruf. „Jetzt ist der Zeitpunkt für Konsequenzen“, heißt es in der Erklärung der CDU-Vorsitzenden Mühlenbecker Land, Katja Behrendt-Didszun, und acht weiteren Mitgliedern. „Wir erwarten, dass Fehler benannt, politische Entscheidungen überprüft und konkrete Veränderungen statt weiterer Ankündigungen vorgenommen werden.“
Vor den geplanten Sondierungsgesprächen für eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD in Berlin hat die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner Bedingungen gestellt. In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ sagte Brantner zu einer möglichen Landesregierung in Berlin: „Ich persönlich kann mir schwer vorstellen, dass die Linkspartei das Innen- oder Justizressort führt, solange es in der Partei Menschen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität oder zu extremistischen Kräften wie der Volksfront zur Befreiung Palästinas, der PFLP, oder der Hamas gibt.“
Angesichts der jüngsten Wahlerfolge der AfD hat der juristische Vizepräsident der hannoverschen Landeskirche, Christoph Goos, die Forderung nach einem Verbot der Partei bekräftigt. „Die freiheitliche demokratische Grundordnung war noch nie so gefährdet wie heute“, sagte der Experte für Verfassungsrecht am Sonnabend bei einer Fachtagung.
„Ich erwarte von den Antragsberechtigten, dass sie jetzt tätig werden“, forderte Goos unter Applaus bei der Veranstaltung des evangelischen Kirchensprengels Lüneburg. Die Kirche selbst sei zwar nicht antragsberechtigt, könne aber ihre Stimme in der Gesellschaft nutzen, erläuterte er. Christinnen und Christen sollten deutlich machen, für welche Werte, Rahmenbedingungen und Spielregeln sie einstünden.
Die Suche nach der Nachfolge für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier muss nach Ansicht der SPD nun vorangetrieben werden. „Die Landtagswahlen sind vorüber, jetzt wird es Zeit, in der Kandidatinnensuche für das Amt der Bundespräsidentin auf die Zielgerade zu kommen“, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese. Er bleibe dabei: „Es sollte eine Frau werden.“ Sie müsse besonnen handeln „und über ein gutes Urteilsvermögen verfügen, um Konflikte frühzeitig anzusprechen und zu lösen“, betonte Wiese. Sie sollte zudem „ein gutes Standing auf internationaler Bühne“ haben.
Mit ihrer Positionierung gegen die AfD gehören auch die Kirchen in gewisser Weise zu den Verlierern der jüngsten Landtagswahlen, sagt der Theologieprofessor Reiner Anselm, dessen Steckenpferd das Verhältnis zwischen Politik und Kirchen ist. Er rät seiner Kirche, künftig stärker für den Ausgleich einzutreten. „Der Protestantismus hat keine Partei“, sagt er im Interview. Bezogen auf die Wahlerfolge der AfD plädierte er für einen gemäßigten Umfang mit den Wählern: „Nicht jeder, der sagt, er wolle nicht, dass sich sein gewohntes kulturelles Umfeld maßgeblich verändert, ist gleich Faschist oder Nazi. Auf solche Gefühle, die sich in Wahlentscheidungen manifestieren, muss die Kirche stärker eingehen.“
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer fordert Änderungen am Reformkurs von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Für Friedrich Merz bedeuten Reformen, dass Wachstum nur durch Kürzungen beim Sozialstaat entstehen kann“, sagte Schweitzer der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Reformen müssten aber fair sein, und jeder müsse seinen Beitrag leisten. „Stattdessen atmet der Kanzler den kalten neoliberalen Geist der Neunzigerjahre.“
Merz sei auch von Menschen gewählt worden, die ihn nicht unbedingt persönlich schätzten, ihm aber Wirtschaftskompetenz zugeschrieben hätten. „Und jetzt merken sie: Er liefert nicht“, sagte der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Der Kanzler sage den Menschen, sie arbeiteten zu wenig. Gründe für die Krise der CDU sieht Schweitzer auch in den Jahren von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Frau Merkel hat bewusst auf politische Debatten verzichtet und ganze Teile der Gesellschaft aus dem politischen Dialog ausgeladen, die ins Nichtwähler-Reservoir übergingen.“ Diese kämen zurück. „Aber nicht zur SPD, CDU, den Grünen oder der FDP, sondern zur AfD.“
Bei den laufenden Sondierungen zwischen der AfD und BSW in Sachsen-Anhalt wird unter anderem über den Umgang mit dem Mitteldeutschen Rundfunk verhandelt. Das berichtet die in Halle erscheinende „Mitteldeutsche Zeitung“. Nach „MZ“-Recherchen wollen die zwei Parteien in den kommenden Wochen ausloten, wie ihre jeweiligen Ziele für den öffentlich-rechtlichen Sender zusammenpassen. AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund hat bereits angekündigt, die Rundfunkstaatsverträge zügig kündigen und ein neues Sendeangebot aufbauen zu wollen.
Das BSW geht nach „MZ“-Recherchen mit einem weniger radikalen Vorschlag in die Gespräche. Die Wagenknecht-Partei will demnach zuerst prüfen lassen, ob der MDR reformierbar ist – nach den Vorstellungen des BSW. Eine Kritik im BSW ist, dass der Sender in den vergangenen Jahren zu regierungsnah gewesen sei. Geht es nach der Wagenknecht-Partei, könnte eine neue Kommission prüfen, ob und inwiefern der MDR reformierbar ist. Offen ist, wie sich AfD und BSW einigen.
Grundlegende Einigkeit besteht bei einem anderen Thema: Beide Parteien fordern einen Untersuchungsausschuss im Landtag, in dem das Behördenhandeln während der Corona-Pandemie aufgearbeitet werden soll. Eigentlich gab es in Sachsen-Anhalt bereits eine Regierungskommission mit ähnlichem Auftrag – die AfD sieht die Pandemiemaßnahmen ab 2020 aber immer noch als „Unrecht“. In ihrem 100-Tage-Programm versprach sie im Wahlkampf, „die Schuldigen zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen“. Es ist also davon auszugehen, dass Landesbedienstete, Beamte und Amtsträger von damals als Zeugen in dem Ausschuss aussagen sollen. Auch das BSW will einen Corona-Untersuchungsausschuss, die neue Landtagsfraktion hat dazu bereits einen Beschluss gefällt.
Der Sonderparteitag der Linken Berlin hat einen Antrag des Landesvorstands angenommen, der die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit Grünen und SPD fordert. Ein Änderungsantrag zum Leitantrag wurde spontan zurückgezogen. In dem knapp gehaltenen Antrag heißt es: „Die Linke Berlin lädt Bündnis 90 / Die Grünen Berlin und die SPD Berlin zu Sondierungsgesprächen ein, mit dem Ziel, gemeinsam zu prüfen, ob die politischen Voraussetzungen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorhanden sind.“ Grundlage für die Gespräche sei das Wahlprogramm. In einer zweiten Abstimmung stimmten die Delegierten für inhaltliche Bedingungen für diese Gespräche.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die CDU Mühlenbecker Land wird weitere öffentliche Kritik an Friedrich Merz üben, wenn keine konkreten Veränderungen folgen.
Likely · Within weeks
Die Verhandlungen zwischen AfD und BSW in Sachsen-Anhalt werden zu einem Beschluss führen, einen Untersuchungsausschuss zur Corona-Pandemie einzusetzen.
Very likely · Within weeks
Die Linke Berlin wird die Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD fortsetzen, aber keine Koalition eingehen, aufgrund von inhaltlichen Differenzen insbesondere zur Innen- und Justizpolitik.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wird die CDU Mühlenbecker Land weitere Schritte unternehmen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden?
- Wird die Linke Berlin tatsächlich Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD aufnehmen?
- Wie werden die Verhandlungen zwischen AfD und BSW über den MDR und den Corona-Untersuchungsausschuss ausgehen?
- Wird die SPD tatsächlich eine Frau als Bundespräsidentenkandidatin vorschlagen und wer könnte das sein?


