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Das Milliardärstreffen gegen den Tod: Wie Superreiche in Gstaad den Longevity-Markt antreiben
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Handelsblatt2 hours agoBusiness7 min readGermanyView translation

Das Milliardärstreffen gegen den Tod: Wie Superreiche in Gstaad den Longevity-Markt antreiben

120 Investoren, Ärzte und Forscher treffen sich in den Schweizer Alpen zur weltgrößten Longevity-Konferenz. Ein Ortsbesuch beim Boom-Markt für das ewige Leben.

Quick Look

  • In Gstaad versammeln sich 120 Investoren und Ärzte zur exklusiven Longevity-Konferenz, um über Milliardeninvestitionen gegen das Altern zu diskutieren.
  • Während der Markt rasant wächst, mahnen Kritiker vor übertriebenen Versprechen.

AI-generated summary

Why It Matters

In Gstaad findet die weltgrößte Konferenz für Longevity-Investoren statt, bei der Investoren mit Mindestinvestitionen von 30 Millionen Euro teilnehmen.

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120 Investoren und Ärzte treffen sich in den Schweizer Alpen zu einer Longevity-Tagung. Das Handelsblatt war dabei. Ein Ortsbesuch beim Milliardärstreffen gegen den Tod.

Superreiche, die Schweiz und das ewige Leben: Longevity boomt. Foto: Imago, Getty Images, Dpa Picture Alliance, brckmnn [M]

Gstaad. Der Landeplatz für Privatjets ist ausgeschildert. Wer trotzdem mit dem Auto zur weltgrößten Konferenz für Longevity-Investoren anreist, parkt seinen Lamborghini oder Aston Martin vor dem Eingang des Le Grand Bellevue, einem der ältesten Luxushotels der Alpen.

In Gstaad treffen sich 120 Menschen, im Glauben daran vereint, dass der Tod verhandelbar ist. Sie eint, dass sich mit Longevity viel Geld verdienen lässt. Teilnehmer der Konferenz müssen nachweisen, dass sie bereits mindestens 30 Millionen Euro investiert haben.

Ich bin auf der Konferenz, um zu verstehen, wie die Szene tickt – und zu erfahren, worüber die klügsten Köpfe der Langlebigkeitsforschung mit den reichsten Geldgebern der Welt hinter verschlossenen Türen diskutieren.

Ein Ticket zur Tagung, die sich selbst als „die weltweit exklusivste Konferenz für Longevity-Investoren“ bezeichnet, kostet 5000 Euro. Privatpersonen schicken gern einen Kontoauszug, der ihr Millionen- oder Milliardenvermögen belegt, sagt Tobias Reichmuth. Der Schweizer richtet das Event gemeinsam mit Marc Bernegger von der Longevity-Investmentfirma Maximon aus.

Unter den Teilnehmern sind die, die schon investieren – und die, die es bald wollen. Forscher, Ärzte der einflussreichsten Longevity-Kliniken, Gründer von überall her: In Gstaad treffen sich jene, die ein großes Geschäft wittern. Auch mich hat es Überzeugungskunst bei den Organisatoren gekostet, als Pressevertreterin dabei sein zu dürfen.

Hinter der Recherche

Auf die Konferenz wurde die Autorin Helena Smolak aufmerksam, nachdem sie bei der Handelsblatt Biocap-Konferenz ein Panel mit Konferenzmitgründer Marc Bernegger moderiert hatte. Ihre erste Anfrage zu einer Teilnahme an der Konferenz wurde abgelehnt, da die Veranstaltung ausschließlich Investoren offenstünde. Nach einem virtuellen Kennenlerngespräch durfte sie schließlich nach vorheriger Absprache an ausgewählten Sitzungen teilnehmen.

Die besprochenen Themen reichen von GLP-1-Medikamenten, also Mitteln, die zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden, über Gesundheitsprävention bis hin zu Start-ups, die an der Verjüngung und sogar der Umkehrung von Krankheiten forschen.

Von außen wirkt das Hotel wie ein mondäner Resortort: still vor der Skisaison, voller Holzchalets mit pinkfarbenen Geranien vor Bergpanorama. Drinnen wartet eine eigene Welt.

„Wie ist der Vibe?“, wollen ein Kollege, ein Biotech-Investor und ein Longevity-Podcast-Host von mir wissen. Ich antworte, fast schon klischeemäßig: „Fancy“, also exklusiv. Aber dennoch lockerer, als ich es schon auf so manch einer Pharmakonferenz erlebt habe. Das liegt vielleicht an der Atmungs- und Meditationssession, die am Morgen für alle Gäste auf dem Programm stand.

Breathwork am Morgen: Langlebigkeit beginnt mit der richtigen Atmung. Foto: Aurelio Schrey

Beim Mittagessen versuchen die Kellner vergeblich, Wein einzuschenken. Niemand hier trinkt Alkohol. Im Silicon Valley ist das schon länger verpönt. Neben mir steht Evelyne Bischof, eine Ärztin, die von Privatpersonen gebucht wird, und Professorin. Sie lehrt an Universitäten in Shanghai und Tel Aviv und schiebt sich zwölf Kiwis auf den Teller.

Den Spargel lässt sie stehen, die Pasta auch. Nur Früchte, jeden Tag. „Glaub mir, in 20 Jahren merkst du den Unterschied“, sagt sie mir. Beim Dessert wage ich mich nicht mehr an die Panna cotta. Ein kurzer Blick über den Tisch: Soweit ich sehe, bin ich die Einzige, die überhaupt darüber nachdenkt.

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Auch Emil Kendziorra sitzt neben mir, deutscher Gründer von Tomorrow Bio. Sein Start-up beschäftigt sich mit dem Einfrieren menschlicher Körper nach dem Tod. Kryokonservierung nennt sich das umstrittene Verfahren.

Und gegenüber: ein Concierge-Arzt aus San Francisco, der die Tech-Elite berät, unter anderem den Star-Investor Peter Thiel. Der Arzt klagt darüber, dass Peter Attia, selbst Longevity-Arzt und durch Podcasts und eine hohe Social-Media-Präsenz bekannt, ihm eine seiner besten Kolleginnen weggeschnappt hat.

Ob man die Kollegin nicht ersetzen könnte, frage ich. Offensichtlich nicht: Milliardäre und Silicon-Valley-Größen pflegten sehr „spezielle, enge Beziehungen zu ihren Ärzten“, sagt er mir und zwinkert. Der Arzt sagt: Selbst die öffentlich gewordenen Verbindungen Attias zum verurteilten Straftäter und verstorbenen Jeffrey Epstein hätten seinem Longevity-Geschäft nicht geschadet. „Unglaublich!“, sagt er.

Der Arzt stellt mir die wichtigsten Köpfe der Longevity-Szene vor. Es ist eine kleine Welt, eine exklusive. Die breite Öffentlichkeit habe die Anlagechancen, die Longevity biete, einfach noch nicht verstanden, sagt er mir.

Von der Fantasie zur Milliarden-Industrie

Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass Longevity mehr als ein globaler Trend ist. Sie erklären auch, weshalb Investoren, Pharmaunternehmen und der gesamte Gesundheitssektor genau auf das Thema Langlebigkeit schauen.

Das Marktforschungsinstitut Emergen Research schätzt, dass sich der globale Longevity-Markt bis 2034 auf 62 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln wird. Der Markt reicht von Biotech, Präventionsmedizin und fortschrittlicher Diagnostik über altersgerechte Technologien und spezialisierte Finanzprodukte bis hin zu Immobilien für ein aktives, längeres Leben.

Das Versprechen dahinter: Menschen sollen nicht nur länger, sondern gesünder alt werden. Bis 2050 dürfte die Zahl der Über-60-Jährigen weltweit auf mehr als 2,1 Milliarden steigen.

Allein die Suche nach dem langen Leben zog im Jahr 2025 global 1,2 Milliarden Dollar an Wagniskapital an, wie eine Auswertung des Analysehauses Pitchbook für das Handelsblatt ergab.

Davon kamen 1,1 Milliarden Dollar aus den USA. Zu den wichtigsten Geldgebern zählen GV, der Venture-Capital-Arm des Tech-Konzerns Alphabet, sowie Arch Venture Partners aus Chicago, Casdin Capital aus New York und Khosla Ventures aus dem Silicon Valley.

Das Investitionsvolumen wächst rasant. Allein im ersten Quartal dieses Jahres flossen laut Pitchbook 3,7 Milliarden Dollar in den Bereich Longevity-Biotechnologie, 56 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Dinner am Abend: Exklusiver Zugang. Foto: Aurelio Schrey

In Gstaad sind sich alle einig: Das ist noch zu wenig. „Wenn man schaut, was in KI investiert wird – dagegen ist Longevity nichts. Das sind Investmentchancen, an die noch kaum jemand denkt“, sagt Veranstalter Reichmuth. „Das Aufwärtspotenzial liegt bei 1000 Prozent.“ Gerade jetzt, wo Künstliche Intelligenz (KI) an der Börse unter Druck gerate, rücke Gesundheit in den Fokus.

„AI is down, Healthcare is upwards“, ruft die Runde – KI geht runter, Gesundheit hat Potenzial. Die Investmenthypothese lautet: „High risk, high reward“, sagt Mitveranstalter Bernegger: hohes Risiko, hoher Ertrag.

Pharma schaut nicht mehr zu, sondern kauft

Auch die Pharmaindustrie hat das Potenzial erkannt. Die boomenden GLP-1-Medikamente, eingesetzt etwa von Eli Lilly und Novo Nordisk in Abnehmspritzen und ursprünglich gegen Diabetes und Übergewicht entwickelt, werden neu bewertet: als Wirkstoffe, die tief in die Biologie des Alterns eingreifen.

Das Biotech-Unternehmen Insilico Medicine, das an einem KI-gestützten Longevity-Wirkstoff forscht, schloss innerhalb von sechs Monaten Deals mit führenden Pharmakonzernen im Gesamtwert von 7,5 Milliarden Dollar ab, unter anderem mit Eli Lilly. Die Logik dahinter: Wer für ein bereits zugelassenes Medikament einen Wirksamkeitsnachweis für die verlangsamte Alterung erbringt, hat den schnellsten Weg zum Markt.

KI

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Doch in Gstaad tummeln sich nicht nur Köpfe aus dem Biotech- und Pharmabereich. Mitarbeiter des Lebensmittelriesens Nestlé, der Luxusmarken Chanel und Ferrari beschäftigen sich den ganzen Tag mit der Longevity-Strategie ihrer Unternehmen: Nestlé verkauft Nahrungsergänzungsmittel, Chanel überträgt die Longevity-Idee auf die Hautpflege.

Bei einer Recherche zu Designer-Babys hatte ich erst vor wenigen Wochen mit Jonathan Anomaly gesprochen. Auch er ist auf der Konferenz. Mit seinem Unternehmen Herasight will er Eltern den Traum vom genetisch optimierten Kind erfüllen. 25.000 Dollar können die Eltern dafür schon mal ausgeben.

» Lesen Sie auch: „Klug, schön und gesund“: bis zu 25.000 Dollar für ein optimiertes Baby

Auf der Terrasse sitzt Steve Horvath, der deutsch-amerikanische Alterungsforscher, der die biologische Uhr erfunden hat – jenes epigenetische Messverfahren, das das biologische Alter von Zellen bestimmt. Horvath ist leitender Wissenschaftler bei Altos Labs, dem US-Biotech-Unternehmen, das an Methoden zur zellulären Verjüngung forscht und in das auch Amazon-Gründer Jeff Bezos investiert hat.

Realitätscheck zwischen den Gängen

Ein australischer Investor, der sich selbst als „stiller Beobachter der Longevity-Szene“ beschreibt, fragt mich, was ich von Genetiker und Harvard-Professor David Sinclair halte. Durch Sinclair sei er in die Szene eingestiegen. Dieses Jahr sei auf der Konferenz alles deutlich wissenschaftlich fundierter als noch vor zwölf Monaten, sagt der Australier. Im vergangenen Jahr habe es noch Unternehmensvorträge über in der Schwerelosigkeit gezüchtete Organe gegeben.

Wir alle haben zwei Alter. Teilnehmer der Konferenz

Dass sich der Inhalt der Konferenz seit ihrem Start im Jahr 2020 verändert hat, bestätigen auch die Gründer. Bryan Johnson, Longevity-Selbstoptimierer, der vor zwei Jahren noch per Videoschalte zugeschaltet war, steht nicht mehr auf dem Programm. In den ersten Jahren haben die Veranstalter erst einmal aufklären müssen, was Longevity überhaupt ist.

Das scheinen jetzt alle Gäste zu wissen. Auf den Gängen wird vor allem über Peptide getuschelt und den Return on Investment. Ach, und den Return on Health natürlich. „Wir alle haben zwei Alter“, sagt ein weiterer Gast. „Das im Pass – und das, das man beim Abendessen preisgibt.“

Einer mit steilen Thesen ist aber immer noch dabei: Aubrey de Grey, britischer Bioinformatiker. Laut ihm ist die erste Person, die 1000 Jahre alt wird, vermutlich schon geboren. Er führt Studien an Tieren durch, die das Altern verlangsamen oder teilweise umkehren sollen.

Nach dem Mittagessen rufen die Organisatoren: „Immer schön das Namensschild tragen.“ Immer wieder versuchten Neugierige in der Vergangenheit, sich unbemerkt einzuschleichen.

Große Visionen, nüchterner Blick

Auf dem Panel fragt der amerikanische Arzt und Health-Tech-Unternehmer Jordan Shlain nun in die Runde: „Wer hat schon mal GLP-1s genommen? Hebt die Hand. Nicht schüchtern sein.“ Ein paar Hände gehen hoch. „Ich habe es genommen, einfach um zu wissen, wie es sich anfühlt – damit ich es meinen Patienten erklären kann“, sagt er.

Die Szene experimentiert an sich selbst. Der Veranstalter blendet mögliche Risiken aber nicht aus. „Bislang haben wir keine nachgewiesene Lebensverlängerung beim Menschen gesehen“, betont Reichmuth. „Und es gibt zwielichtige Geschäfte da draußen“, sagt er und meint Peptide, Longevity-Kliniken, die wissenschaftlich nicht belegte Behandlungen verkaufen.

Auch Jay Olshansky, Professor für Public Health an der University of Illinois Chicago, kritisiert die Szene. Er warnt vor einem grundlegenden Interessenkonflikt: Es gebe finanzielle Anreize, mehr zu versprechen, als die Forschung bislang hergebe.

Wissenschaftler Björn Schumacher, der sich an der Universität zu Köln mit dem Altern beschäftigt, verwies im Handelsblatt-Interview neulich auf den Forschungsstand. Positiv am Longevity-Trend sei, dass sich nun auch junge Menschen zunehmend für das Feld interessieren. „Früher war Alternsforschung ein Thema für die Geriatrie – heute ist es ein hippes Thema“, sagt er.

Zugleich sei der Longevity-Trend nicht die Lösung, „um uns vor den chronischen Alterserkrankungen zu bewahren“. Der größte Risikofaktor für diese Erkrankungen sei nicht der hohe Cholesterinwert oder Bluthochdruck. „Der größte Risikofaktor für Erkrankungen ist das Altern an sich. Wir müssen also an den Ursachen des Alterns ansetzen, um Lösungen zu finden.“

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Der Grundtenor, der sich durch zwei Tage zieht: „Longevity wird unsere Welt stärker verändern als KI.“ Wer das noch nicht begriffen hat, sagt die Runde, sollte es langsam tun.

Mehr: Das Silicon Valley setzt auf den nächsten Multi-Milliardenmarkt – Wissenschaftler sind entsetzt

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Globaler Longevity-Markt verdoppelt sich bis 2034 auf 62 Milliarden Dollar.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wann werden erste echte lebensverlängernde Therapien für Menschen nachgewiesen?
  • Wie stark werden Regulierungsbehörden den Longevity-Markt einschränken?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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