Deutsche Post bekommt neuen Namen und neue Struktur
Zum 1. September löst sich die Deutsche Post formell-rechtlich vom Mutterkonzern DHL ab. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umbau.
Quick Look
- Die Deutsche Post wird zum 1.
- September eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der DHL Group und benennt sich in DHL AG um, während die Post-Tochter den Namen Deutsche Post AG trägt.
- Ziel des Umbaus sind klarere Strukturen und eine stärkere Wahrnehmung als globaler Logistikkonzern.
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Why It Matters
Die Aktionäre der Deutschen Post hatten auf der Hauptversammlung im Mai eine neue Struktur beschlossen.
Am Dienstag wird Realität, was die Aktionäre der Deutschen Post in der Hauptversammlung im Mai beschlossen haben: Der Konzern bekommt einen neuen Namen und eine neue Struktur. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umbau des Unternehmens.
Welche genauen Strukturreformen passieren im DHL-Konzern?
Zum 1. September löst sich die Deutsche Post formell-rechtlich vom Mutterkonzern DHL, in den sie bislang fest integriert ist. Die Deutsche Post wird dadurch zur hundertprozentigen Tochtergesellschaft des internationalen Versandriesen mit Sitz in Bonn. Die Konzernmuttergesellschaft übernimmt künftig vor allem strategische Aufgaben und solche, die alle fünf Tochtergesellschaften betreffen. Die Deutsche Post bleibt für das operative Brief- und Paketgeschäft verantwortlich. Im Organigramm rückt sie auf die nachgeordnete Ebene unter dem DHL-Dach. Ein Konzernsprecher versichert aber, sie werde dadurch „nicht kleiner, sondern klarer“.
Was hat es mit der Namensänderung auf sich?
„Deutsche Post AG“ – so heißt von September an die Tochtergesellschaft für das deutsche Brief- und Paketgeschäft. Die im Dax 40 notierte Muttergesellschaft heißt künftig „DHL AG“. Etwas verwirrend ist, dass es eine ähnliche Nachricht über eine Umbenennung der Post schon einmal vor rund drei Jahren gegeben hatte. Damals aber hatte das Unternehmen lediglich seinen Markennamen von „Deutsche Post DHL“ zu „DHL“ geändert, rechtlich blieb es beim Namen „Deutsche Post AG“. Diesmal hingegen ändert sich der Handelsregistereintrag. Dabei steht „DHL“ nicht etwa für „Deutsche Handelslogistik“, sondern für die Nachnamen der amerikanischen DHL-Gründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Übrigens nahm die Verbindung zwischen Post und DHL ihren Anfang, als die Deutsche Post im Jahr 2002 DHL übernahm.
Welche Änderungen gibt es für die Kunden?
Keine unmittelbaren. „Niemand muss sich von der Deutschen Post verabschieden“, sagt der Sprecher. Für die Kunden bleibe „alles vertraut“, versichert auch Nikola Hagleitner, die im DHL-Vorstand für das deutsche Versandgeschäft zuständig ist: „Briefe, Pakete, Filialen, Packstationen, Poststationen und Briefkästen bleiben da, wo sie gebraucht werden.“ Die Neuerungen sind erst einmal nur auf Unternehmensebene relevant, es werde „Klarheit im Konzern“ geschaffen, sagt Hagleitner. Das internationale Dach bedeute keinesfalls einen Rückzug aus Deutschland, erläutert zudem der Post-Sprecher. „Wir investieren weiterhin jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro in die Modernisierung unseres Netzes, in Infrastruktur, Digitalisierung und Automatisierung.“
Was passiert an der Börse?
Aus der Post-Aktie wird die DHL-Aktie. Aktionäre halten demnächst weiterhin Aktien an der börsennotierten Muttergesellschaft. Indirekt bleiben sie damit auch an der Deutschen Post AG beteiligt. Hinter den Neuerungen könnte zugleich die Hoffnung des Konzerns stehen, am Kapitalmarkt noch stärker als globaler Logistikkonzern wahrgenommen zu werden. Dazu passt, was Konzernchef Tobias Meyer auf der vergangenen Hauptversammlung gesagt hat: „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unser Unternehmen von der ehemaligen Deutschen Bundespost zu einem weltweit führenden Logistikkonzern entwickelt.“ Es sei höchste Zeit, die historisch gewachsene Konzernstruktur den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Wie teuer ist der Konzernumbau?
Nach Angaben der Post entstehen einmalige Kosten von rund 37 Millionen Euro. Darin enthalten sind Vorbereitungskosten, die Kosten der tatsächlichen Ausgliederung, Transaktions- und Beratungskosten und weitere Kosten, die beispielsweise wegen der notwendigen Trennung der IT-Systeme anfallen. Zusätzlich werden höhere laufende Kosten für die Verwaltung der Post als eigenständige Tochtergesellschaft entstehen. Ab 2027 werden diese laufenden Kosten jährlich rund drei Millionen Euro betragen, schätzt das Unternehmen.
Ist die Ausgliederung der erste Schritt zu einem Verkauf der Deutschen Post?
Branchenkenner spekulieren schon lange über diese Frage. Der Konzern beantwortet sie derzeit mit einem klaren „Nein“. Oder in Meyers Worten auf der Hauptversammlung: „Das deutsche Post- und Paketgeschäft bleibt ein wichtiger Teil des Unternehmens.“ Ziel sei vielmehr das Konzernkonstrukt aufzuräumen; Meyer vergleicht das gern mit dem Entwirren eines Wollknäuels. Wahr ist aber auch: Rein theoretisch lässt sich eine eigenständige Tochtergesellschaft leichter restrukturieren, verpartnern oder abstoßen. Hinzu kommt, dass die Deutsche Post schon lange als Sorgenkind des Konzerns gilt. Aktionärsvertreter haben jedenfalls schon mehr als einmal die Frage gestellt, ob DHL mittel- bis langfristig der beste Eigentümer für die Deutsche Post sei.
Welche Folgen hat der Schritt für die Beschäftigten?
Rein formell wechselt der Arbeitgeber von rund 182.000 Mitarbeitern durch die Neuordnung die Position im Konzernkonstrukt. Inhaltlich dagegen passiert für die Betroffenen wenig. Die Stellen, Löhne, Arbeitsorte, Tarifverträge und Mitbestimmung blieben erhalten wie bisher, versichert ein Sprecher. „Für die Arbeitnehmer ergeben sich dadurch keine Nachteile“, hieß es auch schon auf der Hauptversammlung von Konzernchef Meyer. „Auch die Beamten werden unverändert weiterbeschäftigt.“ Chefin der Tochtergesellschaft wird Nikola Hagleitner, die auch schon bisher durch ihre Ressortverantwortlichkeit im Vorstand des Mutterkonzerns die Brief- und Paketsparte leitet. Tobias Meyer wird zusätzlich zu seinem Konzernvorstandsposten Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Tochtergesellschaft.
Vor welchen zentralen Herausforderungen steht die neue Deutsche Post AG?
Die Briefmengen schrumpfen, weil die Kunden immer mehr E-Mails versenden. diesen Wandel versucht die Sparte mit einem wachsenden Paketgeschäft zu kompensieren. Unterm Strich steht aber das traditionelle Heimatgeschäft nur noch für rund ein Fünftel des Umsatzes des DHL-Konzerns. Wichtiger werden etwa Expresssendungen im Ausland, Pharmalogistik, Transporte für Rechenzentren oder Energieunternehmen. Das Unternehmen selbst beschreibt als die „eigentliche Herausforderung“ für die neue Post-Tochtergesellschaft die regulatorischen Rahmenbedingungen. „Politische Entscheidungen können erheblichen Einfluss darauf haben, wie gut sich ein hochwertiger Universaldienst langfristig finanzieren und weiterentwickeln lässt“, heißt es von dem Unternehmen. Die Diskussion über die Mehrwertsteuerbefreiung so genannter Teilleistungen sei ein Beispiel dafür. Dahinter verbirgt sich, dass das Bundeswirtschaftsministerium der Post ein Steuerprivileg bei Geschäftsbriefen streichen will. Zudem steckt die Post in einem wettbewerbsrechtlichen Gerichtsstreit mit dem Deutschen Versand Service (DVS), der noch teuer werden könnte. Der DVS macht einen Schaden von rund einer Milliarde Euro geltend.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Formell-rechtliche Ablösung der Deutschen Post vom Mutterkonzern DHL
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Open Questions
- Wird die Deutsche Post in Zukunft verkauft?
- Wie entwickelt sich der Rechtsstreit mit dem DVS?






