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Franz von Metzler: 'Wir sind zuversichtlich für das zweite Halbjahr'
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Handelsblatt1 hour agoBusiness6 min readGermany

Franz von Metzler: 'Wir sind zuversichtlich für das zweite Halbjahr'

Der Vorstand der Frankfurter Traditionsbank Metzler über geopolitische Risiken, die KI-Euphorie und die Reform der Altersvorsorge in Deutschland.

Quick Look

  • Franz von Metzler, Vorstand des Bankhauses Metzler, äußert sich optimistisch zum Aktienmarkt für das zweite Halbjahr.
  • Er sieht die KI-Euphorie fundamental gestützt, warnt vor geopolitischen Eskalationen und begrüßt die geplante kapitalgedeckte Altersvorsorge.

AI-generated summary

Why It Matters

Das Bankhaus Metzler wurde 1674 gegründet und befindet sich seit über 350 Jahren im Besitz der Gründerfamilie. Franz von Metzler verantwortet seit 2023 das Asset Management der Bank.

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Der Vorstand und Gesellschafter der Traditionsbank blickt trotz geopolitischer Risiken zuversichtlich auf den Aktienmarkt. Und er rechnet mit einem Stimmungswandel.

Franz von Metzler: Der Vorstand der Frankfurter Traditionsbank blickt optimistisch auf die Aktienmärkte.

Frankfurt. Herr von Metzler, es scheint, als jage eine geopolitische Krise die nächste, dennoch feiert die Börse ständig neue Rekorde. Wie lange geht das noch gut?

Sicher, die Geopolitik ist ein wichtiger Taktgeber für die Kapitalmärkte. Wenn man jedoch auf die Fundamentaldaten blickt, haben sich die Erträge der Unternehmen gut entwickelt. Die Euphorie rund um Künstliche Intelligenz spielt auch eine Rolle für die Rally an den Aktienmärkten, aber sie ist auch fundamental gestützt. Und selbst wenn der Irankonflikt kurzzeitig eskaliert, gehen die Börsen mittelfristig davon aus, dass sich die Akteure einigen werden.

Es kann also noch länger gut gehen?

Wir sind zuversichtlich für das zweite Halbjahr. Wenn sich die Erträge der Unternehmen weiter solide entwickeln, erwarten wir keine größeren Rücksetzer.

Was ist das größte Risiko, das die Märkte aktuell übersehen?

Das größte Risiko wäre eine massive Eskalation der geopolitischen Lage, etwa zwischen den USA und dem Iran. Der Kapitalmarkt ist anders positioniert und sieht dieses Risiko nicht. Eine solche Entwicklung würde die Märkte hart treffen.

Wie entwickelt sich die Inflation?

Der Ölpreis ist ein kurzfristiger Störfaktor, aber mittelfristig dürfte sich die Inflation in der Euro-Zone wieder in Richtung des Ziels der Europäischen Zentralbank bewegen.

Vita Franz von Metzler

Nach zwei Jahren als Analyst bei der Großbank HSBC in London trat der studierte Betriebswirt 2014 ins familieneigene Bankhaus ein. Seit 2023 verantwortet er als Vorstand das Geschäft mit institutionellen Anlegern (Asset Management), mit einem verwalteten Vermögen von 80 Milliarden Euro per Ende 2025. Zusammen mit seiner Schwester Elena von Metzler ist er zudem Mehrheitsanteilseigner des Bankhauses. Sie vertreten damit das Bankhaus in zwölfter Generation.

Gegründet vom Kaufmann Benjamin Metzler im Jahr 1674, befindet sich das Bankhaus seit mehr als 350 Jahren im Besitz der Gründerfamilie. 2021 hat sich das Bankhaus als Aktiengesellschaft mit einem externen Aufsichtsrat eine moderne Struktur gegeben. Zuletzt erlöste Metzler in seinen vier Geschäftsbereichen Private Banking, Asset Management, Corporate Finance und Capital Markets 242 Millionen Euro und beschäftigt rund 800 Mitarbeiter.

Wie blicken Sie auf die weltweit wachsende Staatsverschuldung?

Die immense Staatsverschuldung in allen Industrieländern ist bekannt. Entscheidend ist jedoch die Struktur: Wirklich gefährlich wird es, wenn der Anteil externer Gläubiger zu groß wird. Bei den USA bleibt der unerschütterliche Status des US-Dollars als Leitreservewährung bestehen, der sich in absehbarer Zeit nicht ändern wird.

Gibt es eine KI-Blase?

Ich glaube nicht an eine Blase, die kurz vor dem Platzen ist. Zwar sind die Investitionen enorm, aber gleichzeitig verfügen die Unternehmen aus dem erweiterten KI-Universum über eine außerordentliche Ertragskraft. Unternehmen wie Anthropic und OpenAI sind die Spitze des Eisbergs, aber alles, was drum herum angesiedelt ist, profitiert bereits heute enorm und übertrifft selbst außergewöhnlich hohe Umsatz- und Margenziele.

Wenn ein Börsengang wie der von OpenAI floppt: Könnte das nicht der Auslöser für eine massive Verwerfung an den Märkten sein?

Erst einmal muss der Börsengang kommen. Offiziell bekannt ist ja noch nichts. Ich denke jedoch, wenn Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic an die Börse kommen und damit reine KI-Unternehmen erstmals investierbar sind, wird die Nachfrage der Investoren groß sein.

US-Unternehmen werden seit Jahren an der Börse höher bewertet als Konkurrenten in Europa. Bleibt es dabei, oder holen die europäischen Börsen auf?

Der viel zitierte US‑Exzeptionalismus basiert auf einem sehr hohen Umsatz- und Ertragswachstum, besonders im Bereich Künstliche Intelligenz. Derzeit gibt es keine Hinweise, dass sich dieser Trend verlangsamt.

Trotzdem sprechen einige Vermögensverwalter davon, dass internationale Investoren verstärkt in europäische Anlagen umschichten. Beobachten Sie das ebenfalls?

Tatsächlich hat die politische Lage in den USA dazu geführt, dass Europa wieder mehr in den Fokus internationaler Investoren rückt. Besonders die von der Bundesregierung angekündigten Infrastruktur- und Investitionspakete haben Aufmerksamkeit erregt. Aber ein gestiegenes Interesse mündet ja nicht automatisch in Kapitalzuflüsse. Die stehen bisher im Großen und Ganzen noch aus.

Woran liegt das?

Das Interesse der Investoren hat etwas nachgelassen, nachdem sich abgezeichnet hat, dass sich die Reformen verzögern. Allerdings ist es wichtig, der Politik Zeit zu geben. Infrastrukturinvestitionen in Milliardenhöhe lassen sich nicht über Nacht realisieren. Umso wichtiger ist es, dass die Reformvorhaben endlich umgesetzt werden.

Reichen die angekündigten Reformen denn aus, um Deutschland für Investitionen wieder attraktiver zu machen?

Sie sind zumindest ein großer Schritt in die richtige Richtung. Wenn man alle Pakete zusammennimmt, vom Arbeitsmarkt über Steuern bis zur Rente, reden wir von einem Vorhaben, das wir in dieser Größe in Deutschland seit vielen Jahren nicht gesehen haben. Die Chancen stehen gut, dass Deutschland wieder wettbewerbsfähiger und damit auch interessanter für globales Kapital wird.

Was stimmt Sie optimistisch?

Wir haben in den vergangenen Wochen mehrere milliardenschwere Finanzierungsrunden bei deutschen Wachstumsunternehmen gesehen. Die jüngste Häufung mag zufällig sein. Aber sie ist doch ein Zeichen dafür, dass der Standort Deutschland für Investoren interessant ist. Wir sollten uns auch nicht schlechter machen, als wir sind. Generell fällt auf, dass wir in Deutschland manchmal sehr pessimistisch auf die eigene Situation blicken, während das Bild im Ausland viel positiver ist.

Wer regelmäßig mit Mittelständlern spricht, spürt einen tiefen Frust. Viele Unternehmer wollen, wenn überhaupt, eher im Ausland investieren oder denken gar über einen Verkauf nach. Geht da gerade etwas kaputt in Deutschland?

Der Mittelstand ist nach wie vor das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Der Eindruck, den Sie beschreiben, ist sicher nicht falsch. Aber ich bin überzeugt, dass die Politik mit den richtigen Strukturreformen neuen Schwung erzeugen kann. Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun. Wenn die Politik Handlungsfähigkeit zeigt, kann die Stimmung schnell wieder drehen.

Die Landtagswahlkämpfe in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern treten in die heiße Phase ein. Welche Folgen hätte ein starkes Abschneiden der AfD oder ein AfD‑Ministerpräsident für das Investitionsklima in Deutschland?

Das wäre auf jeden Fall nicht förderlich. Die Investoren blicken eindeutig positiv auf die Reformvorhaben der Bundesregierung, aber sie betrachten die politischen Entwicklungen in Deutschland mit Sorge. Auch sind viele Teile des AfD-Wahlprogramms wenig investorenfreundlich. Daher dürfte die Stimmung eher schlechter werden.

Zu den zentralen Reformvorhaben der Bundesregierung gehört die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Was halten Sie von den Plänen?

Ich habe wirklich nicht erwartet, dass die Empfehlung der Alterssicherungskommission tatsächlich umgesetzt werden soll, die gesetzliche Rente durch einen kapitalgedeckten Teil zu ergänzen. Sicher: Die Reform ist zunächst mit höheren Belastungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbunden, da sie auf dem bestehenden Beitragssatz aufsetzt. Das ist dennoch langfristig absolut positiv und disruptiv: Erstmals haben die Bürgerinnen und Bürger über die erste Säule der Altersvorsorge die Möglichkeit, sich am Produktivkapital der Wirtschaft zu beteiligen.

Länder wie Norwegen haben jahrzehntelange Erfahrung darin, öffentliche Gelder gewinnbringend am Kapitalmarkt anzulegen. Deutschland nicht. Wie kann der Bund gewährleisten, dass beim Investieren nichts schiefgeht?

Es gibt auch beim Bund Akteure mit viel Kapitalmarkterfahrung, zum Beispiel den Atomfonds Kenfo oder die Bundesbank. Aus meiner Sicht ist es primär gar nicht so wichtig, wer die Vermögensanlage übernimmt. Wichtig ist vor allem, dass gute Kontrollmechanismen mit marktwirtschaftlichen Prinzipien vereint werden.

Was meinen Sie damit konkret?

Das bedeutet, dass der Bund in den verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen den Wettbewerb unter Vermögensverwaltern bestmöglich nutzt, die dann wiederum die besten Investitionsentscheidungen für alle Rentenversicherten vornehmen.

Erwarten Sie, dass auch Metzler Asset Management mit Mandaten vom Bund bedacht wird?

Wir sind sehr gut in der Steuerung von Aktienstrategien oder Multi-Asset-Mandaten – aber das ist erst einmal nicht der Punkt. Wichtig ist, dass die Reform der Altersvorsorge schnell umgesetzt wird und die zukünftigen Rentner vom Wachstum des Produktivkapitals profitieren.

Wäre es nicht sinnvoll, einen Teil des Geldes aus der kapitalgedeckten Rente in junge Wachstumsunternehmen fließen zu lassen?

Ich würde dazu raten, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Erst muss die Struktur geschaffen und die Kapitalallokation von Experten übernommen werden. Wenn sich eine Kultur des Investierens und eine stärkere Aktienkultur entwickelt haben, kann man darüber nachdenken.

Wie stellt sich Metzler für die Zukunft auf: Greift die Bank aktiv in die laufende Konsolidierung im Private Banking ein?

Wir sind ein Haus, das stark auf sich und weniger auf den Wettbewerb schaut. Uns ist es in den vergangenen Jahren auch sehr gut gelungen, organisch zu wachsen. Gleichzeitig schauen wir uns immer Möglichkeiten an, die unser Geschäftsmodell erweitern. Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr den Nürnberger Pensionsfonds übernommen und können uns in Zukunft auch weitere Transaktionen vorstellen. Aber wir planen keine großen Übernahmen von Wettbewerbern.

Vornehm zurück hält sich Metzler auch beim Thema Private Markets: Während andere Privatbanken ihren reichen Kunden direkte Investments in Private-Equity-Deals bieten, verzichten Sie darauf. Bleiben Sie dabei?

Abgesehen von unserem Angebot in den Anlageklassen Immobilien und Infrastruktur in der institutionellen Vermögensverwaltung ist es richtig, dass wir im Privatkundengeschäft ausschließlich in liquiden Anlageklassen unterwegs sind. Das ist auch sinnvoll, da viele unserer Kunden ohnehin einen großen Teil ihres Vermögens in illiquiden Werten gebunden haben, sei es im Familienunternehmen oder in einem größeren Immobilienbestand. Wir wollen in der Vermögensverwaltung keine Produkte platzieren, sondern ganz unabhängig und ohne Interessenkonflikte Portfolios zusammenstellen und somit Werte über Generationen erhalten.

Lassen Sie mit Ihrer Zurückhaltung bei diesem Thema Wachstum liegen?

Wir haben so viele Wachstumsmöglichkeiten in den Geschäftsfeldern, in denen wir unterwegs sind. Von der Vermögensverwaltung über das Thema Altersvorsorge bis zu Kapitalerhöhungen, Börsengängen, Anleiheemissionen, Fusionen und Übernahmen (M&A). Durch unseren engen Kontakt zu Familienunternehmen sind wir zum Beispiel gut aufgestellt, wenn etwa die Unternehmensnachfolge geregelt werden muss und M&A eine Option ist.

Apropos Nachfolge: In der Branche rechnet jeder damit, dass Sie eines Tages die Gesamtverantwortung für das Bankhaus übernehmen. Wann ist es so weit?

Uns drei Familiengesellschaftern war es sehr wichtig, mit Wolfgang Kirsch einen externen Aufsichtsratsvorsitzenden zu benennen und die Regeln der guten Unternehmensführung einzuhalten. Am Ende ist es die Aufgabe des Aufsichtsrates, einen Vorstandssprecher zu benennen. Aber im Moment stellt sich die Frage nicht.

Open Questions

  • Wann erfolgt der Börsengang von OpenAI?
  • Wie schnell werden die angekündigten deutschen Infrastrukturreformen umgesetzt?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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