Kampagnen gegen AfD-Mehrheit in Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl
Diverse Bündnisse, Kirchen und Prominente mobilisieren vor der Wahl am 6. September gegen eine absolute Mehrheit der AfD, während taktische Wahlempfehlungen für Kritik sorgen.
Quick Look
- Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6.
- September mobilisieren zahlreiche Bündnisse, Kulturinstitutionen und Kirchen gegen eine absolute Mehrheit der AfD.
- Während einige auf allgemeine Werte setzen, werben andere mit taktischen Wahlempfehlungen für SPD und Grüne.
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Why It Matters
Am 6. September 2026 findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Verschiedene Akteure versuchen, eine absolute Mehrheit der AfD durch unterschiedliche Kampagnen zu verhindern.
Eine absolute Mehrheit der AfD verhindern – dieses Ziel eint diverse Kampagnen, die kurz vor der Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt gegen die AfD mobilisieren. Auch wenn das Ziel vieler Kampagnen gleich ist, unterscheiden sich ihre Herangehensweisen deutlich: Während manche primär ein Zeichen setzen wollen, geben andere ganz konkrete Wahlempfehlungen – das passt nicht jedem.
Der Verein „Mehr als uns trennt“ beispielsweise will mit einer Multimediakampagne auf die potentiellen Auswirkungen der AfD-Pläne – etwa in der Kultur oder in der Pflege – aufmerksam machen. Bei einer Tour mit dem Bus durch Sachsen-Anhalt, sind Menschen dazu eingeladen, den Satz „Wahre Heimatliebe ist …“ zu vervollständigen.
„Die AfD redet von Heimatliebe – aber ihre Politik bedeutet Isolation, Investorenflucht und den Verlust von Arbeitsplätzen in unserem Land“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Annemarie Rosenstock, gegenüber der F.A.Z. Reichweite erhält die Kampagne auch durch die Unterstützung diverser Prominenter aus Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, etwa von Sandra Hüller und Christian Friedel.
Auch das Bündnis „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ mobilisiert deutsche Prominenz. Für den Samstag vor der Wahl organisiert das Bündnis eine Demonstration. Anschließend ist ein Demokratiefestival auf dem Domplatz in Magdeburg geplant. Auftreten sollen dort unter anderem die Band Juli, die Band Provinz sowie lokale Künstler.
Darüber hinaus ruft das Bündnis mit einer Plakatkampagne dazu auf, „das Wahlrecht zu nutzen und sich für ein weltoffenes und demokratisches Sachsen-Anhalt einzusetzen“. Mehr als 300 Organisationen, darunter die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt und der Deutsche Gewerkschaftsbund, und mehr als 200 Einzelpersonen sind nach Angaben des Bündnisses an der Kampagne beteiligt. „Mit dieser Plakatkampagne zeigen wir Gesicht“, sagt Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Landesverbandes Sachsen-Anhalt.
„Gesicht zeigen“ für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt will auch ein Bündnis von Kulturinstitutionen, darunter die Stiftung Bauhaus Dessau, die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt und der Museumsverband des Bundeslandes. Für den Fall einer Regierungsübernahme hat die AfD eine „neue patriotische Kulturpolitik“ und eine Kampagne zur Förderung eines „neuen nationalen Selbstbewusstseins“ angekündigt. Unter dem Motto „#stolzaufVielfalt“ will das Bündnis daher auch in den sozialen Medien zeigen, dass Vielfalt eine Stärke sei und Sachsen-Anhalt bereichere.
Auch die Kirchen blicken besorgt auf eine potentielle AfD-Regierung, wirken bei einigen Kampagnen mit, veranstalten Diskussionsrunden oder appellieren mit Bannern und Videos an die christlichen Grundwerte. So legt das Bistum Magdeburg mit der Initiative „Bewusst wählen“ einen Fokus auf Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität.
Der Evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis wirbt mit einem Großbanner an der Marktkirche in Halle für die Botschaft Jesu. Eine Plakatkampagne in Halle verknüpft Werte wie Vielfalt, Gemeinschaft, Respekt und Liebe mit entsprechenden Bibelstellen. In kurzen Videos, die über QR-Codes auf den Plakaten abrufbar sind, erläutern Christen, warum ihnen die jeweiligen Werte für das gesellschaftliche Zusammenleben wichtig sind.
Den Initiatoren hinter den Kampagnen „Taktisch Wählen 2026“ und „Strategisch Wählen!“ reichen solche allgemeinen Statements nicht. Sie versuchen ganz konkret, Menschen dazu zu bewegen, bei der Zweitstimme das Kreuz bei SPD oder den Grünen zu setzen. Sollten beide Parteien in den Landtag einziehen, ist eine Alleinregierung der AfD aktuellen Umfragen nach nicht mehr möglich.
Ihre Vorgehensweise stößt auf Kritik – auch bei Parteien, die das Ziel, eine Alleinregierung der AfD zu verhindern, teilen. In einem offenen Brief an den Vorstand von Campact kritisiert die Partei Volt, die in Sachsen-Anhalt in Umfragen unter „Sonstige“ gelistet wird, das Vorgehen der NGO. Die Initiative schade „der langfristigen demokratischen Willensbildung erheblich“.
Weiter heißt es: „Eine Wahl aus reiner Angst zementiert den Status quo der etablierten Parteien.“ Die Menschen sollten aus politischer Überzeugung anstatt aus taktischen Überlegungen wählen. Die Wahlkampfunterstützung von SPD und Grünen habe „faktisch den Charakter einer massiven externen Parteienfinanzierung“ – so die Kritik.
SPD und Grüne meldeten Mitte August bei der Bundestagsverwaltung einen Betrag von jeweils 310.000 Euro als Großspende an, den sie von Campact erhalten haben. Von der Agentur „the Goodforces“, die hinter der Kampagne „Taktisch Wählen 2026“ steckt, meldeten Grüne und SPD im Juli je knapp 40.000 Euro an. Dabei handelt es sich jeweils um den geschätzten Gegenwert von Werbemaßnahmen, die nach dem deutschen Parteiengesetz genau wie Geldspenden angegeben und von den Parteien angenommen werden müssen. Das ist in beiden Fällen geschehen.
Wie die F.A.Z. berichtete, gibt es neben Diskussionen um die Spendensummen auch Kritik an den „taktischen“ Empfehlungen selbst. Einige CDU-Politiker sowie die FDP Sachsen-Anhalt sehen sich falsch dargestellt. „Taktisch Wählen 2026“ empfiehlt sie explizit nicht zur Wahl – mit der Begründung, sie könnten im Landtag mit der AfD zusammenarbeiten. FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens bezeichnete das Tool als „falsch und bewusst irreführend“. Seitens der Grünen und der SPD kommt hingegen Lob. Auch viele Prominente, etwa Raúl Krauthausen oder Luisa Neubauer, teilen die Beiträge der Kampagnen in den sozialen Medien.
Generell findet ein großer Teil der politischen Debatten und Kampagnen inzwischen in den sozialen Medien statt. Prominente Influencer wie „Marcant“ oder Hannes Kreschel drehen regelmäßig Videos auf AfD-Veranstaltungen und interviewen dort AfD-Wähler und -Sympathisanten. Ihr Ziel: Die AfD gerade für junge Menschen entzaubern, durch Nachfragen zeigen, dass AfD-Sympathisanten keine gut begründeten Argumente haben, Aussagen und Narrative einordnen. Ihre Videos werden teils hunderttausendfach aufgerufen.
Viele Menschen teilen Videos und Beiträge – das digitale Äquivalent zum Flyerverteilen. Andere zeigen in Videos oder Kommentarspalten „Gesicht“. Wie organisiert diese Kampagnen auf allen politischen Seiten funktionieren, ist im Gegensatz zu Präsenzveranstaltungen und Plakatkampagnen im öffentlichen Raum jedoch schwer abzuschätzen.
What to Watch
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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026
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Open Questions
- Wie effektiv sind die taktischen Wahlempfehlungen bei der Wählerstimmenverteilung?
- Welche rechtlichen Konsequenzen ergeben sich aus der Parteienfinanzierung durch NGOs?




