Sahra Wagenknecht: Gemeinsames Dinner von AfD und BSW in Sachsen-Anhalt »völlig daneben«
Quick Look
- Nach einem gemeinsamen Abendessen zwischen BSW und AfD in Sachsen-Anhalt, das vom rechtsextremen Compact-Magazin organisiert wurde, kritisieren BSW-Mitglieder die Nähe zur AfD.
- Parteichefs wie Sahra Wagenknecht und Fabio De Masi distanzierten sich vom Treffen, während BSW-Landesvizefraktionschefin Claudia Wittig einen Fehler einräumte und betonte, solche Ereignisse würden sich nicht wiederholen.
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Why It Matters
Das BSW hatte Tobias Rausch von der AfD zur Wahl des Landtagspräsidenten unterstützt, um seine Mehrheit abzusichern. Zwei Tage später fand ein gemeinsames Abendessen zwischen BSW und AfD statt, organisiert vom rechtsextremen Compact-Magazin zur Eröffnung ihres TV-Studios in Magdeburg.
Auf den Fotos des Abends prosten Sachen-Anhalts BSW-Vizefraktionschefin Claudia Wittig und AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner sich zu, auch BSW-Landeschef John Lucas Dittrich ist über der Bildunterschrift »Prima Klima« gut gelaunt zu sehen: Die Aufnahmen hat das rechtsextreme »Compact«-Magazin veröffentlicht. Es hatte BSW und AfD zu einer Studioeröffnung samt gemeinsamem Abendessen eingeladen. Jetzt gibt es in den Reihen des BSW Kritik an der Nähe zu der als rechtsextrem eingestuften AfD in Sachsen-Anhalt.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht verurteilte das Essen gegenüber dem SPIEGEL deutlich. Mit allen im Landtag vertretenen Parteien zu reden, sei richtig, sagte sie. Aber: »Gemeinsame Dinner sind völlig daneben.«
BSW-Chef Fabio De Masi hatte schon einen Tag nach dem Treffen auf X klargestellt, dass zwischen seiner Partei und der AfD »nicht der Eindruck der Kumpanei oder einer privilegierten Partnerschaft entstehen dürfe«. Das Treffen nannte er dabei allerdings nicht explizit.
»Wir bedauern den Fehler, so etwas wird sich nicht wiederholen«
Nun räumte auch die am Essen beteiligte BSW-Landesvizefraktionschefin Wittig einen Fehler ein: »Der Eindruck politischer Nähe, der über die Fotos vermittelt wird, ist falsch«, teilte sie dem SPIEGEL mit. Es sei unklug gewesen, nach der Studioeröffnung zum Essen zu bleiben. »Wir bedauern den Fehler, so etwas wird sich nicht wiederholen«, so Wittig. Sie werde aber auch zukünftig mit allen im Landtag vertretenen Parteien sprechen und »Mehrheiten für vernünftige Positionen suchen und nutzen«.
Zuvor hatte sich Wittig auf X noch verteidigt: »Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten können zusammen essen und auch ein Glas Wein zusammen trinken.« Und weiter: »Wäre vielleicht nicht verkehrt, wenn die friedliche Koexistenz verschiedener Meinungen auch im Alltag wieder normaler würde.«
Der rechtsextreme Publizist und »Compact«-Chefredakteur Jürgen Elsässer hatte am Freitag auf X von einem »historischen Zusammentreffen« geschrieben. Zur Eröffnung ihres TV-Studios Magdeburg am Donnerstag hätten sie alle Landtagsabgeordneten von BSW und AfD eingeladen, »25 Abgeordnete erwiesen uns die Ehre (alle fünf vom BSW, 20 von der AfD)«. Die geschlossene Veranstaltung habe »dem persönlichen Kennenlernen« gedient, aber es sei auch »so manche strategische Frage diskutiert« worden.
Das Treffen fand zwei Tage nach der historischen Wahl im Parlament von Sachsen-Anhalt statt: Mit Tobias Rausch hat zum ersten Mal seit dem Nationalsozialismus ein Politiker einer rechtsextremen Partei das Amt eines Landtagspräsidenten inne. Da die AfD selbst keine absolute Mehrheit hat, war sie dafür auf Stimmen von anderen Parteien angewiesen. Schon vor der Wahl hatte das BSW angekündigt, Rausch mitwählen zu wollen und so seine Mehrheit abzusichern.
Mehr über die riskante Strategie des BSW, die AfD zu unterstützen und gleichzeitig Distanz zu halten, lesen Sie hier .
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das BSW wird zukünftig vorsichtiger bei gemeinsamen Veranstaltungen mit der AfD sein und solche Treffen vermeiden.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wird das BSW seine Zusammenarbeit mit der AfD bei zukünftigen Wahlen fortsetzen?
- Wie wird das Vertrauen innerhalb des BSW nach diesem Vorfall wiederhergestellt?
- Welche Konsequenzen zieht die Parteiführung aus dem Vorfall?






