
Niedrige Speicherstände und geopolitische Unsicherheiten erhöhen das Preisrisiko bei Gas. Wie stark die Gasrechnung steigen könnte, lässt sich bereits beziffern.
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Seit dem Krieg im Iran steigen die Gaspreise an den internationalen Märkten. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher niedriger gefüllt als in Vorjahren.
Niedrige Speicherstände und geopolitische Unsicherheiten erhöhen das Preisrisiko bei Gas. Wie stark die Gasrechnung steigen könnte, lässt sich bereits beziffern.
Berlin. Für Haushalte wächst das Risiko höherer Gasrechnungen. Seit Ausbruch des Kriegs im Iran sind die Gaspreise an den internationalen Gasmärkten spürbar gestiegen. Gleichzeitig liegen die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland laut Bundesnetzagentur zu Beginn der Heizsaison deutlich unter denen vergleichbarer Zeiträume früherer Jahre.
„Wer mit Gas heizt, muss im kommenden Winter mit höheren Kosten rechnen“, sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Ramona Pop, dem Handelsblatt. Wie stark die Gasrechnung steigen könnte, lässt sich bereits beziffern – und für manche Haushalte könnten die Mehrkosten zum finanziellen Problem werden.
Die „spürbar“ gestiegenen Weltmarktpreise nach Ausbruch des Irankriegs erhöhten den Druck auf die Versorger, sagte Pop. „Erfahrungsgemäß kommt das früher oder später auch bei den Haushalten an.“
Die Wohnungswirtschaft warnte bereits vor Risiken „für Millionen Mieterhaushalte“ im kommenden Winter. Was genau steckt dahinter? Welche Risiken drohen? Eine Übersicht.
Wer heizt in Deutschland mit Gas?
Obwohl sich hierzulande zunehmend elektrisch betriebene Wärmepumpen durchsetzen, wird die Mehrheit der Wohnungen noch immer mit fossilen Energien beheizt – vor allem mit Gas. Der Anteil der mit Gas beheizten Wohnungen liegt laut jüngstem Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur bei 56,1 Prozent, gefolgt von Heizöl mit 17,3 Prozent und Fernwärme mit 15,5 Prozent.
Was haben Eigentümer und Mieter kurzfristig zu erwarten?
Schon seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ist das Heizen mit Erdgas erheblich teurer geworden. Zwischenzeitlich hatte sich die Lage entspannt. Durch den Irankrieg sind die Großhandelspreise für Erdgas wieder gestiegen.
Laut dem Eigentümerverband Haus & Grund sind die jüngsten Preissteigerungen im Großhandel bei den meisten Haushalten jedoch noch nicht vollständig angekommen. Viele Energieversorger beschaffen Gas langfristig und geben höhere Beschaffungskosten deshalb erst zeitlich verzögert an ihre Kunden weiter, heißt es zur Erklärung.
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform warnt vor den finanziellen Folgen. „Teure Heizkosten werden vor allem diejenigen treffen, die einen Großteil ihres Einkommens für die Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel und eben Energie aufbringen müssen“, sagte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, dem Handelsblatt. „Für sie kann eine zusätzliche Nachzahlung zum Auslöser von Zahlungsproblemen werden.“
Welche Bedeutung haben die Füllstände der Gasspeicher für private Haushalte?
Laut Bundesnetzagentur lag der Füllstand der Gasspeicher am 26. September bei 57,37 Prozent, „deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen vergangener Jahre“. Die Gasversorgung gilt trotzdem als stabil. „Auf dem Weltmarkt ist ausreichend Gas verfügbar, und es sind ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden“, heißt es.
Zudem sind private Haushalte im Fall einer Gasmangellage laut geltender Rechtslage vorrangig zu versorgen. Die Wohnungswirtschaft ist dennoch besorgt. „Der gesetzliche Schutz vor einer Versorgungsunterbrechung schützt die Menschen nicht vor höheren Heizkosten“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der sozial orientierten Wohnungswirtschaft (GdW), dem Handelsblatt.
Er verweist darauf, dass ein niedriger Füllstand sich auch auf die Gaspreise auswirken könnte. Je niedriger der Füllstand sei, desto mehr komme es darauf an, dass das Zusammenspiel aus Importen, Speichern und Netzen auch während einer längeren Kältephase ausreichend leistungsfähig bleibe, sagt Gedaschko.
Wie hoch könnten die Preissteigerungen ausfallen?
Einen Anhaltspunkt liefert eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. Demnach müssen Bestandskunden innerhalb des nächsten Jahres mit Preiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent rechnen, sofern das gegenwärtig hohe Großhandelspreisniveau anhält.
Laut Verivox liegt der durchschnittliche Gaspreis bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) derzeit bei 12,52 Cent pro kWh. Die Heizkosten beliefen sich damit auf 2504 Euro.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hatte in seiner letzten Gaspreisanalyse für August einen Preis von durchschnittlich 12,45 Cent pro kWh bei einem Einfamilienhaus zugrunde gelegt. 11,71 Cent waren es in einem Mehrfamilienhaus mit sechs Parteien und einem Verbrauch von jeweils 13.333 kWh.
Würden nun die Preise um durchschnittlich 15 Prozent steigen, würden die jährlichen Gaskosten in einem Einfamilienhaus von rund 2490 Euro auf etwa 2864 Euro steigen, warnt Haus & Grund. Das entspräche einer zusätzlichen Belastung von 374 Euro. Für eine Wohnung in einer Eigentümergemeinschaft würden sich the Kosten um rund 234 Euro auf etwa 1796 Euro erhöhen.
Welche anderen Faktoren wirken sich aus?
Die Stiftung Zukunft Klimasozial weist darauf hin, dass der Preis wohl noch stärker gestiegen wäre, wenn die Gasspeicherumlage nicht seit 2026 entfallen wäre. Diese war im Zuge der letzten Energiekrise 2022 von der Bundesregierung eingeführt worden, um das Befüllen der Gasspeicher zu finanzieren.
2027 wird sich zudem dämpfend auswirken, dass der nationale CO2‑Preis auf Öl und Gas nicht steigen wird. Der Preis, der auf Grundlage des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) seit 2021 in Deutschland erhoben wird, soll das Heizen mit fossilen Brennstoffen schrittweise teurer machen.
Alexander Steinfeldt, Energieexperte bei der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2Online, sagte kürzlich, langfristig werde Gas zu den teuersten Heizformen zählen. „Seit zwei Jahrzehnten verfolgen wir, wie sich die Heizkosten in Deutschland entwickeln“, sagte CO2Online-Geschäftsführerin Tanja Loitz. „Der Trend ist inzwischen eindeutig: Das Zeitalter günstiger fossiler Energien ist seit der Energiekrise vor vier Jahren vorbei.“
Bis 2045 könnten sich die Heizkosten für Gas- und Ölheizungen mehr als verdoppeln. Ursachen hierfür sind laut CO2Online steigende CO2‑Kosten, höhere Netzentgelte sowie die sogenannte Bio-Treppe. Dabei handelt es sich um ein stufenweises Modell zur Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe in Gas- und Ölheizungen.
Gibt es Einsparmöglichkeiten?
CO2Online sieht Einsparmöglichkeiten. Der Heizspiegel zeige, dass viele Haushalte ihre Heizkosten bereits heute deutlich senken könnten. Im Durchschnitt ließen sich in einer Wohnung etwa 465 Euro pro Jahr einsparen, in einem Einfamilienhaus seien es sogar 1000 Euro. Das gelinge durch Verhaltensänderungen wie einen geringeren Warmwasserverbrauch oder Heizungsoptimierungen, Dämmmaßnahmen oder einen Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme. Verivox rät dazu, die Tarife von Gasanbietern zu vergleichen.
Creditreform sieht in den niedrigen Füllständen ein „Warnsignal“, auch für Handel und Dienstleister. Der höhere Heizpreis schwäche die Konsumbereitschaft der Verbraucher „und schafft weitere Probleme für unsere Binnenwirtschaft“, sagte Hantzsch.
Verbraucherschützerin Pop forderte die Bundesregierung auf, Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen „gezielt bei den Energiekosten“ zu entlasten. „Gleichzeitig muss Deutschland seine Abhängigkeit von fossilen Energien weiter verringern, um weniger anfällig für internationale Preisschocks zu werden“, sagte sie.
AI outlook — possibilities, not facts
Preiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent für Gaskunden im nächsten Jahr
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