
Trotz Sicherheitsversprechen des Konzerns führen gefährliche Mutproben auf Tiktok zu tödlichen Unfällen in Großbritannien und Irland.
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Tiktok behauptet, 99,8 Prozent der regelwidrigen Inhalte vorausschauend zu löschen. Die Plattform verbietet laut eigenen Richtlinien die Anstiftung zu Gewalt und schädlichen Handlungen.
99,8 Prozent der Inhalte, die gegen die Richtlinien verstießen, habe man zwischen Januar und März dieses Jahres vorausschauend gelöscht, teilt der chinesische Social-Media-Konzern Tiktok mit.
Ob das stimmt, weiß niemand. Feststellen lässt sich jedoch, was Tiktok nicht gelöscht hat: Videos zu der sogenannten „Driving Wrong Way Challenge“, bei der es ums bewusste Falschfahren geht.
In den vergangenen Tagen sind bei solchen „Mutproben“ der „Joyriders“, wie sie sich nennen, zwölf Menschen gestorben, fünf in Irland, sieben in England. Auf einer Autobahn bei Middlesbrough rasten fünf junge Männer in der verkehrten Richtung frontal in einen Streifenwagen, zwei Polizeibeamte und die fünf „Geisterfahrer“ kamen ums Leben. Auf einer Autobahn nahe Dublin stießen ebenfalls fünf junge Falschraser mit einem Wagen, der auf der richtigen Seite fuhr, zusammen, fünf Tote und vier Schwerverletzte waren das Ergebnis.
Unternommen werden die Wahnsinnsfahrten um der Aufmerksamkeit auf Social Media willen. Ein Tiktok-Account, der, wie britische Medien berichten, dem 18 Jahre alten Falschfahrer, der bei Middlesbrough am Steuer saß, zugeschrieben wird, habe genau solche lebensgefährlichen Fahrten gezeigt. Inzwischen seien die Videos gelöscht worden.
„Sie wissen, dass Leute Inhalte posten, um Aufrufe zu erlangen“
„Inzwischen“ ist indes zu spät. Und dass man der 99,8-Prozent-Lösch-Beteuerung von Tiktok nicht unbedingt glauben muss, sondern im Gegenteil vermuten darf, dass der tödliche Irrsinn mit hoher Umdrehung auf Social Media läuft und läuft und läuft, hat der britische Verteidigungsminister Luke Pollard im Gespräch mit der BBC unterstrichen. „Die Social-Media-Unternehmen“, sagte Pollard, „können das noch heute entfernen und ihre Algorithmen anpassen, damit das nicht gefeiert wird.“ Die Konzerne wüssten „genau“, welche Inhalte es bei ihnen gebe und was die Algorithmen damit anstellen. „Sie wissen, dass Leute Inhalte posten, um Aufrufe zu erlangen.“ Je mehr Aufrufe man bekomme, desto mehr Geld könne man verdienen, sodass sich anstößige Inhalte im Wortsinne auszahlten.
Für die „Driving Wrong Way Challenges“ bezahlen die von allen guten Geistern verlassenen Falschfahrer indes unter Umständen mit dem Leben, ihrem eigenen und dem derjenigen, deren Wege sie kreuzen. So zeigt sich wieder einmal, dass die vermeintlich so perfekt funktionierende Selbstkontrolle der Social-Media-Konzerne versagt. „Wir erlauben keine Drohungen, keine Anstiftung oder Verherrlichung von Gewalt, keine Förderung von Straftaten und keine Anleitungen zu schädlichen Handlungen“, heißt es in den Hausregeln von Tiktok. Das ist Schall und Rauch. Die Raserei geht weiter.
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