Wahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund will nur mit stabiler Mehrheit regieren – Schulze diese nur noch verhindern
Quick Look
- Im Duell der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kritisiert CDU-Ministerpräsident Schulze die AfD-Pläne als unrealistisch und warnt vor den Folgen einer migrationsfeindlichen Politik, während AfD-Herausforderer Siegmund mehr Abschiebungen, niedrigere Spritpreise und eine Neuausrichtung des Verfassungsschutzes fordert.
- Beide kandidieren für die Wahl am kommenden Sonntag, bei der die AfD laut Umfragen über 40 Prozent erreichen könnte.
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Why It Matters
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am kommenden Sonntag statt. Die AfD liegt in Umfragen bei über 40 Prozent und könnte erstmals eine Regierungsbeteiligung in einem ostdeutschen Bundesland anstreben. Die CDU regiert derzeit mit Schulze als Ministerpräsidenten.
Wahl in Sachsen-AnhaltSiegmund will nur mit stabiler Mehrheit regieren – Schulze diese nur noch verhindern
2. September 2026, 15:29 Uhr|
Im Duell der Spitzenkandidaten zeigt der CDU-Ministerpräsident immer wieder die Grenzen der AfD-Pläne auf. Sein Herausforderer will mehr abschieben, die Spritpreise senken und fürchtet „ausländische Ärzte, die kein Deutsch sprechen“.
Alle Entwicklungen im Liveblog
Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Schulze: „Keine Luftschlösser bauen"
Von „ausländischen Ärzten“, die kein Deutsch sprechen
Kandidaten setzen ihre Themen - Siegmund will Verfassungsschutz neu ausrichten
Weiteres Duell zwischen Spitzenkandidaten Schulze und Siegmund
Ökonomen warnen vor negativen Folgen einer migrationsfeindlichen Politik
Wie könnte eine Regierung aussehen?
Am Ende der Themenblocks diskutieren die vier Männer die Machtfrage. Mit welchen Mehrheitsverhältnissen würden die beiden Spitzenkandidaten eine Regierung bilden? Weder Schulze noch Siegmund möchte den Wahlergebnissen vorgreifen. Siegmund hätte gerne eine Mehrheit von mehr als zwei Sitzen im Parlament für seine Partei, um „Geschichte zu schreiben“. Schulze, deutlich bescheidener, will weder mit AfD noch mit Linken eine Regierung bilden, aber ist nach eigenen Aussagen dennoch für Koalitionen mit allen anderen offen. Wie das mit den aktuellen Umfrageergebnissen gelingen sollte, fragen die Moderatoren leider nicht.
Schulze: „Keine Luftschlösser bauen"
Weiter geht es in Halle mit den Themen Bildung und Haushalt. Schulze nennt viele der Aussagen Siegmunds „unseriös“ und „unrealistisch“ – besonders die teuren Versprechen, die die AfD macht, ohne zu sagen, wie sie etwa kostenlose Kitaplätze oder Schulessen finanzieren will. Das Land Sachsen-Anhalt ist verschuldet, wie auch die Moderatoren mehrfach betonen. Schulze weist bei der Verschuldung auf äußere Faktoren hin und sagt: „Wir dürfen im Wahlkampf keine Luftschlösser bauen“. Da stimmt ihm der Herausforderer sogar zu, vermisst aber einen „langfristigen Plan für dieses Land“.
Schulze zeigt Grenzen der Landespolitik auf
Was kann ein Ministerpräsident Sachsen-Anhalts überhaupt entscheiden, ist eine wiederkehrende Frage des Wahlkampfs. Die AfD hält sich gerne an Themen, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich des Bundes gehören und suggeriert aber eine Untätigkeit der Landesregierung. So möchte Siegmund die Spritpreise senken, in dem er Steuerabgaben senkt und hält symbolisch eine Tankquittung in die Kamera. Schulze bleibt nicht viel, außer dem Mitbewerber erneut zu erklären, dass er sich für das Amt des Ministerpräsidenten bewirbt – und was das für die Umsetzung seiner politischen Agenda bedeutet.
Siegmund will mehr Abschiebungen
„Alles ist möglich“, wenn es um das Thema Abschiebung geht, sagt Siegmund, und greift dazu auch gern die unter seinen Parteikollegen beliebte Aussage auf, „bis die Landebahnen glühen“. CDU-Ministerpräsident Schulze hält dagegen, dass das kein Thema der Landespolitik sei und die Bundesregierung ohnehin schon eine Reihe verschärfter Maßnahmen erlassen habe. Der Frage, wie Siegmund Staaten in aller Welt dazu bringen will, abgeschobene Asylsuchende aus Deutschland überhaupt wieder aufzunehmen, weicht er allerdings aus.
Von „ausländischen Ärzten“, die kein Deutsch sprechen
Lange hat es nicht gedauert, bis die Moderatoren die Diskussion zum AfD-Lieblingsthema, der Zuwanderung, lenken. Zwischen Schulze und Siegmund entspinnt sich eine Diskussion, was „kulturfremd“ – ein Wort aus dem Wahlprogramm der AfD – bedeuten soll und wie die „ausländischen Ärzte und Pflegekräfte“ in das AfD-Konzept passen. Siegmund wirft wiederholt die Frage auf, wie ein Arzt, der kein Deutsch spricht, denn einen Patienten behandeln solle. Hier wäre vielleicht der direkte Faktencheck der Moderatoren gut gewesen, ob es davon in Magdeburg oder Halle an der Saale tatsächlich eine nennenswerte Anzahl gibt.
Was tun gegen den Fachkräftemangel?
Der erste Themenblock ist die Wirtschaftslage des Bundeslandes und vor allem der von Wirtschaftsverbänden beklagte Arbeitskräftemangel. AfD-Kandidat Siegmund will die Verwaltung abbauen, damit wieder mehr Mitarbeiter der freien Wirtschaft zur Verfügung stehen. Außerdem will er ins Ausland ausgewanderte Deutsche nach Sachsen-Anhalt holen – und gleich noch prophylaktisch verhindern, dass all jene, die es ebenfalls in die Ferne zieht, ihren Plan umsetzen. CDU-Mann Schulze setzt klassisch auf die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, egal woher. Und bewirbt noch einmal die Leistung seiner Partei: eine ohnehin schon deutlich gesenkte Arbeitslosenquote.
Kandidaten setzen ihre Themen - Siegmund will Verfassungsschutz neu ausrichten
Das Duell der Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) beginnen die Moderatoren Michael Bock, stellvertretender Chefredakteur der Volksstimme, und Hagen Eichler, Landtagskorrespondent der Mitteldeutschen Zeitung, mit einer kleinen Vorstellung der Kandidaten und der Aufgabe für diese, drei von den Moderatoren angeführte Sätze zu vollenden. Keine leichte Aufgabe für Politiker, die einen Satz gewohnheitsmäßig lieber mit einem kleinen Monolog abschließen. Aber es fallen schon mal wichtige Stichwörter. AfD-Mann Siegmund möchte die „Sprache des Volkes wieder sprechen“ und den „Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt auf seine eigentliche Grundaufgabe zurückführen, Straftäter, Terroristen und Gewalttäter aus dem Verkehr zu holen, beispielsweise bevor sie in Weihnachtsmärkte fahren, und nicht mehr die Opposition zu bekämpfen.“ Seine Partei wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, was die AfD immer wieder als ungerechtfertigt anprangert. CDU-Ministerpräsident Schulze will die Rente mit 63 trotz Bundestagsbeschluss erhalten und außerdem „liefern statt labern“.
Anna Schimpp
Weiteres Duell zwischen Spitzenkandidaten Schulze und Siegmund
Um 13.30 Uhr stehen sich die Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) erneut im Wahlkampf gegenüber. Das Duell wird von der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) und der Volksstimme veranstaltet und kann dort online im Livestream verfolgt werden. Vorab konnten Leser von MZ und Volksstimme Fragen an die Spitzenkandidaten einsenden.
Bereits vergangenen Mittwoch trafen der CDU-Ministerpräsident Schulze und sein Herausforderer Siegmund in einer TV-Debatte in der MDR-Sendung „Fakt ist!“ aufeinander. Zu Beginn des Duells stellte der Moderator Gunnar Breske fest, dass der Ton „sehr rau“ sei.
„Die Menschen, mit denen Sie sich umgeben, sind sehr gefährliche, sehr extreme Menschen.“
Sven Schulze (CDU)
Schulzes Aussage, dass sich der AfD-Mann Siegmund mit „sehr gefährlichen“ Menschen umgebe, folgte auf die Diskussion um die Bezeichnung von Politkern als „Flachzangen“. AfD-Vorsitzende Alice Weidel hatte die Mitglieder der Bundesregierung so bezeichnet. Die Bundeschefs der Parteien blieben auch weiterhin Thema der Diskussion.
So bezeichnete Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze seinem Kontrahenten Siegmund als Marionette von Weidel. Doch auch der Herausforderer Siegmund traf womöglichen einen wunden Punkt, als er sein Gegenüber auf den unbeliebten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ansprach. Die Debatte bewegte sich vor allem in der zweiten Hälfte zu inhaltlich sachlicheren Themen hin. Neben Wirtschaft und Bildung wurde auch das umstrittene Thema Migration diskutiert.
So lief das vergangene TV-Duell zwischen Schulze und Siegmund im MDR:
Anna Schimpp
SPD-Innenminister Maier: AfD-Innenminister wäre „eklatantes Sicherheitsrisiko"
Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) warnt vor negativen Folgen eines möglichen AfD-Innenministers im Nachbarland Sachsen-Anhalt. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte Maier:
„Sollte in Sachsen-Anhalt ein Innenminister der AfD ins Amt kommen, wäre das aus meiner Sicht ein eklatantes Sicherheitsrisiko für die Bundesrepublik.“
Georg Maier (SPD)
Ein Innenminister der in einigen ostdeutschen Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei hätte dann Zugang zu hochgeheimen Informationen, „zum Beispiel im Bereich Spionageabwehr, aber auch Rechtsextremismus“. Deshalb sollte in Erwägung gezogen werden, bestimmte Informationen für diese Bereiche im Rahmen des Verfassungsschutzverbunds von Bund und Ländern nicht mehr dem Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt zur Verfügung zu stellen.
Lesen Sie mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:
Ökonomen warnen vor negativen Folgen einer migrationsfeindlichen Politik
Eine ausländerfeindliche Politik nach der Landtagswahl könnte die Wirtschaft des Bundeslandes einer Studie zufolge teuer zu stehen kommen. Tausende Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von bis zu 3,2 Milliarden Euro könnten verloren gehen, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nach einer Studie mitteilte.
„Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen“, sagte IWH-Präsident Reint Gropp. „Wenn die Politik Stimmung gegen Zuwanderung macht, werden Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben. Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.“
Meinungsumfragen sehen die AfD als stärkste Partei, die einen drastischen Kurswechsel in der Migrations- und Asylpolitik anstrebt. Den Berechnungen der Forscher zufolge würden dem Bundesland bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2031 bei einer Fortführung der aktuellen Politik bereits 32 000 Beschäftigte fehlen. Bei einer migrationsfeindlichen Politik würde diese Lücke auf 46 000 anwachsen.
Besonders betroffen wären Branchen, in denen bereits heute ein hoher Ausländeranteil und ein bundesweiter Fachkräftemangel zusammenkommen. Dazu zählen die Lebensmittelzubereitung, die Gastronomie, der Tiefbau, die Logistik sowie die Human- und Zahnmedizin. Die Forscher heben hervor, dass in Sachsen-Anhalt bereits heute jeder fünfte Arzt keinen deutschen Pass hat.
Lesen Sie dazu das SZ-Interview mit Reint Gropp, in dem er eindringlich vor einer AfD-Regierung warnt:
Merz beklagt Spaltungsversuch
Bundeskanzler Friedrich Merz hat Spekulationen zurückgewiesen, dass er bei einem Debakel für die CDU bei den bevorstehenden Landtagswahlen von der eigenen Partei aus dem Amt gedrängt werden könnte. In einem Interview der Mitteldeutschen Zeitung und der Magdeburger Volksstimme wertete der CDU-Vorsitzende solche Äußerungen als Spaltungsversuch von außen.
„Das Ergebnis einer Landtagswahl gefährdet nicht die Stabilität der Bundesregierung. “
Bundeskanzler Friedrich Merz
Auf die Frage, ob er angesichts der Spekulationen um sein Amt fürchte, sagte Merz: „Nein. Da wird von außen versucht, einen Keil in die Union zu treiben. Das Ergebnis einer Landtagswahl gefährdet nicht die Stabilität der Bundesregierung.“
Viel Interesse an Briefwahl in Sachsen-Anhalt
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag gibt es viel Interesse an der Briefwahl. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335 000 der rund 1,69 Millionen Wahlberechtigten Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das sind mehr als die knapp 315 567 Menschen, die bei der Landtagswahl vor fünf Jahren per Brief abgestimmt haben, wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte.
Vergangene Woche hatte der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla gemutmaßt, bei der Briefwahl könnte nicht alles mit rechten Dingen zugehen. Daraufhin hatte Landeswahlleiterin Christa Dieckmann Spekulationen zurückgewiesen, die Briefwahl sei unsicher und leicht manipulierbar. Diese Behauptungen, egal von wem erhoben, seien nicht neu.
Willkommen im SZ-Liveblog
Am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neues Parlament gewählt. Was die Wahl bundesweit hochrelevant macht: Die AfD steht aktuell bei mehr als 40 Prozent – und ist somit einer möglichen Regierungsverantwortung in einem deutschen Bundesland so nah wie noch nie. In den kommenden Tagen finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier alle wichtigen Nachrichten rund um die Landtagswahl und am Sonntag werden wir Sie an dieser Stelle mit Hochrechnungen, Auszählungen und ersten Erkenntnissen zu den Ergebnissen versorgt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD wird bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt über 40 Prozent der Stimmen erreichen.
Likely · Within days
Sven Schulze wird versuchen, eine Koalition ohne AfD und Linke zu bilden, falls die CDU die stärkste Partei wird.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie genau will die AfD die Spritpreise senken, ohne die Landesfinanzen zu belasten?
- Wie will die AfD abgeschobene Asylsuchende in ihre Herkunftsländer zurückbringen, wenn diese die Aufnahme verweigern?
- Gibt es in Sachsen-Anhalt tatsächlich eine nennenswerte Anzahl ausländischer Ärzte, die kein Deutsch sprechen?
- Wie soll der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt neu ausgerichtet werden, ohne gegen verfassungsrechtliche Vorgaben zu verstoßen?






