
Ein aus den USA stammender Trend, bei dem Personen in Kostümen andere erschrecken, führt in Sachsen-Anhalt zu Polizeieinsätzen und Ermittlungen.
AI-generated summary
Der Trend basiert auf einem Filmmeme aus dem Jahr 2024, das Szenen aus dem Film 'Ein Kater macht Theater' (2003) nutzt. Ursprünglich als KI-generiertes Phänomen in Irland gestartet, verbreitete es sich weltweit über soziale Medien.
Die Polizei in Sachsen-Anhalt warnt vor einem Internettrend, bei dem Menschen mit Katzenkostüm und rot-weißem Hut andere erschrecken oder verfolgen. In Coswig (Anhalt) sei eine so verkleidete Person mehrfach gesehen worden, eine Anzeige liege vor, teilte die Polizeiinspektion Dessau-Roßlau auf X mit. Das könne strafbar sein. Die Behörde rät, nicht mitzumachen, niemanden zu erschrecken oder zu verfolgen, Inhalte nicht in den sozialen Medien zu teilen und keine persönlichen Daten als mögliches „Ziel“ zu posten. Wer bedroht oder verfolgt werde, solle die 110 wählen.
Nach Angaben des Polizeireviers Wittenberg soll am 19. September gegen 23 Uhr eine Person im Katzenkostüm fast eine halbe Stunde vor einem Wohnhaus in Coswig gewartet haben. Eine Anwohnerin fühlte sich bedroht. Die Polizei ermittelt, nachdem auch zahlreiche Videos, zum Teil mit über einer Million Aufrufen, bei Tiktok für Aufsehen sorgten. Als mögliche Straftaten nennt die Polizei Bedrohung, Nötigung und Nachstellung. Auch wer Namen oder Wohnorte als Ziele veröffentlicht, müsse mit rechtlichen Folgen rechnen.
Im wenige Kilometer entfernten Zerbst löste die angebliche Sichtung einer Person im Katzenkostüm mit Hut einen Polizeieinsatz an der Sekundarschule Ciervisti aus. Das berichtete die „Volksstimme“. Zuvor hatten entsprechende Bilder auch in der Stadt die Runde gemacht. Ob sie echte Sichtungen zeigen, ist offen. Die Polizeiinspektion Dessau-Roßlau warnt inzwischen selbst mit einem KI-generierten Bild vor dem Trend.
Die Figur, die mit dem Kostüm nachgestellt wird, stammt aus dem 1957 erschienenen Kinderbuch „The Cat in the Hat“ von Dr. Seuss. Das Erscheinungsbild, das sich nun vielfach im Netz verbreitet, geht vor allem auf die Realverfilmung von 2003 zurück, die in Deutschland unter dem Titel „Ein Kater macht Theater“ herauskam. Mike Myers spielte darin den Kater im Fellkostüm.
Neu ist der bedenkliche Trend, im Katzenkostüm anderen Menschen nachzustellen und ihnen Angst einzujagen, nicht. Aber mit den Sichtungen in Sachsen-Anhalt ist er nun erstmals auch nach Deutschland geschwappt. Seinen Ursprung hat der Trend in einem Filmmeme aus dem Frühsommer: Am 30. Juni veröffentlichte der Tiktoker Daletok nach Angaben der Website „Know Your Meme“ die Szene aus der Verfilmung von 2003, in der Mike Myers als Kater tanzt.
Die Bildunterschrift spottete sinngemäß über Jugendliche, die auf dem Abschlussball ausgelassen tanzen, nur um zwei Wochen später eine Überdosis zu nehmen. Der fröhlich tanzende Kater stand in dem Kurzvideo für einen solchen Feiernden. Unterlegt war der Clip mit dem düsteren Stück „Gats“ von Susumu Hirasawa aus dem Anime „Berserk“. Innerhalb einer Woche erreichte der Beitrag demnach mehr als 4,4 Millionen Aufrufe. Mittlerweile ist das Video gelöscht.
Anfang Juli entwickelte sich aus der tanzenden Katze dann ein Meme, als andere Nutzer begannen, es aufzugreifen: Sie schnitten Filmszenen im Stil von Horrorfilmen oder vermeintlichem Found-Footage-Material zusammen. Doch dabei blieb es nicht. Weitere Videos sollen den menschgroßen Kater mit dem rot-weiß-getreiften Zylinder zeigen, wie er in einer irischen Nachbarschaft in Wexford sein Unwesen treibt und eine Frau verfolgt.
Ähnliche Motive mit anderen Ortsangaben folgten, teils auch im Stil von Türkamera-Aufnahmen. Am 20. August bestätigte die irische Polizei, dass die Bilder mit KI erstellt worden seien, berichtete der „Irish Mirror“. Zudem kursierte eine gefälschte Polizeimeldung über Sichtungen im Raum Meadowhall in Sheffield, England.
Anfang August kam dann auch noch das Originalkostüm aus dem Film hinzu und befeuerte den Trend weiter: Ein Auktionshaus bot es zur Versteigerung an, Influencerin Natalie Reynolds erwarb es für insgesamt rund 25.000 Dollar und behauptete anschließend auf ihrem Instagram-Account, es handele sich um eines der verfluchtesten Requisiten der Filmgeschichte. Ihr zufolge sei darin die Seele Mike Myers' gefangen (obwohl der Schauspieler noch lebt).
In den USA nahm der Trend eine weitere Wendung, als Beiträge die Figur für Drohungen gegen Schulen und einzelne Schüler nutzten, wie das Polizei-Fachportal „Police1“ zusammenfasst. In den Posts hieß es etwa, die Figur habe es als Nächstes auf namentlich genannte Schüler abgesehen oder werde an einer Schule auftauchen. Mehrere Jugendliche wurden festgenommen. Einige Schulen verstärkten daraufhin vorsorglich ihre Sicherheitsvorkehrungen.
Nun hat der Kater mit Hut Sachsen-Anhalt erreicht und verbreitet dort vor allem unter Jugendlichen Angst und Schrecken. Dass es sich in Coswig wie in Irland um ein reines KI-Phänomen handelt, ist unwahrscheinlich. Der Fall beruht auf keinem Bild, sondern auf der Aussage einer Anwohnerin, die einer realen Person im Kostüm begegnet sein will. Ob sich alles so zugetragen hat und wer unter der Maske steckte, ist offen. Die Polizei setzt vorerst auf Aufklärung und bittet darum, mit Kindern und Jugendlichen über die Folgen solcher „Pranks“ zu sprechen.
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