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Vorschau auf den Gillamoos 2026: Politische Großkundgebungen nach der Sachsen-Anhalt-Wahl
Politics
Süddeutsche Zeitung55 minutes agoPolitics3 min readGermany

Vorschau auf den Gillamoos 2026: Politische Großkundgebungen nach der Sachsen-Anhalt-Wahl

Traditionelles Volksfest in Abensberg bietet Parteien Bühne zur Einordnung von Wahlergebnissen und für den Schlagabtausch.

Quick Look

  • Der traditionelle Gillamoos in Abensberg bietet Parteien wie CSU, AfD, Freien Wählern, Grünen und SPD eine Bühne zur Einordnung der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
  • Im Fokus stehen Reden prominenter Politiker und die bayerische Landespolitik.

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Why It Matters

Der Gillamoos ist ein traditionsreiches Volksfest in Abensberg, das jährlich politischen Parteien als Plattform für Reden und den politischen Schlagabtausch dient.

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Diesen Montag dürfte der Gillamoos auch überregional wieder breite Beachtung finden – einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt es für die Parteien etwas zu feiern beziehungsweise zu verdauen. Auf jeden Fall gilt es, eine Einordnung der Ergebnisse des Vorabends zu finden, und zwar im Angesicht der eigenen Basis und Anhängerschaft. Was ist beim Gillamoos 2026 zu erwarten, wer kommt als Redner in die Zelte, wie ist die Stimmung? Eine Vorschau.

CSU

Markus Söder war kürzlich in Sachsen-Anhalt, im Harz-Städtchen Wernigerode, um den CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze im Wahlkampf zu unterstützen. Er weiß also um die ungute Lage der Schwesterpartei. Und er wird, auch als Vorsitzender einer Partei der Bundesregierung, beim Gillamoos seine Worte zum Wahlausgang genau wägen: Wie viel ehrliche Schadensanalyse ist angebracht, wie lässt sich dennoch Optimismus streuen? Erwartbar sind jedenfalls klare Worte zur AfD. Söders Abgrenzung zu der in seinen Worten „rechtsextremen Kaderpartei“ ist seit Jahren unmissverständlich.

Womöglich wird nach dem Wahlabend von Sachsen-Anhalt den CSU-Mitgliedern und Sympathisanten im Hofbräuzelt klar, was sie an Söder und seiner CSU haben. Nämlich – trotz der jüngsten Ansätze einer Führungsdebatte – eine politische Stabilität, wie sie selten geworden ist in Deutschland. In der jüngsten Umfrage zur Landtagswahl, wenngleich diese erst 2028 sein wird, kam die CSU stabil auf 38 Prozent. Die AfD landete in der Erhebung des Instituts Civey für die Augsburger Allgemeine auf Platz zwei, mit 20 Prozent. Auch in Bayern spürt die Rechts-außen-Partei starken Zulauf, schon klar; aber sie kommt eben nicht mal in Sichtweite zu Söders Partei.

Ebenfalls bei der CSU auf der Bühne steht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Die „Migrationswende“ ist ein Thema, mit dem die CSU auch vor den eigenen Anhängern punkten kann. Gesunkene Zugangszahlen von Asylbewerbern haben die Lage bei der Unterbringung in den Kommunen enorm entschärft.

AfD

Der Frühschoppen der AfD findet traditionell im Schlossgarten Abensberg statt. Ohne Bierzelt, es herrscht dort eher die Atmosphäre einer Gartenparty. Gut 1000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, das Areal war nahezu überfüllt, auch mit Stehplätzen. Das war vor den bayerischen Kommunalwahlen eine Machtdemonstration, zeigte die Mobilisierungskraft in Niederbayern. Die AfD will diesmal feiern, eine Art Wahlparty für Sachsen-Anhalt. Das machte Katrin Ebner-Steiner, Fraktionschefin im Landtag und Vorsitzender Niederbayern-AfD, schon in der Einladung klar: „Genau einen Tag nach der Landtagswahl“ werde man „kräftig für Stimmung sorgen“.

Alles in allem acht Redner sind in diesem Jahr angesetzt. Stargast aus Berlin ist die Bundespolitikerin Beatrix von Storch. Immer wieder sahen AfD-Politiker in der Vergangenheit den Gillamoos als Freibrief für plumpes Beleidigen. „Drecks-Söder“ nannte etwa AfD-Landeschef Stephan Protschka den Ministerpräsidenten 2022 in seiner Rede. Dazu fällt einem eigentlich gar nichts mehr ein.

Freie Wähler

Wenn Hubert Aiwanger wie gewohnt im Weißbierstadl die Bühne betritt, dann erwartet die Gäste ein wilder Themenritt. Irgendwann landet er aber immer bei den „Drückebergern“ im Bürgergeld, die gehören zum Standardrepertoire. Seit Kurzem findet sich zudem ein neuer Schlager in Aiwangers Bierzeltreden: die Klage über den Bundesfinanzminister, der es auf die Einnahmen ehrenamtlicher Vereine abgesehen habe, wenn diese auf Festen Bier und Hendl verkaufen. Das ist eine Kritik an der Bundesregierung, an der SPD. And an der Union, konkret der CSU?

Aiwanger hält sich mit Kritik jeder Art am Koalitionspartner in Bayern erkennbar zurück. Der stellvertretende Ministerpräsident hatte schon vor einiger Zeit den Wunsch ausgegeben, das Bündnis mit der CSU über 2028 hinaus fortzusetzen. Zugleich buhlen beide Partner um eine ähnliche Klientel. Irgendwann wird Aiwanger, auch mit Blick auf den Wahlkampf 2028, die Milde fallen lassen müssen. Vielleicht fängt er jetzt beim Gillamoos damit an? Außer Aiwanger spricht Christian Nerb, neuer Landrat von Kelheim. Bei der Kommunalwahl im März hatten die Freien Wähler den CSU-Amtsinhaber aus dem Amt gekegelt; das war einer von zahlreichen Siegen der FW bei den Stichwahlen um Landratsämter.

Die Grünen

Bei den Grünen im Weinzelt spricht Katharina Schulze, die Fraktionschefin im Landtag. Sie verordnet ihren Grünen einen konstruktiven Kurs und einen positiven Geist. Mit „Miesepetrigkeit und Angstmacherei“ sei nichts zu gewinnen, sagte sie neulich im Gespräch mit der SZ. Dennoch weiß Schulze wohl: Auf dem Gillamoos muss es auch mal scheppern, da muss man sich die Konkurrenz vorknöpfen. Das freilich kann Schulze schon auch.

Noch mehr beherrscht diese Kunst Anton Hofreiter, Vorsitzender des Europa-Ausschusses im Bundestag. Vielleicht fällt ihm noch etwas ein zu einem Vorstoß dieser Tage: Die bayerische Staatsregierung will, obwohl sie organisatorisch dafür gar nicht zuständig ist, die Brüsseler EU-Verwaltung strikt „auf Diät“ setzen. Das dürfte wohl Widerspruch des Europapolitikers Hofreiter hervorrufen. Auch seine Bewertung zu Sachsen-Anhalt wird interessant; nach dem letzten Umfragestand lagen die Grünen dort um die Fünf-Prozent-Hürde.

SPD

Die SPD holt sich jedes Jahr einen prominenten Gast von außerhalb Bayerns auf die Bühne. Und da gab es schon manche Überraschung. Dass etwa Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte die Probe im Bierzelt mit Bravour besteht, hatten sie 2025 in der Bayern-SPD kaum erwartet. Diesmal kommt Hubertus Heil, der frühere Bundesarbeitsminister. In SPD-Kreisen hört man Zuversicht, dass er „das Zelt rockt“. Und einem, der 2025 in Niedersachsen wieder sein Bundestagsmandat direkt geholt hat, sei eh alles zuzutrauen.

Auf der Bühne stehen beim Gillamoos auch die Landesvorsitzenden Sebastian Roloff und Ronja Endres sowie Holger Grießhammer, der Chef der Landtagsfraktion. In Sachsen-Anhalt ist ein Wiedereinzug der SPD in den Landtag nach letzten Umfragen möglich, aber kein Selbstläufer. Ein Szenario, das übrigens auch in Bayern droht: In der jüngsten Civey-Umfrage kam die SPD auf sechs Prozent.

ÖDP, FDP und Bayernpartei

Auch die außerparlamentarische Opposition lädt ein. Bei der ÖDP, in einem Lokal unweit des Festplatzes, steht das Volksbegehren zur Amtszeitbegrenzung des Ministerpräsidenten im Mittelpunkt. Eine Deckelung auf zehn Jahre hätte wohl direkte Auswirkungen auf Amtsinhaber Söder. Beim Gillamoos will Parteichefin Agnes Becker erklären, warum die Idee der ÖDP, für die sie gerade Unterschriften sammelt, eine „Frischzellenkur für Demokratie und Kultur“ sei.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Auftritt von Parteivertretern beim Gillamoos in Abensberg

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Welche konkreten Reaktionen zeigen die Parteien auf die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt?
  • Wie positionieren sich die Redner zu den anstehenden Wahlen?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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