
Mit dem Kleinbus im ostdeutschen Wahlkampf: Grünen-Chef Felix Banaszak wirbt in Burg um Stimmen gegen umfragestarke AfD.
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Die Grünen stehen in Sachsen-Anhalt in Umfragen bei rund fünf Prozent, während die AfD dort laut aktuellen Umfragen bei über 40 Prozent liegt.
"Findet hier heute Abend was statt?" Zwei Frauen mittleren Alters kommen in der Abendsonne auf ihren E-Bikes an. Es ist ein kleiner Biergarten in Burg in Sachsen-Anhalt, die Theke in einem alten Schiffscontainer, die Stühle und Tische hübsch gemacht. "Bier mit Banaszak" heißt die Veranstaltung. Ein entscheidender Wahlkampf für den Grünen-Chef - und ein mühsamer. Außer den organisierenden lokalen Grünen-Mitgliedern ist kurz vor Beginn noch niemand da.
Wenig später kommt Banaszak mit dem "Taxi Banaszak", einem umgebauten Kleinbus mit einem Foto von ihm drauf. Dann steht er mit Mikrofon vor etwa 30 Leuten und versucht das zu vermitteln, was den AfD-kritischen Menschen hier fehlt: Hoffnung. "Hoffnung heißt: Es ist noch nicht entschieden", sagt Banaszak. "Es ist kein Naturgesetz, dass die AfD am Ende 40 Prozent hat." Aktuelle Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt bei mehr als 40 Prozent.
Banaszaks Grüne haben in Sachsen-Anhalt einen schweren Stand. Sie stehen in Umfragen bei fünf Prozent, der Einzug in den Landtag ist keinesfalls sicher. Ob die Grünen im Landtag in Magdeburg sind oder nicht, könnte darüber entscheiden, ob die AfD eine Alleinregierung bilden kann.
Grüne spüren Polarisierung seit Jahren
Burg liegt eine halbe Stunde vor der Landeshauptstadt Magdeburg. Die Fassaden saniert, ein alter Schornstein mit Storchennest erstrahlt in der Abendsonne, ein Spielplatz in gutem Zustand. Die Einwohnerzahl ist recht stabil.
Doch die Polarisierung spüren die Grünen seit Jahren. Oft nur unter Polizeischutz konnte die Co-Vorsitzende des Kreisverbands, Friederike Larek, bei der Europawahl 2024 Wahlkampf machen. Die Studentin erlebte damals Hass, wurde angespuckt - und sagt heute achselzuckend: "Man gewöhnt sich dran."
Doch den Landtagswahlkampf jetzt erlebe sie ganz anders. "Wir haben gute Diskussionen. Alles in allem bin ich ziemlich positiv überrascht." Menschen sagten ihr, es sei cool, dass es die Grünen noch gebe. "Sowas tut gut!" In der Bundesgeschäftsstelle der Grünen teilt man den Eindruck: Der Hass nehme ab.
Leicht wird es dadurch aber nicht in der Stadt Burg, sagt Larek. "Wer sich jetzt hier politisch engagiert, der weiß, dass er nicht nur Klatschen oder zufriedene Menschen bekommt." Sie verstehe, warum die Menschen wütend sind. Der Hass habe sich "in Überlegenheit gewandelt", glaubt Larek. Fast alle ihre früheren Mitschüler seien weggezogen, sie sei geblieben. "Und damit geht einher, dass ich sage: Ich gebe jetzt alles in diese Tätigkeit rein. Und man bekommt dann auch total viel zurück." Die Unterstützung durch Grünen-Chef Banaszak kann sie da gut gebrauchen.
"Die Zahlen der AfD machen uns wahnsinnig Angst"
Wenn nur mehr Leute da wären. Im Publikum sitzt Anne-Katrin Helmholdt, Lehrerin für Deutsch und Ethik. "Die Zahlen der AfD machen uns wahnsinnig Angst", sagt sie. "Die AfD willst ja auch in der Schule massive Einschnitte vornehmen. Und die sind für uns höchst problematisch", sagt Helmholdt. "Wir haben jetzt schon Sorge, was wir überhaupt sagen dürfen." Doch auch sie und eine Kollegin verstehen die Wut der Menschen im Land. "Die großen Parteien, vielleicht auch Friedrich Merz, haben an den Bürgern vorbei gearbeitet. Viele fühlen sich nicht mehr gesehen."
Zu wenig Engagement im Osten, das bezieht Banaszak jedenfalls nicht auf sich. "Es gibt kein Land außer Brandenburg, in dem ich in den letzten Monaten so viel war wie in Sachsen-Anhalt."
Banaszak erzählt von seiner Wanderung im Harz am Tag zuvor. Der Anblick der Wälder habe ihn schockiert - und gleich ist er bei den Kernthemen der Grünen: Ökologie, Klima, ökologische Landwirtschaft. Er spricht auch über die Sorge vor der AfD, über die Finanznot der Gemeinden, aber auch über Außenpolitik und Völkerrecht.
Die Menschen stellen ihm Fragen zum Kulturkampf, zum Klimaschutz. Manche der Zuschauer wollen aber auch einfach gehört werden: ein Förster, ein Klimaschützer, eine evangelische Pfarrerin. Es sind Menschen, die den Grünen zugeneigt sind. Eine Jungwählerin will wissen, warum sie die Grünen und nicht die Linke wählen soll. "Wir müssen leider gerade Geld ausgeben für Verteidigung und das unterscheidet mich von weiter links", antwortet Banaszak. Mehr als zwei Stunden reden vor den 30 Menschen.
"Nein, diese Aktion alleine wird uns nicht in den Landtag bringen", resümiert auch Banaszak am Ende. "Aber ich glaube, dass die Kombination unterschiedlicher Formate, die wir jetzt im Wahllkampf machen, dass das in der Summe die entscheidenden Stimmen bringen kann." Wenig später steigt er wieder in sein "Taxi Banaszak". Ab nach Magdeburg.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Grünen setzen ihre Wahlkampftour mit verschiedenen Formaten in Sachsen-Anhalt fort.
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