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CDU-Wahlfiasko in Sachsen-Anhalt löst innerparteiliche Debatten und politische Neuordnungen aus
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CDU-Wahlfiasko in Sachsen-Anhalt löst innerparteiliche Debatten und politische Neuordnungen aus

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fordert Tino Schomann den Rücktritt von Friedrich Merz, während BSW und Grüne über neue parlamentarische Konstellationen beraten.

Quick Look

  • Nach der CDU-Niederlage in Sachsen-Anhalt fordert Tino Schomann den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz.
  • Während die CDU intern über Personalien streitet, zeigt sich das BSW offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD bei der Wahl des Landtagspräsidenten.

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Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die CDU vor einer schweren Niederlage. Die AfD ist als stärkste Kraft hervorgegangen, was die Regierungsbildung erschwert.

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Nach dem CDU-Wahlfiasko in Sachsen-Anhalt fordert der stellvertretende Landesparteichef von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Er muss runter vom Sessel, und da muss ein anderer rauf“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage. Zuvor hatte der NDR berichtet.

„Die Pressekonferenz gestern war einfach nur grottig und nicht aufrichtig“, sagte Schomann zu den Äußerungen des Bundeskanzlers, in denen er erklärte, man müsse Reformpläne „auch emotional vermitteln“. Das sei nicht empathisch, und es glaube ihm keiner mehr, erklärte Schomann, der auch Landrat im Landkreis Nordwestmecklenburg ist. Zudem warf er Merz handwerkliche Fehlgriffe vor. „Er kriegt das Land nicht in den Griff“, klagte Schomann.

Der Landrat sprach sich aber gegen eine Neuwahl aus und plädierte stattdessen für eine interne Regelung. Es gebe mehrere Charaktere innerhalb der Union, denen man ihre Empathie abnähme, und die auch durchsetzungsstark seien. Von der CDU nannte er Bundesaußenminister Johann Wadephul und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, von der CSU den Ministerpräsidenten von Bayern, Markus Söder, und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.

Die grüne Bundesspitze zeigt sich offen für den BSW-Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten. „Diese bisher nicht dagewesene Situation erfordert Flexibilität und Kreativität“, sagte Grünen-Chef Felix Banaszak der Internetseite „t‑online“. „Wir als Grüne versperren uns der Idee eines überparteilichen Kandidaten für das Amt der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten nicht.“ Banaszak gibt damit der Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz Rückendeckung, die sich zuvor ähnlich geäußert hatte.

Die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt hat Ministerpräsident Sven Schulze zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Zwei Tage nach der CDU-Niederlage bei der Landtagswahl setzte sich Schulze nach WELT-Informationen in Magdeburg gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer in einer Kampfabstimmung durch. Schulze erhielt 8 Stimmen, Heuer 7.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich dafür ausgesprochen, einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt zu wählen. „Ob wir jemanden wählen, hängt natürlich von der konkreten Kandidatur ab“, sagte Wagenknecht dem „Stern“. „Aber es ist für uns unstrittig, dass der AfD als mit Abstand stärkster Fraktion das Amt des Parlamentspräsidenten zusteht.“ Der neu gewählte parlamentarische Geschäftsführer der BSW-Landtagsfraktion, John Lucas Dittrich, sagte in Magdeburg: „Die AfD wird unsere Stimmen für den Landtagspräsidenten erhalten.“ Es wäre bundesweit das erste Mal, dass die rechte Partei den Präsidenten eines Landesparlaments stellen würde.

Das BSW in Sachsen-Anhalt hat angekündigt, auch mit der AfD über eine Zusammenarbeit zu sprechen. „Für uns existiert keine Brandmauer. Wir werden mit allen Parteien sprechen“, sagte der neugewählte Fraktionschef Thomas Schulze. Gefragt, ob er eine Koalition mit der AfD ausdrücklich ausschließe, antwortete Schulze ausweichend. Er betonte: „Die jetzige Regierungskoalition ist abgewählt worden. Das muss man auch so hinnehmen und das ist eben auch, was wir Demokratie nennen.“ Zum Abschneiden der AfD sagte er: „Wer weit über 40 Prozent bekommt, der ist der Wahlgewinner.“ Vor der Wahl hatte das BSW eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.

Altkanzlerin Angela Merkel hat den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt „einfach schockierend“ genannt. Die frühere CDU-Parteichefin äußerte sich bei der Digitalmesse Digital X der Deutschen Telekom in Köln. „Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz“, sagte die Christdemokratin, die von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin war. „Das ist ein Einschnitt, ein wirklicher Einschnitt, den wir in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben.“

Bedenklich findet sie, dass Fakten bei vielen Bürgern keinen so hohen Stellenwert mehr hätten und stattdessen auf Gefühle referiert werde. Als Beispiel nannte sie die nach ihrer Darstellung faktische Aussage, dass in Sachsen-Anhalt die Arbeitslosigkeit gesunken und der individuelle Wohlstand gestiegen sei. „Und dann sagt der Spitzenkandidat (der AfD, Ulrich Siegmund, Anm.): ‚Kann sein, aber das wird nicht so gefühlt‘.“ Man dürfe nicht zulassen, dass so eine Einstellung mehrheitsfähig werde, sagte Merkel. „Es war der Fortschritt der Aufklärung, dass sich die Summe der Menschen auf Fakten einigen konnte.“ Wenn nun das Gefühl Hoheit übernehme und Fakten nicht mehr als das Wichtigste bewertet werden, wären das zivilisatorische Rückschritte.

Der Vize-Vorsitzende der CDU in Mecklenburg Vorpommern und Landrat in Nordwestmecklenburg, Tino Schomann, fordert einen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung. „Berlin trägt die Hauptverantwortung“, sagte der Kommunalpolitiker mit Blick auf die Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt. Der Kanzler schüre die Ängste der Menschen und breche Versprechen. „Wir brauchen eine Persönlichkeit, die Empathie, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit vermittelt. Er hat gezeigt, dass er das nicht kann. Für die Position ist er in meinen Augen ungeeignet, um das Land auch zu einen und die Probleme im Land zu lösen“, sagte er dem NDR. Es sei ein anderer Charakter an der Spitze der Regierung nötig. „Da muss mehr Druck von der Basis kommen“, sagte Schomann.

Nach dem AfD-Sieg stellt sich der CDU-Sozialflügel gegen eine Personaldebatte. „Zu glauben, mit einem Austausch von Köpfen werde von heute auf morgen alles gut, ist abenteuerlich“, sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Gerade im Lichte unserer Verfassung tauscht man den Spitzenmann nicht einfach aus wie im Fußball einen Trainer oder Sportdirektor.“ Es gehe nun vielmehr darum, „dass wir nach dem schockierenden Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt nicht auch noch in eine Regierungskrise stolpern“, sagte Radtke. Zugleich mahnte er eine Klärung über den politischen Kurs der Union an.

Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) sieht keine Gefahr, dass CDU-Politiker der AfD in Sachsen-Anhalt zu einer Regierungsmehrheit verhelfen könnten. Dafür habe CDU-Landeschef Sven Schulze gesorgt. Auf die Frage, ob es Überläufer aus seiner Partei geben könnte, sagte Müller im Interview von RTL/ntv: „Ich gehe fest davon aus, dass er (Schulze) die Hand dafür ins Feuer legen kann, dass diese Frage, die Sie stellen, mit Nein beantwortet wird.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten durch BSW-Stimmen.

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wer wird neuer Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt?
  • Wie stabil bleibt die CDU-Führung unter Merz?

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This article was originally published by Die Welt.

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